antifaschistische union dortmund http://antifaunion.blogsport.de Tue, 25 Jul 2017 20:11:11 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Rechtes Bekleidungsgeschäft in Dortmund? http://antifaunion.blogsport.de/2017/07/25/rechtes-bekleidungsgeschaeft-in-dortmund/ http://antifaunion.blogsport.de/2017/07/25/rechtes-bekleidungsgeschaeft-in-dortmund/#comments Tue, 25 Jul 2017 19:35:21 +0000 Administrator antifa [dortmund] Kurzmeldungen Neonazis und extreme Rechte http://antifaunion.blogsport.de/2017/07/25/rechtes-bekleidungsgeschaeft-in-dortmund/ SportlichElegant

Am 22. Juli eröffnete in der Kaiserstraße 5a der ‚Streetwear‘-Laden SportlichElegant. Nach eigener Auskunft bietet der Bekleidungsladen „Stylische Klamotten für den Alltag, das Training oder auch für`s Stadion“ (sic!) an ein interessiertes Publikum an. Daneben wird auch unterschiedliches Kampfsportzubehör verkauft. Das Geschäft richtet sich damit vorrangig an Personen aus der Kampfsport- und Hooliganszene. Doch einige Hinweise lassen die Vermutung zu, dass hier vor allem eine rechte Kundschaft angesprochen werden soll.

Der Betreiber

Betrieben wird der Laden von dem Duisburger Daniel Heinze, der ursprünglich aus Cottbus stammt. Dass er ausgerechnet ein Geschäft dieser Art eröffnet hat, ist kein Zufall: Heinze war selber in Hooligankreisen des MSV Duisburg aktiv und kann dem Umfeld der mitterweile aufgelösten Hooliganvereinigung Division Duisburg zugerechnet werden. Diesen Schluss lassen Bilder zu, auf denen er mit Mitgliedern und Neonazis der Duisburger Hooligangruppe zu sehen ist. Die Division Duisburg war eng mit den Strukturen des Nationalen Widerstands Duisburg verbunden und fiel immer wieder durch rechte und gewalttätige Äktionen inner- und außerhalb des Stadions auf.1 Neben einer regelmäßigen Teilnahme an den Duisburger Pegida-Aufmärschen und an den Ausschreitungen der HoGeSa-Demo 2015, kann der Divison zuletzt ein Überfall auf eine Party der Ultragruppe Kohorte”im Januar 2015 zugerechnet werden.2 Nach diesen Ereignissen löste sich die Division – mutmaßlich aus Sorge vor Repressionen – auf.3

Bild 1: Daniel Heinze (hinten, schwarzes Shirt) zusammen mit Duisburger und Mannheimer Hooligans, u.a dem Duisburger Neonazi und Divison-Mitglied Stefan Gessner (im Yakuza-Tanktop) und dem Hamburger (ehemals Mannheimer) Nazi-Hool und “Hammerskin” Wolfang Benkeßer (im blauen Shirt).

Bild 2: Heinzes Bekanntschaft Wolfgang Benkeßer (mit Hakenkreuz-Tatöwierung) beim Feiern mit anderen Neonazis auf Mallorca. Die Feiereien deutscher Neonazis sorgten bundesweit für Aufsehen. Mit dabei waren auch Dortmunder Neonazis.

Dass Daniel Heinze selbst auch eine rechte Einstellung vertritt, legt sein Facebook-Profil nahe: Ihm “gefällt” die Identitäre Bewegung, eine rassistische Gruppierung, die zuletzt für Aufmerksamkeit sorgte, weil sie im Mittelmeer Geflüchtete stoppen wollte. Zudem machte Heinze auf seinem Profil Werbung für das Kampfsport-Event Kampf der Nibelungen. Das Turnier ist eine Veranstaltung von Neonazis für Neonazis und eines der größten Treffen der rechten Kampfsport-Szene.4

Von dem Event fühlten sich auch Dortmunder Neonazis angezogen, die im Übrigen auch öfters im Umfeld der rechten MSV-Hooligans auftauchten. Möglicherweise ist dies auch ein Grund dafür, dass der Dortmunder Neonazi Alexander Deptolla sich auf Facebook zumindest “interessiert” an der Eröffnung des SportlichElegant zeigte.

