Archiv der Kategorie 'Theorie und Kritik'

Demonstration am 16.1. „Gegen jeden Antisemitismus!“

In diesen Tagen ist die Welt erschüttert über die Anschläge in Paris auf die Satire-Zeitschrift »Charlie Hebdo«. Im anschließenden Bedrohungsszenario verfolgten über 80.000 Sicherheitskräfte die Täter, bis schließlich ihre Ergreifung bzw. ihre Tötung gelang und die meisten Menschen, die sich in der Gewalt der drei Attentäter befanden, befreit werden konnten. Dennoch sind zum jetzigen Stand wohl mindestens zwölf Menschen in den Redaktionsräumen von »Charlie Hebdo« und mindestens vier Tote in dem jüdischen Supermarkt, das der allein agierende Attentäter angriff, zu beklagen. Das Attentat auf den Pariser Supermarkt reiht sich bedauerlicherweise in eine Reihe von antisemitischen Anschlägen und Angriffen in Europa der letzten Jahre ein: Im März 2012 erschoss ein Mann in Toulouse vier Menschen jüdischen Glaubens, darunter drei Kinder. Im Mai zwei Jahre später erschoss ein Franzose in Brüssel ebenfalls willkürlich vier Menschen. Im Zuge des Gaza-Krieges kam es in Frankreich zu zahlreichen Angriffen auf Synagogen.

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BIZ HUNDRET UN TSVANTSIG! Veranstaltungsreihe im November

Seit 2003 organisiert die Amadeu Antonio Stiftung die Aktionswochen gegen Antisemitismus. Das Ziel dieser Initiative ist es, rund um den 9. November an vielen Orten gleichzeitig ein breites Spektrum von Veranstaltungen gegen Antisemitismus zu organisieren und zu vernetzen sowie Diskussionen über verschiedene Ausprägungen des Problems anzustoßen. Der diesjährige Sommer hat durch die unzähligen antisemitischen Ausuferungen auf Deutschlands Straßen und die verschiedenen Angriffe auf Jüdinnen und Juden in ganz Europa erneut gezeigt, dass das Thema nach wie vor leider sehr aktuell ist. Die Antifaschistische Union Dortmund veranstaltet daher im Rahmen der diesjährigen „Aktionswochen gegen Antisemitismus“ eine Reihe verschiedener Vorträge rund um das Thema, unterstützt wird dies durch das „Forum gegen Rassismus -Campus Dortmund“. Wir sind damit auch Teil der „Aktionswochen NRW“. Neben einer grundlegenden Einführung in die Antisemitismuskritik werden sich die Vorträge mit antisemitischen Verschwörungstheorien und dem Nah-Ost-Konflikt beschäftigen.

Folgende Termine solltet ihr Euch somit vormerken:
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Zum Diskurs um die Umbenennung von Straßennamen.

Wegweiser in die Vergangenheit – Fragwürdige Straßennamen in Dortmund Derzeit scheint es, als würde in Dortmund, angestoßen durch das hiesige Stadtarchiv, eine neue Debatte über Sinn und Unsinn bei der Umbenenung von Straßennamen entflammen. Konkret geht es um folgende Straßen: Carl-Duisberg-Straße, Castellestraße, Wagenfeldstraße, Stehrstraße, Speestraße, Nettelbeckstraße, Lenardstraße. Bei den Namensgebern handelt es sich ausnahmslos um überzeugte Nationalisten, Beteiligte an der Shoah oder Kolonialisten, die im NS ein hohes Ansehen genoßen.

Als Gruppe äußerten wir uns bereits 2011 kritisch über solche Straßennamen in Dortmund. Die dazugehörige Broschüre kann hier herunterladen werden. Des Weiteren wurde auf Demonstrationen, welche durch die entsprechenden Straßen führten, immer wieder auf die Bedeutung der Namen hingewiesen. Ebenso kam es auch zu Aktionen, bei denen die Straßen symbolisch umbenannt und die Schilder mit den Namen von Opfern rechter Gewalt überklebt wurden.

So wollen wir uns auch jetzt wieder in die Diskusion einbringen und das Stadtarchiv in Dortmund in seiner Forderung unterstützen. Die Tatsache, dass allein fünf dieser sechs Strassennamen nach 1945 benannt wurden, spricht gegen den vermeintlichen „Aufarbeitungsweltmeister“ Deutschland. Es ist auch bezeichnend, die Diskussion weniger über die Ursachen der Namensgebung als über die administrative Herausforderung einer Umbennung geführt wird. Genau hierauf stützt sich die Argumentation von Stadtverwaltung und AnwohnerInnen.
Von einer angemessenen Auseinandersetzung mit der deutschen Historie zeugt dies nicht, viel mehr von einer Vermeidungsstrategie. Wir sprechen uns daher für eine Diskussion und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema aus.

