antifaschistische union dortmund http://antifaunion.blogsport.de Tue, 07 Feb 2012 17:31:24 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Statement der Mobilen Beratungen NRW zum Projekt “Dortmund den Dortmundern” http://antifaunion.blogsport.de/2012/02/07/statement-der-mobilen-beratungen-nrw-zum-projekt-dortmund-den-dortmundern/ http://antifaunion.blogsport.de/2012/02/07/statement-der-mobilen-beratungen-nrw-zum-projekt-dortmund-den-dortmundern/#comments Tue, 07 Feb 2012 17:28:40 +0000 Administrator Theorie und Kritik Neonazis und extreme Rechte http://antifaunion.blogsport.de/2012/02/07/statement-der-mobilen-beratungen-nrw-zum-projekt-dortmund-den-dortmundern/ Mit 300.000 Euro fördert das Bundesprogramm “Toleranz fördern – Kompetenz stärken” ein Modellprojekt in Dortmund. Das Projekt mit dem Titel “Dortmund den Dortmundern” ist nun Gegenstand der öffentlichen Diskussion, da die Einbeziehung von organisierten Neonazis (Aktivisten und Kadern) aus Dortmund sowie mangelnde pädagogische Standards kritisiert werden. Die das Projekt verantwortende “Multilateral Academy gGmbh” hat in Ihrem Antragstext verschiedene Kooperationspartner genannt, von denen einige nun auf Distanz gehen. Nach einem Artikel in der Zeitschrift Lotta und einem Offenen Brief des Dortmunder Antifa-Bündnis gab die Stadt Dortmund bekannt, nicht länger als Kooperationspartner zur Verfügung zu stehen. Auch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in NRW wurde in der Projektbeschreibung genannt, war als solche aber zu keinem Zeitpunkt in die Konzeptentwicklung involviert. Deswegen haben sich die fünf Träger der Mobilen Beratung schon vor einigen Monaten an die Projektverantwortlichen gewandt und ihre großen fachlichen Bedenken formuliert. Die Stellungnahme haben wir im Folgenden dokumentiert.

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in NRW hat große fachliche Bedenken, was die Durchführbarkeit und die Erreichbarkeit der formulierten Ziele des Projekts wie auch bezüglich der politischen Außenwirkung betrifft. Dabei können wir die sonstigen Qualitäten und Kompetenzen des Trägers nicht einschätzen, die MLA ist uns allerdings in dem Themenfeld bisher nicht begegnet, scheint also nur bedingt über die notwendige Erfahrungen zu verfügen.

Das Projekt zielt darauf ab, mit einer ganzen Gruppe aus dem harten Kern der Dortmunder Neonazi-Szene (erst einmal) voraussetzungslos zu arbeiten. Das widerspricht der gängigen Praxis von Sozialarbeit mit extrem rechten Jugendlichen. Dort wird mit Aktivisten und Kadern unter der Voraussetzung gearbeitet, dass es von diesen aus eine gewisse Bringschuld (z.B. Distanzierungstendenzen etc.) gibt. Offenbar wird von den Projektverantwortlichen der Unterschied zwischen rechtsaffinen, vorurteilsbehafteten Jugendlichen am Rande der Szenen (mit denen das Vorhaben vielleicht Sinn machen würde) und Jugendlichen/jungen Erwachsenen mit einem geschlossen rechtsextremem und ideologisch gefestigtem Weltbild verkannt. Letztere sind auch in strategisch-taktisch politischem Agieren erfahren und nur bedingt mit pädagogischen oder sozialarbeiterischen Mitteln erreichbar. In Dortmund haben wir es mit Vollzeitaktivisten zu tun, die in einer nazistischen “Parallelwelt” leben.

Wenn Aktivisten und Kader sich auf ein solches Projekt überhaupt einlassen, dann nur um dieses propagandistisch zu instrumentalisieren (bestenfalls noch um einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen). Die Neonazis werden den Rahmen bestimmen. Gerade aus Dortmund gibt es viele Beispiele von durchaus erfolgreichen “Wortergreifungen” von Neonazi-Aktivisten und gelungenen Instrumentalisierungen. Aktivisten des NW DO sind in entsprechenden Situationen geübt.