Die Marken

Dem Facebookauftritt des Geschäfts zufolge können dort u.a die Bekleidungsmarken Label 23, Pro Violence und Yakuza erworben werden. Mindestens die ersten Beiden können als Kleidungsmarken des extrem rechten Hooligansspektrum eingeordnet werden. So gehörte die Vorgängermarke von Label 23, BoxingConnection dem Cottbusser Neonazi Markus Walzuck. Label 23 erfreut sich hoher Beliebtheit in rechten Hooligankreisen.5
Bild: Sexistische Werbegrafik für die geführten Klamottenmarken im SportlichElegant.

Ähnlich verhält es sich mit der Marke Pro Violence: auch sie richtet sich vornehmlich an Personen aus der Hooligan- und Kampfsportszene und setzt auf eine martialische Ästhetik. Inhaber ist der Magedeburger Neonazi Christoph Herpich. Er versuchte auch im Jahr 2003 die Marke beim Patentamt anzumelden, was aber aufgrund des gewaltverherrlichenden Namens nicht gelang.6 Die Marke Yakuza hingegen distanziert sich öffentlich zwar von einer rechten Ideologie, allerdings ergaben Recherchen des Antifaschistischen Infoblatts (AIB) aus dem Jahre 2015, dass die Marke zumindest zwielichtig zu sein scheint. Der Betreiber habe immer wieder Kontakte zu Neonazis gehabt und als Vertriebsleiter für Tschechien den Sänger der Rechtsrock-Band Conflict 88 eingesetzt.7

Zusammenfassung

Es liegen mehrere Hinweise vor, dass es sich bei dem SportlichElegant um ein mindestens rechtsaffines Bekleidungsgeschäft handelt, dessen Betreiber den Kontakt zu organisierten Neonazis nicht scheut. Es werden dort Kleidungsmarken angeboten, die vor allem von AnhängerInnen der rechten Kampfsport- und Hooliganszene getragen werden. Dies ruft Erinnerungen an den rechten Bekleidungsladen Alte Liebe hervor, der vor zehn Jahren ebenfalls in Dortmund Kleidung an Neonazis und Hooligans verkaufte und nach erfolgreicher antifaschistischer Interventionen allerdings wieder schließen musste. Wir rufen daher dazu auf, den Betrieb des SportlichElegant kritisch zu beobachten und auf weitere Verbindungen in die extreme Rechte zu überprüfen. Neonazis und rechten Hooligans sollte keine Möglichkeit gegeben werden, ungestört mitten in der Dortmunder Innenstadt Geschäfte zu betreiben und rechte Ideologie zu verbreiten.

  1. Eine Übersicht der Taten findet sich hier: https://www.facebook.com/ZEBRASGEGENRECHTS/posts/444578255695441 [zurück]
  2. https://www.waz.de/staedte/duisburg/rechte-hooligans-sollen-msv-ultras-brutal-attackiert-haben-id10259546.html [zurück]
  3. https://www.waz.de/staedte/duisburg/msv-hooligans-der-division-duisburg-haben-sich-aufgeloest-id10303007.html [zurück]
  4. http://www.fussball-gegen-nazis.de/artikel/kampf-der-nibelungen-eine-sportveranstaltung-von-und-f%C3%BCr-neonazis-11267 [zurück]
  5. https://www.antifainfoblatt.de/artikel/%C2%BBleben-hei%C3%9Ft-kampf%C2%AB-die-cottbuser-marke-%C2%BBlabel-23%C2%AB [zurück]
  6. http://www.belltower.news/artikel/pro-violence-11234 [zurück]
  7. htts://www.antifainfoblatt.de/artikel/„yakuza“-—-das-neue-„thor-steinar“ [zurück]
]]>
http://antifaunion.blogsport.de/2017/07/25/rechtes-bekleidungsgeschaeft-in-dortmund/feed/
Dortmunder Neonazi Matthias Deyda kauft Haus in Dorstfeld http://antifaunion.blogsport.de/2017/05/26/dortmunder-neonazi-matthias-deyda-kauft-haus-in-dorstfeld/ http://antifaunion.blogsport.de/2017/05/26/dortmunder-neonazi-matthias-deyda-kauft-haus-in-dorstfeld/#comments Fri, 26 May 2017 10:32:48 +0000 Administrator antifa [dortmund] Kurzmeldungen Neonazis und extreme Rechte http://antifaunion.blogsport.de/2017/05/26/dortmunder-neonazi-matthias-deyda-kauft-haus-in-dorstfeld/ Mit diesem Text möchten wir auf unsere Rechercheergebnisse auf einen Hauskauf durch Dortmunder Neonazis aufmerksam machen.