Zwar sind die Straßennamen auch ein Symbol für die deutsche Geschichte und Zeichen für die mangelhafte Aufarbeitung, gerade in der Zeit kurz nach dem Nationalsozialismus. Vor allem aber st eine öffentliche Ehrungung von NS-TäterInnen ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer. Wir plädieren daher für eine Umbennung aller genannten Straßen.

Veranstaltung zum 3. Oktober in Hannover

Wann: 25.02.2104 | 20:00 Uhr
Wo: Nordpol (Münsterstraße 99, 44145 Dortmund)

Im Rahmen der diesejährigen Mobilisierung gegen die Einheitsfeierlichkeiten in Hannover organiseren wir zusammen mit dem 3oct-Bündnis einen Vortrag der das Thema „Deutsche Einheit“ und das dazu gehörende Rahmenprogramm ein wenig durchleuchtet und euch erklärt warum es am 3. Oktober so wichtig ist, gegen Deutschland und seine Fans auf die Straße zu gehen und das Abgefeiere der Nation nicht unkommentiert zu lassen.

Aus dem Ankündigungstext:

>> Am dritten Oktober diesen Jahres ist Hannover Gastgeber des Spektakels rund um die Einheitsfeier. Gefeiert wird an diesem Datum ganz unspektakulär der Stichtag der formellen Übernahme der DDR durch die BRD. In Hannover wird sich der Deutsche Staat anlässlich dieses Tages in Szene setzen und seine Politik würdigen lassen, ohne die nationalistisch aufgeladene feucht-fröhliche Stimmung der Fußballfanmeilen. So oder so – kein Grund zum Feiern. Denn diese Ordnung, die mit der Politik des deutschen Staates gesichert wird, bedeutet immer auch: Armut, Ausgrenzung und Leistungszwang. Verschiedenste linke Gruppen organisieren daher gegen dieses Feiern der Nation ein breites Gegenprogramm vom 2. bis zum 4. Oktober. Warum sie das machen und was genau euch erwartet soll Inhalt dieser Veranstaltung sein. < <

mehr Infos dazu findet ihr auch auf http://oct3.net.

Anti-israelische Demonstration in Dortmund

Für eine größere Ansicht der Bilder: Rechtsklick und „Grafik anzeigen“

Palästina_Demo_1Es ist mal wieder so weit: Seit Israels militärischem Gegenschlag als Antwort auf die Ermordung dreier israelischer Jugendlicher und hunderten Raketenabschüssen auf die israelische Zivilbevölkerung durch die Hamas häufen sich auch im Ruhrgebiet die Anmeldungen Anti-israelischer Demonstrationen. In Dortmund zogen am Samstagnachmittag ca. 1500 Menschen, darunter Aktivisten aus der Friedensbewegung, durch die Innenstadt und demonstrierten gegen Israel. Dass es dabei nicht um den Wunsch nach Frieden im Nahen Osten ging, sondern einzig und allein darum, den israelischen Staat zu denunzieren, zeigten Plakate mit Aufschriften wie „Stop Juden“, „Stoppt den Holocaust in Israel“ oder durchgestrichenen Davidsternen, welche die DemonstrantInnen bei sich trugen.

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Vortrag am 24.06. : Zwei Jahre NSU

In Kooperation mit der Grünen Jugend Dortmund, der Mobilen Beratung Arnsberg, dem “Nordpol” sowie dem EU-Projekt “Jugend in Aktion” organisieren wir am 24. Juni 2014 eine Vortragsveranstaltung mit der unabhängigen Beobachtungsstelle “NSU Watch”:

NSU-Flyer-2014
Flyer

Zwei Jahre NSU

Seit gut einem Jahr läuft vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer aus der Neonazi-Szene, denen die Beteiligung an den Mordtaten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) vorgeworfen wird. Der NSU hat die größte rechtsterroristische Mordserie in der Geschichte der Bundesrepublik begangen. (mehr…)

Zum Auftritt der “Bandbreite” auf der Dortmunder “Montagsmahnwache”