Wenn man mit ideologisch gefestigt rechten Jugendlichen arbeitet, muss in sehr langwierigen und intensiven Prozessen geklärt werden, welche Maßnahmen die jeweils richtigen sind um Fortschritte (d.h. Distanzierung) zu erzielen. Dazu können auch konfrontative Gespräche (zur Anregung von Reflektion) zählen, diese wären aber bei jedem Jugendlichen individuell anders gelagert. Akzeptierende Jugendarbeit, ein etwas anderer Ansatz, der sich aber im Projekt teilweise ebenso findet, verfolgt bedeutet, erst einmal auf das (oftmals sozial marginalisierte) Individuum zu schauen, Lebensumstände zu ändern (Job, Umfeld, Familie etc.) und einen Rahmen zu schaffen, in dem andere Erfahrungen ermöglicht werden (um so auch Distanzierung zu ermöglichen). All das aber scheint uns bei diesem Projekt nicht gegeben.

Wir halten es für verfehlt von Anfang an eine konfrontative Gruppensituation aufzubauen (Nazis vs. “gefestigte demokratische Jugendliche”). In Gruppenkonstellationen fühlen sich extrem rechte Jugendliche bestärkt, Distanzierungsbestrebungen sind dann schwierig. Gruppenzwang und Gruppendruck verhindern individuelle Reflektionsprozesse. Diese im Projekt angedachte Konfrontation mit den “gefestigt demokratischen Jugendlichen” (wer auch immer das sein soll und wer auch immer deren Demokratiegrad bestimmt) zuzumuten ist u.E. unverantwortlich. Diese Jugendlichen wissen vielleicht gar nicht, auf was sie sich einlassen. Entsprechende Kompetenzen für diese Situation lassen sich auch durch Schulungen und Workshops nicht kurzfristig vermitteln. Es braucht hierbei langjährige Erfahrungen professioneller Kräfte. Schlimmstenfalls bringt man die nicht-rechten Jugendliche erst in Gefahrensituationen, in dem man sie den Neonazi-Aktivisten aussetzt bzw. bekannt macht. Die Neonazi-Szene in Dortmund schöpft ihr Selbstbewusstsein aus Gewalttaten gegen politisch Andersdenkende, die bis hin zu systematischem Terror reichen. Für systematische und geplante rechte Gewalt gibt es leider viel zu viele Beispiele in Dortmund. Es sind aber genau die Akteure dieser Gewalt, die die Zielgruppe des Projektes sind.

In der Vorhabensbeschreibung spiegelt sich u.E. vielfach nicht nur eine Unkenntnis der Dortmunder, sondern extrem rechter Szenen allgemein wider. So heißt es im Antragstext: “Statt einer ritualisierten Auseinandersetzung, die teilweise zu Reproduktion sowie Verfestigung rechtsextremer Einstellungen führt, soll eine diskursorientierte Intervention mit dem Ziel erfolgen, Widersprüchlichkeit in der Verknüpfung von ju-gendkulturellen Mitteln und rechtsextremer Ideologie bei den Autonomen Nationalisten aufzudecken.” Das ist erstens eine ärgerliche Abwertung anderer Ansätze (“ritualisierte Auseinandersetzung”), und zweitens ein typisches Denken vom aufgeklärten Individuum aus, das sich nicht mit Selbstzuschreibungen, Sinnsetzung und Lebenswelten von Neonazis selbst beschäftigt. Das “Konzept” Autonome Nationalisten ist eben gerade ein Modell, um diese Widersprüche innerhalb der Neonazi-Szene leben zu können.

Weiterhin heißt es: “…statt sich auf Prävention im Umfeld rechtsextremer Aktivitäten und Zielgruppen zu beschränken, die eine erforderliche direkte Konfrontation meidet, ermöglicht die Projektteilnahme der Autonomen Sozialisten (es handelt sich um “Autonome NATIONALISTEN” – d.A.) eine direkte Auseinandersetzung mit handelnden Personen.” Mit Verlaub, aber dass es in Dortmund lange Zeit nicht gelang, der Neonazi-Szene etwas entgegenzusetzen lag wahrlich nicht an „nicht wirksamer Prävention“, sondern an mangelndem Problembewusstsein. Da hat sich jedoch einiges in eine positive Richtung entwickelt. Die präventive Arbeit ist dabei ausdrücklich zu begrüßen. Stattdessen wird aber nun im Projekt „Dortmund den Dortmundern“ ein angeblich innovativer Ansatz präsentiert, der aber nicht innovativ ist: “künstlerische Zugang, Zukunftswerkstatt, Konfrontation etc.” das ist alles nichts Neues.