Der Dortmunder Stadtteil Dorstfeld ist als Wohnort etlicher Neonazis bekannt. Insbesondere in Häusern an der Thusneldastraße und der Emscherstraße sowie um den zentral gelegenen Wilhelmplatz herum haben viele von ihnen Wohnungen. Dies ist wohl einer der Gründe dafür, warum sie den Stadtteil immer wieder als Nazikiez betiteln. Doch nun kommt eine weitere Immobilie in Dorstfeld hinzu: Unsere Recherchen haben mit Sicherheit ergeben, dass der Neonazi Matthias Deyda ein Haus gekauft hat. Das Haus befindet sich an der Siepenmühle 15, eine kleine und ruhige Straße hinter einer Lärmschutzwand der Dorstfelder Allee. Vom S-Bahnhof Dortmund-Dorstfeld aus ist das Objekt in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. Das Haus verfügt über mehrere Wohneinheiten, auf dem hinteren Teil des Grundstücks befindet sich noch ein kleinerer Anbau.

Der Käufer: Matthias Deyda

Der 25-jährige Deyda kann mittlerweile als Teil der Führungsriege der Dortmunder Neonazis angesehen werden. Seit rund sieben Jahren hält der aus Hamm Bockum-Hövel stammende Neonazi sich in Dortmund auf und wohnt derzeit in der Thusneldastraße 2. Regelmäßig tritt er auf rechten Demonstrationen als Redner auf, dieses Jahr auch auf dem neonazistischen Lukow-Marsch in Sofia (Bulgarien). Dort sprach er bereits 2014 und beteiligte sich danach an Angriffen auf Sinti und Roma sowie auf eine Moschee in der Stadt Plovdiv. Als Mitglied der Partei „Die Rechte“ kandidierte er zuletzt bei der Landtagswahl 2017 als Direktkandidat für die Bezirke Aplerbeck, Brackel und Scharnhorst. Daneben fiel er durch regelmäßige Kontakte zu Neonazis in Chemnitz auf. Warum ausgerechnet Matthias Deyda als Käufer des Hauses auftritt, kann momentan nicht eindeutig beantwortet werden. Es ist nur schwer vorstellbar, dass er als ausgebildeter Maler und Lackierer bisher ausreichend Vermögen für einen Hauskauf ansparen konnte. Es ist daher anzunehmen, dass andere Neonazis den Hauskauf mitfinanziert haben und Deyda lediglich auf dem Papier der Käufer ist.

Gründe für den Kauf

Der Kauf des Hauses wirft die Frage nach der Nutzung auf. Zum einem ist es denkbar, dass sich die Dortmunder Neonazis hier weitere Wohnmöglichkeiten schaffen wollen, um ihre Verankerung in Dorstfeld weiter zu stärken. Ebenso würde sich das Haus als Übernachtungsmöglichkeiten für auswärtige Neonazis bei Aufmärschen oder Rechtsrock-Konzerten in Dortmund anbieten. Bereits in der Vergangenheit reisten zu größeren Aufmärschen schon einen Tag vorher Neonazis aus anderen Regionen nach Dortmund. Daneben konnten Neonazis, die aufgrund von Problemen im Elternhaus oder einer Entlassung aus der Haft kurzfristig immer wieder Unterschlupf in den Wohnungen in der Thusnelda- und Emscherstraße finden. Denkbar wäre es also, dass das neue Haus auch für solche Fälle genutzt werden könnte.

Eine weitere Möglichkeit wäre auch die Nutzung als Treffpunkt. Denn ein „Nationales Zentrum“, wie es die Dortmunder Neonazis in der Vergangenheit immer wieder versucht hatten zu errichten, fehlt ihnen derzeit. So fungierte längere Zeit eine Immobilie an der Rheinischen Straße 135 als Veranstaltungsort für Vorträge und Partys sowie als Lagermöglichkeit. Nachdem wir im Sommer 2010 die Kaufabsicht des Hauses durch die Neonazis publik machten, kam ihnen die Stadt Dortmund auf öffentlichen Druck hin zuvor und kaufte das Haus. Wenige Zeit später kündigte sie den Neonazis, die nur im Mietverhältnis standen. Mittlerweile befindet sich in den Räumlichkeiten an der Rheinischen Straße ein städtisches Jugendzentrum.

Im November 2012 wurde dann bekannt, dass der Neonazi Dietrich Surmann ein Ladenlokal im Stadtteil Huckarde erworben hatte. Nach eigenen Informationen der Neonazis sollte dort eine Geschäftsstelle der Partei „Die Rechte“ entstehen. Nach anfänglich ambitionierten Renovierungsarbeiten mussten diese jedoch bald eingestellt werden, als herauskam, dass die offenbar mit wenig Statik-Kenntnissen ausgestatteten Neonazis eine tragende Wand herausgeschlagen hatten. Das Bauamt untersagte daraufhin jeglichen Zutritt zu dem Ladenlokal, sodass auch dieses Objekt nicht weiter genutzt werden konnte. Daher ist nicht auszuschließen, dass nun das neu gekaufte Haus an der Siepenmühle ähnliche Funktionen haben soll, um so wieder einen Treffpunkt aufbauen zu können.

Wie weiter?

Da das Haus bereits gekauft ist, kann eine Strategie wie im Fall der „Rheinischen Straße 135″ nicht mehr funktionieren. Wir haben uns dazu entschlossen, den Hauskauf öffentlich zu machen, um auf dessen Auswirkungen aufmerksam zu machen. Ein Immobilie dieser Größe ermöglicht den Dortmunder Neonazis Formen der Infrastruktur, die ihnen nach dem Verbot des „Nationalen Widerstands Dortmund“ im Jahre 2012 verloren gingen. Durch die ruhige Lage des Hauses wäre es den Neonazis zudem möglich, relativ ungestört Veranstaltungen abzuhalten. Zusammenfassend kann also konstatiert werden, dass ein neues Haus den Dortmunder Neonazis verschiedene Vorteile verschaffen wird. Wir werden die Entwicklungen daher weiterhin beobachten und dokumentieren. Ferner wäre zu prüfen, ob weitere Kaufabsichten von Immobilieneigentum durch Neoanazis – sowohl aus Dortmund als auch aus anderen Städten – vorliegen könnten, um so möglichst früh den Erwerb von weiteren Häusern aus den genannten Gründen verhindern zu können. Die Stadt Dortmund und Immobiliengesellschaften wären weiterhin gut damit beraten, sich mit dem Personal der hiesigen Neoanzi-Szene zu beschäftigen, um weiteren Raumgewinnen der Neonazis auch präventiv begegnen zu können.

]]>
http://antifaunion.blogsport.de/2017/05/26/dortmunder-neonazi-matthias-deyda-kauft-haus-in-dorstfeld/feed/
Dortmunds extreme Rechte: Zurück zu den Anfängen!? http://antifaunion.blogsport.de/2017/02/13/dortmund-extrem-rechte-zurueck-zu-den-anfaengen/ http://antifaunion.blogsport.de/2017/02/13/dortmund-extrem-rechte-zurueck-zu-den-anfaengen/#comments Mon, 13 Feb 2017 18:16:08 +0000 Administrator antifa [dortmund] Kurzmeldungen Neonazis und extreme Rechte http://antifaunion.blogsport.de/2017/02/13/dortmund-extrem-rechte-zurueck-zu-den-anfaengen/ No Future
Die Geschehnisse und Diskussionen rund um das Auftreten der Dortmunder Neonazis bei einer geplanten Podiumsdiskussion zur Landtagswahl des Autonomen Schwulenreferats der Technischen Universität Dortmund haben uns dazu bewogen, das veränderte Auftreten der Neonazis in Dortmund zusammen zu fassen.