Die Begrifflichkeit mag den Erfordernissen des Bundesprogramms geschuldet sein, wir aber halten ein anderes Problem für gravierender. Wenn in der Vorhabensbeschreibung von einer konfrontativen Pädagogik die Rede ist, so scheint dies zu bedeuten, dass Neonazis faktisch zu gleichberechtigten Diskussionspartnern erhoben werden, die auf Augenhöhe mit den “Demokraten” über die Gestaltung ihres Stadtteils diskutieren und in diesem Kontext ihre Ideen einbringen können (siehe Zukunftswerkstatt). Es ist in der Arbeit gegen Rechtsextremismus allgemein anerkannt, dass es mit Personen, die die Menschenrechte mit Füßen treten und ihr Gegenüber fundamentale Rechte (aufgrund von Herkunft etc.) verweigern wollen (bis hin zur Vernichtung) keinen gleichberechtigten, demokratischen Diskurs geben kann.

In der Praxis könnte sich am Bsp. „Antikriegstag“ in der Konsequenz (Jugendkulturelle Umsetzung S. 5) herausstellen, dass beide Gruppen (“Demokraten” wie “Rechte”) irgendwie “gegen Krieg” eingestellt sind. Um dabei zu bleiben. Im Vorhaben ist zu lesen: “Jugendliche beider Gruppen haben eine Affinität zu künstlerisch-kreativer Arbeit, die hier genutzt wird. Diese soll auch eine Brücke bauen zur Gegenüberstellung der Meinungen und zur Offenlegung der unter 4.1 beschriebenen Widersprüchlichkeit.” Diese Ausführungen halten wir für naiv. Wenn ich nazistische Propaganda (Hakenkreuze, Graffitis mit NS-Parolen) der AN als kreativ-künstlerisch werte, dann kann ich jegliche Versuche Jugendlicher, sich in den öffentlichen Raum einzuschreiben als “Affinität zu künstlerisch-kreativer Arbeit” deklarieren und Gemeinsamkeiten zwischen Nazis und nicht-rechten Jugendlichen herstellen. Dieser Ansatz erschließt sich uns nicht.

Im Vorhaben wird auch gesagt, dass “über die fünf Beratungsnetzwerke Rechtsextremismus in NRW (fachlich) […] eine Multiplizierung der Ergebnisse in die Praxis erfolgen” wird. In dieser Beziehung gab es keine Absprache mit uns. Wir haben große Bedenken hinsichtlich des Projektes und können uns eine Kooperation bei dieser Konzeption derzeit nicht vorstellen.

Köln, den 30.09.2011

Die Träger Mobiler Beratung gegen Rechtsextremismus in NRW

ibs/NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
mobim/Geschichtsort Villa ten Hompel, Münster
AKE-Bildungswerk e.V.
Wupppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz
Amt für Jugendarbeit der EKvW – Gewalt Akademie Villigst

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Anklagen gegen vier Neonazis erhoben http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/30/anklagen-gegen-vier-neonazis-erhoben/ http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/30/anklagen-gegen-vier-neonazis-erhoben/#comments Mon, 30 Jan 2012 17:35:06 +0000 Administrator Kurzmeldungen Neonazis und extreme Rechte http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/30/anklagen-gegen-vier-neonazis-erhoben/ Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat gegen vier Neonazis im Alter von 19 bis 25 Jahren, die der Skinhead-Front Dortmund-Dorstfeld zugerechnet werden, Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung erhoben. Unter den Angeklagten befindet sich auch auch der einschlägig vorbestrafte Sven Kahlin, der am 28. März 2005 den Punker Thomas Schulz erstochen hatte. Das Quartett hat am 26. November 2011 auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt nach einer verbalen Auseinandersetzung auf zwei Jugendliche eingeschlagen und eingetreten.

Eine 21 Jahre alte Dortmunderin, die sich auf Zeugenaufrufe nachträglich bei der Polizei gemeldet hatte, soll zudem als „Vaterlandsverräterin“ tituliert und bespuckt, ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes soll als „dreckiger Jude“ beschimpft worden sein. Laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft Dortmund befinden sich zwei der Angeschuldigten seit Anfang Dezember in Untersuchungshaft. Gegen den 19-jährigen derzeit in Untersuchungshaft sitzenden Neonazi sind noch drei weitere Anklagen wegen Körperverletzung anhängig.