Seit geraumer Zeit versuchen Dortmunder Neonazis der Partei „Die Rechte“ politische GegnerInnen verstärkt durch Provokationen und militantes Auftreten einzuschüchtern. In den letzten Wochen war dies teilweise ihre Reaktion auf antifaschistisches Engagement.
Am 23. Januar meldeten Neonazis eine Kundgebung im Dortmunder Hafen an, in unmittelbarer Nähe zum anarchistischen Buchladen „Black Pigeon“. Hintergrund dafür war eine Veranstaltung von bulgarischen AntifaschistInnen, die über die dortige Situation im Allgemeinen und über die Zusammenarbeit zwischen bulgarischen und deutschen Nazis im Speziellen referierten. Zu der Kundgebung kamen lediglich 30 Neonazis, rund 200 Menschen, darunter auch AnwohnerInnen, stellten sich den Rechten entgegen und solidarisierten sich mit dem „Black Pigeon“. Ein spontan angemeldeter Aufmarsch zum Hauptbahnhof wurde den Nazis durch die Polizei, welche mit einem Großaufgebot die rechte Kundgebung schützte, verboten. Die Begründung: zu hohes Gefahrenpotential. Zu viele GegendemonstrantInnen waren im Hafenviertel unterwegs.

Mit dieser Prognose untersagte die Polizei bereits im vergangenen Jahr die ursprüngliche Route des „Tags der deutschen Zukunft“ durch die Nordstadt. Ein Viertel, das durch MigrantInnen geprägt ist und sich seit geraumer Zeit großer Beliebtheit bei Linken, Alternativen und Studierenden erfreut. Nachdem am 21. Dezember 2014 ein Aufmarsch durch 300 Antifas verhindert wurde und es zu Angriffen auf Polizei und Nazis kam, ließ die Polizei in diesem Gebiet größere Naziaufmärsche nicht mehr stattfinden. Lediglich kleine Kundgebungen umgeben von Wagenburgen aus Polizeifahrzeugen und in unmittelbarer Nähe zu U-Bahn-Haltestellen wurden abgehalten.

Zurück ins Jahr 2017: Nicht einmal eine Woche nach der Kundgebung gegen den Vortrag im „Black Pidgeon“ riefen die Nazis für Freitag den 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, zu einer weiteren Kundgebung in der Nordstadt auf. Diesmal in der Nähe der links-alternativen Kulturkneipe „Nordpol“. Unter dem Motto „Gegen Polizeirepressionen: Versammlungsfreiheit muss auch in der Nordstadt gelten!“ wollten sie dort protestieren. Diesem Aufruf folgten die gleichen 30 KameradInnen wie bereits am Montag zuvor. Das Szenario war ähnlich. Lediglich die Polizei war von Anfang an extrem aggressiv gegenüber GegendemonstrantInnen. An diesem Tag schaffte es die Staatsgewalt jedoch trotz hoher Präsenz und aggressivem Vorgehen nicht durchgehend die Nazis um Michael Brück zu schützen. So war in den angrenzenden Vierteln viel Bewegung, es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei und zu einer Blockade. Auf der Abreise ging dann noch ein Fenster des neuen Lautsprecherwagens der Neonazis zu Bruch. Dies war die zweite „Niederlage“ für die Dortmunder Neonazis in nur einer Woche. Auch wenn die Nazis es in ihrer Wahnwelt immer wieder schaffen, jede Niederlage nach außen noch als Erfolg darzustellen: zumindest die anwesenden Kameraden dürften gefrustet nach Hause gefahren sein.

Für Sonntag den 29. Januar, also zwei Tage später, riefen antifaschistische Gruppen, unter anderem aus dem NIKA-NRW Bündniss, zu einer antifaschistischen Demonstration gegen den AfD-Landesparteitag in Oberhausen auf, an der sich rund 1.800 Menschen beteiligten. Dortmunder AntifaschistInnen riefen zu einer gemeinsamen Anreise auf. Noch bevor die Antifas sich am Morgen des 29.1. am Hauptbahnhof trafen, tauchten dort neun Neonazis auf. Unter ihnen waren Steve Feldmann, André Penczek, Frederick Mantwill, Dennis Piechotta, Tom Neubert und Steve Reinhold (Rechtes Plenum Chemnitz). Sie bepöbelten ankommende Antifas unter den Augen der anwesenden Polizisten. Die Nazis waren vermummt und zum Teil mit Quarzsandhandschuhen bewaffnet, woran sich die Polizei nicht weiter störte. Erst nach dem Eintreffen und Einschreiten weiterer Antifas griff die Polizei ein. Die Nazis verließen daraufhin den Platz. Die AntifaschistInnen fuhren wie geplant nach Oberhausen.