Mehr Infos:
Sat1-NRW-Bericht: Opfer von Neonazi-Gewalt
WDR: Dortmunder Neonazi schlug wieder zu
Rechter Mörder Sven Kahlin wieder in Haft
Neonazis griffen zwei Jugendliche an

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Audio-Mitschnitt „Kein 10. Opfer!“? http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/30/audio-mitschnitt-kein-10-opfer/ http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/30/audio-mitschnitt-kein-10-opfer/#comments Mon, 30 Jan 2012 16:48:17 +0000 Administrator Theorie und Kritik Neonazis und extreme Rechte Aktionen und Berichte http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/30/audio-mitschnitt-kein-10-opfer/ Am 17. Januar 2012 veranstaltete das Dortmunder Antifa-Bündnis zusammen mit dem Forum gegen Rassismus einen Vortrag zum Thema Nationalsozialistischer Untergrund, Rechtsterrorismus und zur Rolle des Staates. Dazu referierten AktivistInnen des apabiz vor rund 70 Interessierten aus Dortmund und Umgebung im Dietrich Keuning-Haus.

Wer es nicht geschafft hat zum Vortrag zu kommen, hat nun dank des Antifa Medienzentrum Dortmund die Möglichkeit, sich den Vortrag via Freie-Radios im Netz anzuhören bzw. zu downloaden. Den Podcast findet ihr hier.

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Campusradio eldoradio* zur Naziszene http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/28/campusradio-eldoradio-zur-naziszene/ http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/28/campusradio-eldoradio-zur-naziszene/#comments Sat, 28 Jan 2012 18:53:25 +0000 Administrator Theorie und Kritik Neonazis und extreme Rechte Aktionen und Berichte http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/28/campusradio-eldoradio-zur-naziszene/ In den vergangenen Tagen sendete das Dortmunder Campusradio eldoradio* mehrere Beiträge zum Thema extreme Rechte in Dortmund. Auch lokale AntifaschistInnen wurden in diesem Zusammenhang interviewt. Nachfolgend findet ihr hier die einzelnen Podcasts, jeweils mit der offiziellen Beschreibung.

Berichterstattung über Rechtsextremismus (26.01.2012)
[] (3.3 MB / 2:24 min)

Seit Wochen schon wird über die Zwickauer Terrorzelle berichtet, die für eine Mordeserie in Deutschland verantwortlich sein soll. Wie aber ist die Berichterstattung zum Thema Rechtsextremismus zu bewerten? Ein Kommentar.

Neonazis unter BVB-Fans? (25.1.2012)
[] (4.2 MB / 3:6 min)

Dortmund gilt als Zentrum der westdeutschen Neonazi-Szene. Für eldoradio* ist das ein Grund, die Dortmunder Zustände in verschiedenen Beiträgen mal genauer zu durchleuchten. Wie sieht es beispielsweise aus im Umfeld des BVB? Stehen die Nazis auch auf der Südtribüne?

Die Rechte Szene in Dortmund (24.1.2012)
[] (5.5 MB / 4:0 min)

Springerstiefel, Glatze, Bomberjacke – ganz klar: ein Neonazi. Er ist aggressiv, gewaltbereit und dumm, so das Klischee. Doch das stimmt längst nicht mehr: Die modernen Neonazis lassen sich nicht mehr leicht erkennen, ihre Anführer sind gut ausgebildet. Sie sitzen in der U-Bahn, stehen an der Supermarkt-Kasse vor uns und schlendern über den Campus. Dortmund ist die westliche Hochburg für Neonazis. Im zweiten Teil unserer Rechtsextremismus-Serie erfahrt ihr, wie viele Neonazis in Dortmund leben und was die rechte Szene hier ausmacht.