Eine derartige Aktion ist von Seiten der Neonazis in Dortmund lange nicht mehr erfolgt. Über mehrere Jahre hinweg traten die Nazis vor allem mit eigenen Aktionen Erscheinung. Seien es die etlichen Mini-Kundgebungen, mit denen sie versuchen zu nerven oder der mehr oder minder jährliche Versuch einen Großaufmarsch auf die Beine zu stellen. Das sie hingegen praktische Anti-Antifa-Arbeit leisten ist lange her. Dieser neue beziehungsweise wiederkehrende Habitus zeigt aber, dass der Fokus wieder mehr auf die Aktionsform der „Autonomen Nationalisten“ gelegt wird. Seien es Farbanschläge, (spontane) Bedrohungen von und Angriffe auf vermeintliche Antifaschisten oder wie zuletzt geplante Angriffe auf Treffpunkte von Antifas. Derartige Aktionen waren in Dortmund lange nicht mehr an der Tagesordnung. Nun scheinen die Dortmunder Nazis aber ihre früheren Praxen wieder für sich entdeckt zu haben.

Für den größten Wirbel in jüngster Zeit sorgte eine Aktion am 2. Februar. Für diesen Tag rief das „Autonome Schwulenreferat“ (ASR) der Technischen Universität Dortmund zu einer Veranstaltung in den Räumen der Uni auf. Dabei sollten verschiedene VertreterInnen von Parteien die Möglichkeit haben ihr Programm zur Landtagswahl vorzustellen. Der Haken an der Sache: Die AfD wurde auch eigeladen und trotz vorheriger Kritik von antifaschistischen Gruppen, wurde an dieser Einladung festgehalten. Das ASR begründete die Einladung zuerst damit, dass es dazu gezwungen sei, alle Parteien einzuladen, da es ansonsten keine Räumlichkeiten von der Uni bekäme. Nachdem die TU das allerdings dementierte, schwenkte man beim ASR um und begründete die Einladung mit „Meinungsvielfalt“. So kam es, dass an dem Abend eine Vielzahl von Studierenden und Antifas ihren Protest an der Veranstaltung zum Ausdruck brachten. Die komplett überforderte Security und Polizei staunte nicht schlecht, als dann noch 25 Neonazis im Foyer des Hörsaals auftauchten und Zutritt zu der Veranstaltung suchten. Dieser wurde ihnen durch die Protestierenden verwehrt. Es kam zu Handgreiflichkeiten und leichten Auseinandersetzungen noch bevor die Veranstaltung begonnen hatte. Die VeranstalterInnen, sahen selbst in dieser brenzlichen Situation nicht ein, den Neonazis den Einlass zu verwehren und so sollten die Nazis als letzte in den Hörsaal geführt werden. Ihnen wurden Plätze im hinteren Bereich des Raumes freigehalten auf denen sie in Polizeibegleitung hätten Platz nehmen dürfen, nachdem alle anderen Gäste sich im Raum eingefunden haben. Die Antifas und Studierende blockierten diese Sitze allerdings und verhinderten so den Zutritt der Neonazis in den Hörsaal. Die VeranstalterInnen sahen sich daraufhin dazu gezwungen, die Veranstaltung abzubrechen. Die Diskussion um das Verhalten des ASR und die Aktion der „Blockade“ dauern bis heute an. Dabei gerät auch immer mehr die CDU-Landtagskandidatin und JU-Vorsitzende Sarah Beckhoff, die für den Wahlkreis 113 antritt, in die Kritik nachdem sie die Protestierenden als „asozialen Mob“ beschimpfte.

Nur eine Tag später, am Freitag, den 3.2., machten die Nazis wieder von sich hören, als sie mit knapp 20 Kameraden versuchten einen Stand der „Deutschen Kommunistischen Partei“ auf dem Wilheimplatz zu stören. Die anwesenden Mitglieder der Gruppe Dev-Genç reagierten frei nach dem Motto „Mit Nazis redet man nicht, Nazis schlägt man!“ mit offener Gegenwehr. Das Ergebnis: 20 Neonazis mussten in ihrer selbsternannten „Homezone“ von nur fünf Jugendlichen ein paar Ohrfeigen einstecken. In einer Stellungsname der Gruppe Dev-Genç heißt es: „Als „die Rechte“ in Dorstfeld aufmarschierte, machten sie sich laut ihrem Twitterpost auf, sich „den Kommunisten entgegenzusetzen.“ Zurück blieben Handabdrücke im Gesicht und die Opferrolle.“