Opfer rechter Gewalt (23.1.2012)
[] (4.4 MB / 3:13 min)

Spätestens seit der Zwickauer Terrorzelle wird der Rechtsextremismus fast jeden Tag in den Nachrichten thematisiert. Aber oft gibt es auch Angriffe von rechtsextremistischen Gruppen, die es nicht in die Schlagzeilen schaffen und unbemerkt bleiben. Eine Ausstellung in der Petri-Kirche in Dortmund macht jetzt genau auf die

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Offener Brief des Dortmunder Antifa-Bündnisses anlässlich des staatsfinanzierten Projektes „Dortmund den Dortmundern“ http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/25/offener-brief-des-dortmunder-antifa-buendnisses-anlaesslich-des-staatsfinanzierten-projektes-dortmund-den-dortmundern/ http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/25/offener-brief-des-dortmunder-antifa-buendnisses-anlaesslich-des-staatsfinanzierten-projektes-dortmund-den-dortmundern/#comments Wed, 25 Jan 2012 14:16:46 +0000 Administrator Theorie und Kritik Neonazis und extreme Rechte Aktionen und Berichte http://antifaunion.blogsport.de/2012/01/25/offener-brief-des-dortmunder-antifa-buendnisses-anlaesslich-des-staatsfinanzierten-projektes-dortmund-den-dortmundern/

Sehr geehrte Damen und Herren,

dieser offene Brief richtet sich an die Verantwortlichen und Kooperationspartner_innen des Projektes „Dortmund den Dortmundern“.

Wie auch der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu entnehmen ist, soll in Dortmund ein mit Bundesmitteln gefördertes Projekt stattfinden, das sich den gleichberechtigten Dialog mit Protagonist_innen der Dortmunder Neonaziszene zum Ziel gesetzt hat.

Kreativworkshop mit Neonazi-Schlägern
Zu diesem Zweck möchte die multilateral academy ggmbh aus Dortmund, die als Trägerin für dieses Projekts verantwortlich zeichnet, 30 Neonazis – Kader wie Mitläufer – gegen 30 „demokratisch orientierte Jugendliche“ antreten lassen, um offen und fair über die Frage zu diskutieren, wem die Stadt Dortmund gehört und wie sich die Zukunftswünsche der Beteiligten für eben diese darstellen. Im Verlauf des Projekts sollen beide Gruppen ihre Sichtweise in künstlerischen Workshops verarbeiten. Ziel ist eine Gegenüberstellung der politischen Konzepte, so dass die nicht-rechten Jugendlichen in der konfrontativen Auseinandersetzung mit den Neonazis in ihrem demokratischen Weltbild gestärkt werden.

Dem Träger fehlt offensichtlich nicht nur das Wissen über die Ideologie und Praxis neuer Nationalsozialist_innen und die Kenntnis pädagogischer Mindeststandards. Die Konzipierung dieses Projekts und dessen Unterstützung durch das Familienministerium lassen auch jegliche Sensibilität in Bezug auf die Viktimisierungserfahrungen von Opfern rechter Gewalt vermissen, die mit den im Rahmen des Projekts geforderten „fairen Spielregen“ für Neonazis, sich zurecht vor den Kopf gestoßen fühlen werden. Wir als Zusammenschluss Dortmunder Antifa-Gruppen finden dieses Projekt unter anderem deshalb mehr als bedenklich.

Öffentlich geförderte Neonazi-Propaganda?
Den Neonazis wird in diesem Szenario eine Plattform zur Selbstdarstellung und eine Bühne für die Propagierung ihrer Ideologie geboten. Politische Positionen, die weitgehend nicht umsonst als indiskutabel und geächtet gelten, werden in den Stand diskussionswürdiger Meinungen gehoben. Während die Stadt Dortmund und zivilgesellschaftliche Akteure im Rahmen von Protestaktionen gegen Neonaziaufmärsche versuchen, die Außenwirkung der rechten Propaganda zu minimieren, wird diese im Rahmen dieses Projekt noch hofiert.

Gerade die Kader der Neonaziszene, die explizit in das Projekt eingebunden werden sollen, werden sich für diese Möglichkeit der öffentlichen Präsentation ihrer rassistischen und antisemitischen Ideologie bedanken. Es ist naiv zu glauben, dass überzeugte und ideologisch gefestigte Neonazis an einem solchen Vorhaben teilnehmen, um ihre Positionen ergebnisoffen zu diskutieren. Stattdessen werden sie den ihnen angebotenen Raum nutzen, um ihren bekannten Forderungen nach einem rassistischen Führerstaat Ausdruck zu verleihen.