Es lässt sich zusammenfassend also erkennen, dass das aktuelle Auftreten der Dortmunder Nazis an die Phase der „Autonomen Nationalisten“ in Dortmund erinnert. Für linke und antifaschistische Strukturen bedeutet das vor allem wieder wachsamer zu werden, rechte Aktionen erfolgreich zurückzuschlagen und Naziaktionen zu verhindern. Das heißt auch, sich wieder vermehrt Gedanken zum antifaschistischen Selbstschutz zu machen, um auch weiterhin erfolgsorientiert auf derartige Provokationen von Neonazis reagieren zu können. Es muss das Ziel sein die Selbstinszenierung der Dortmunder Nazis in ihrer eigenen Szene hinein zu schwächen und zu demaskieren, die eigene Unversehrtheit so gut es geht garantieren zu können und sich solidarisch mit den Betroffenen rechter Gewalt und staatlicher Repression zu verhalten.

Presse:
Nordstadtblogger

Nordstadtblogger

Nordstadtblogger

Ruhr Nachrichten

Ruhr Nachrichten

Black Pigeon

]]>
http://antifaunion.blogsport.de/2017/02/13/dortmund-extrem-rechte-zurueck-zu-den-anfaengen/feed/
Zur letzten PR-Aktion der Dortmunder Neonazis http://antifaunion.blogsport.de/2016/12/20/zur-letzten-pr-aktion-der-dortmunder-neonazis/ http://antifaunion.blogsport.de/2016/12/20/zur-letzten-pr-aktion-der-dortmunder-neonazis/#comments Tue, 20 Dec 2016 16:42:00 +0000 Administrator Kurzmeldungen Neonazis und extreme Rechte http://antifaunion.blogsport.de/2016/12/20/zur-letzten-pr-aktion-der-dortmunder-neonazis/ Am Freitag, den 16.12.2016 wurde um 18:45 Uhr bekannt, dass sich Dortmunder Neonazis auf dem Turm der Reinoldikriche in der Innenstadt befinden. Begleitet wurde das Schauspiel von Feuerwerk und dem Verteilen von Flyern auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt. Die Polizei beendete die Aktion nach einer guten Stunde, elf Nazis landeten vorübergehend in Haft, insgesamt waren knapp 30 Neonazis aus Dortmund und anderen Städten an der Aktion beteiligt.

Mit einem Banner, auf dem „Islamisierung stoppen!“ zu lesen war, standen acht Neonazis aus Dortmund, Chemnitz, Wuppertal und Düsseldorf auf dem Turm der Reinoldikirche. Die Aktion fügt sich damit nahtlos ein in eine Reihe von gut geplanten „PR-Aktionen“ der Neonazis ein, welche ihnen vor allem – mitunter auch bundesweite – Öffentlichkeit bescheren. Ob die Aktionen dabei erfolgreich oder einfach nur peinlich sind, spielt zunächst keine Rolle, da das Ziel der Selbstdarstellung immer erfüllt wird. Die jüngste Aktion der Dortmunder Neonazis, erinnert an eine ähnliche Tat der extrem rechten Gruppierung „Die Identitären“ in München eine Woche zuvor. Unklar ist, ob es sich hierbei um einen Zufall handelt oder um eine gezielte Nachahmung. Jedoch fand die Aktion in Dortmund mit Unterstützung von Neonazis aus anderen Städten statt, was wiederum für eine längere Planung sprechen könnte.

Unter den aus Dortmund stammenden Nazis die es auf den Turm schafften, waren nach unseren Recherechen u.a. Alexander Deptolla, Christian Meier sowie Marina Liszczewski. Ebenso war der aus Chemnitz stammende Florian Göthling beteiligt. Die Verbindung zwischen Dortmunder und Chemnitzer Neonazis wurde zuletzt auf dem Internetportal „Indymedia Linksunten“ detailliert zusammengefasst. Außerdem in Gewahrsam genommen wurden der ehemalige Dortmunder Feuerwehrchef Klaus Schäfer, der eine spontane Kundgebung vor der Kirche anmelden wollte, sowie der aus Marl nach Dortmund gezogene Jungnazi Tom Neubert.

Beachtet man die laufenden Verfahren und noch ausstehenden Gerichtsurteile gegen Dortmunder Neonazis, so ist es wenig verwunderlich, dass nun auch Neonazis aus anderen Städten hinzugezogen werden müssen, um die hohe Frequenz von öffentlichen Aktionen aufrecht zu erhalten. Zusätzlich generieren sich die Dortmunder Neonazis erneut als vermeintliche Opfer von Polizeigewalt. Auch dies passt ins Bild der Aktion, da sich die letzte Demonstration in diesem Jahr der Partei „Die Rechte“ am 31.12. in Dorstfeld gegen die erhöhte Präsenz und Kontrolle der Polizei im Stadtteil richtet.

Die strafrechtlichen Konsequenzen der Aktion dürften jedoch überschaubar bleiben, dementsprechend wurden alle festgesetzen Neonazis schnell wieder aus dem Gewahrsam entlassen. Gerade bei solchen Aktionen muss davon ausgegangen werden, dass sich im Vorfeld schon mit AnwältInnen abgesprochen wurde. Dass die Nazis sich bei der Aktion „Hakenkreuze“ auf die Stirn malten konnte allerdings nicht bestätigt werden. Auf Bildmaterial ist lediglich zu erkennen, dass Teile der Neonazis Mützen der griechischen Neonazi-Partei „Golden Dawn“ trugen, welche ein dem Hakenkreuz ähnliches Symbol als Logo besitzt.

Presse:
WAZ
Ruhr Nachrichten
Ruhrbarone
N-TV
RP Online

]]>
http://antifaunion.blogsport.de/2016/12/20/zur-letzten-pr-aktion-der-dortmunder-neonazis/feed/
18.11. – Ausflug nach Dorstfeld http://antifaunion.blogsport.de/2016/11/14/18-11-ausflug-nach-dorstfeld/ http://antifaunion.blogsport.de/2016/11/14/18-11-ausflug-nach-dorstfeld/#comments Mon, 14 Nov 2016 19:57:45 +0000 Administrator antifa [dortmund] Kurzmeldungen Termine http://antifaunion.blogsport.de/2016/11/14/18-11-ausflug-nach-dorstfeld/

Für die nächsten Wochen hat die extrem rechte Partei „Die Rechte“ gleich mehrere Aufmärsche und Kundgebungen angemeldet . Zum Anlass werden verstärkte Kontrollmaßnahmen der Polizei genommen, welche scheinbar zunehmend Druck auf die Neonazis ausüben. In letzter Zeit haben die Dortmunder Neonazis wieder vermehrt versucht, durch militante Aktionen in die Öffentlichkeit zu treten, die Meisten davon endeten jedoch im Polizeigewahrsam. Daher plant die Partei „Die Rechte“ nun am kommenden Freitag einen Aufmarsch im Stadtteil Dorstfeld. Antifa-Gruppen, Das Bündnis Blockado, Gewerkschaften und andere Organisationen mobilisieren daher unter dem Motto „Nazikiez!?“ Is´nicht! zu Gegenaktionen.
Denn das staatliche Kontrollmaßnahmen nicht ausreichen werden um Neonazisstrukturen klein zu halten, dürfte eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem NSU sein. Umso wichtiger ist deswegen, den Neonazis zu zeigen, dass sie sich auch in ihrem selbsternannten „Nazikiez“ nicht wohlfühlen sollen.

Vor kurzem wurde auf der Internetplattform linksunten.Indymedia ein umfangreiches Outing der Nazigruppe Hausdurchsuchung in Dorstfeld. Hintergrund dafür waren vorausgegangene Ausschreitungen nach einem Fussballspiel des Chemnitzer FC, an denen sich auch Dortmunder Neonazis beteiligten. Die Dortmunder Neonazis versuchen also gezielt in anderen Städten Aufbauhilfe zu leisten. Ein Grund mehr ihnen ihr Nest in Dortmund möglichst madig zu machen.

Wir rufen dazu auf den Nazis den öffentlichen Raum streitig zu machen und am Freitag nach Dorstfeld zu fahren!

Kein Raum für Neonazis!
18.11.16 | 19.00 Uhr | Wilhelmplatz Dortmund-Dorstfeld
Stay tuned #nonazisdo

]]>
http://antifaunion.blogsport.de/2016/11/14/18-11-ausflug-nach-dorstfeld/feed/