Es ist eine seit Jahren angewandte Strategie der Neonaziszene, auf Veranstaltungen gegen rechte Umtriebe zu erscheinen und mittels der so genannten Wortergreifungsstrategie zu versuchen, diese Veranstaltungen mit eigenen Inhalten zu dominieren. Ein Projekt, das ihnen das Wort auch noch freiwillig erteilt, werden sie daher mit Freuden annehmen.

Pädagogische Fehleinschätzungen und politisches Desaster
Ohnehin steckt schon in der Grundidee des Projektes ein Paradoxon: Die Veranstalter_innen wollen mit Neonazis gegen Neonazis vorgehen. Welche Motivation geschulte Nazikader haben sollten, ihre erklärten politischen Ziele zu bekämpfen, ist uns rätselhaft. Wie es der multilateral academy ggmbh gelingen will, die extrem rechten Protagonist_innen dazu zu bringen, geht aus dem Konzeptpapier – das vom Familienministerium immerhin als „zukunftsfähiges“ Modellprojekt angepriesen wird – nicht hervor.

Es ist davon auszugehen, dass die Neonazis, gerade auch in Anwesenheit ihrer Gesinnungsgenossen_innen, als einheitliche Gruppe agieren werden. Der Konformitätsdruck innerhalb der Neonaziszene ist hoch und wird in der Auseinandersetzung mit politischen Gegner_innen noch verstärkt. Wie hier pädagogische Interventionen greifen sollen, bleibt uns schleierhaft.

Ignoranz gegenüber rechter Gewalt
Völlig unter den Tisch fällt in dem Projektkonzept die Tatsache, dass ein nicht geringer Teil der Politik der Dortmunder Neonazis in Gewalt gegen ihre politischen Gegner_innen besteht. Es kann nicht deutlich genug gesagt werden: dieses Projekt möchte eine Gruppe „demokratischer Jugendlicher“ mit einer Gruppe von Neonazis konfrontieren, deren Praxis unter anderem darin besteht, Menschen zu attackieren, die nicht ihre politischen Zielvorstellungen teilen oder die ins Visier geraten, nur weil sie in den Augen der Neonazis die falsche Hautfarbe haben oder von ihnen als minderwertig angesehen werden.

Die Neonazis in Dortmund haben die Frage, wessen Stadt Dortmund sein soll, schon vor Jahren für sich geklärt. Sie suchen gezielt ihre politischen Gegner_innen auf und versuchen sie mit Gewalt von weiteren Aktivitäten abzuschrecken. Diese Gewalt trifft von Parteien bis zu autonomen Antifaschist_innen und Migrant_innen alle Personen, die ihnen als Gegner_innen auffallen und entgegentreten. Der ignorante Umgang mit dieser Problematik disqualifiziert die Verantwortlichen in fachlicher und politischer Hinsicht endgültig.

Stoppen sie dieses Projekt!
Uns ist es ein Rätsel, warum Organisationen wie das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, aber auch der Stadtjugendring und die städtische Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie als „Kooperations- und Netzwerkpartner“ eines solchen Projekts aufgeführt werden. Wir fordern von den Unterstützer_innen dieses Vorhabens, ihre Mitarbeit aufzukündigen und zu erklären, wie es zu einer solchen Partnerschaft kommen konnte.

An die Organisator_innen und Konzeptentwickler_innen richten wir die Forderung, das Projekt umgehend einzustellen. Die methodisch-didaktischen Mängel dieses Projektes und die Verletzung politischer Mindeststandards im Rahmen dieses Vorhabens führen uns zu der Frage, wie das Projekt „Dortmund den Dortmundern“ überhaupt erst in den Rang eines Modellprojekts des Familienministeriums erhoben werden konnte.

Diese E-Mail geht auch an die Parteien der Stadt Dortmund, Akteure der Dortmunder Zivilgesellschaft und wird darüber hinaus auch über andere Plattformen veröffentlicht.

Mit freundlichen Grüßen,
Dortmunder Antifa-Bündnis

[web] http://dab.nadir.org/
[mail] dab-info@nadir.org

Ergänzende Informationen:
Heine, Torben (2012): Mit Nazis spielen? Das staatsfinanzierte Projekt »Dortmund den Dortmundern«. In: LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen. Online verfügbar unter: http://www.linksnet.de/de/artikel/27245

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