We don´t like Mondays

Seit einigen Wochen finden bundesweit, auch in Dortmund, sogenannte „Montagsmahnwachen“ statt. Das Konzept, welches durch BürgerInnen der damaligen DDR entstanden ist, um gegen die politischen Verhältnisse zu demonstrieren und dann später durch Kritiker der Hartz4 Reform aufgeriffen wurde, bezeichnet eine Versammlung am Montagabend auf öffentlichen Plätzen. Doch den InitiatorInnen und TeilnehmerInnen der neuen Montagsdemos geht es nicht um eine Kritik an Realsozialismus oder sozialer Ungerechtigkeit. Unter dem Deckmantel der Friedensbewegung werden dabei verschwörungsidologische Inhalte verbreitet. So geht es um eine angeblich fremdbeherrschte Presse oder um eine verkürzte Kapitalismuskritik, welche sich in der Annahme einer vermeintlichen Weltherrschaft der Banken oder der USA manifestiert. Ausgelöst wurden die Versammlungen in Berlin, unter anderem von dem ehemaligen Radiomoderator Ken Jebsen, der aufgrund antisemitischer Aussagen von Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) entlassen wurde. Auf der Dortmunder Montagsmahnwache fielen Sätze wie: „Die Mächtigen säen Krieg und Zwietracht, um ihre aggressive Politik voranzutreiben!“, „Die deutsche Politik wird von Washington gesteuert!“, und: „Die Banken diktieren die Weltpolitik!“, sowie: „Es gibt Menschen, die wollen das deutsche Volk spalten! Eine kleine Gruppe kontrolliert uns, vergiftet das Essen, damit die Pharmaindustrie davon profitiert!“[i] All diese Bekundungen eint eine Ideologie, die auf der Annahme einer Weltverschwörung basieren. Gängiges Motiv ist hierbei der Glaube daran, dass angeblich nebulöse Mächte die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse steuern würden. Auf den Montagsdemonstrationen wurden diese „Mächte“ wahlweise als die USA, die Juden oder die Banken ausgemacht. Verschwörungsideologien dienen dabei als Mittel, um eine zugegebenerweise komplexe Welt verstehen zu wollen und sich dafür einfacher und diffuser Erklärungsmuster zu bedienen. Die Themenpalette reicht dabei von Antisemitismus bis hin zum Nationalismus. Als wäre dies nicht schon alles unangenehm genug, kündigten die OrganisatorInnen der Dortmunder Montagsdemo den Auftritt der Band „Die Bandbreite“ am 09.06.2014 an. Die Band ist in der Vergangenheit mehrmals wegen diverser Sontexte in die Kritik geraten, welche wir hier exemplarisch darlegen möchten: (mehr…)

Duisburg, mon Amour?!

Gemeinsam mit anderen antifaschistischen Gruppen rufen wir zu einer Demonstration am 30. April um 18.00 Uhr gegen den grassierenden Antiziganismus und Rassismus in Duisburg auf.

Alle Informationen finden sich auf http://duisburgmonamour.org/


»Duisburg, mon Amour«?!
Gegen die rassistischen und antiziganistischen Zustände!

Wallraff, Schimanski, Sauerland. “Und nun die Zuwanderung von Ausgegrenzten aus Bulgarien und Rumänien” wehklagt es in einem aktuellen Artikel in der ZEIT¹. Die Autorin setzt all dem ein lapidares “Na und!” entgegen und fordert bedingungslose Liebe zu dem Ort mit dem “goldenen Herz” – “Duisburg, mon Amour”.

Doch das Bild von der Stadt der solidarischen Kumpel, die zwar hässlich ist, in der es aber wenigstens kollegial zugeht, stinkt zum Himmel. Denn bereits im September 2012, nachdem die ersten Roma nach Duisburg-Rheinhausen gezogen waren, brachen sich fremdenfeindliche Stimmungen im Viertel bahn. 300 Anwohner*innen forderten in einem offenen Brief die “Umsiedlung” der Neu-Duisburger*innen, denn diese ließen sich “aufgrund ihrer Mentalität und Lebensart”² nicht integrieren. Die Lokalredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) berichtete darüber wohlwollend und unterstützte das Anliegen der ‘alteingesessenen’ Bevölkerung. Gut ein Jahr später titelte dieselbe Zeitung: “Stadt Duisburg will erste Familien aus Bergheimer Problemhaus umsiedeln”³. Gemeinsam mit dem Vermieter, dem Kontakte zum Rotlicht- und Rockermilieu nachgesagt werden, wurden mittlerweile fast alle Familien aus dem Gebäudekomplex “In den Peschen” vertrieben. Ein “Erfolg”, der nur durch das gemeinsame Wirken von Polizei, Lokalpolitik und den Bürger*innen vor Ort erreicht werden konnte. Dazwischen lag eine monatelange Zuspitzung xenophober Hetze an allen drei Fronten. Während in sozialen Netzwerken mit brachialer Rhetorik zu Mord und Totschlag aufgerufen wurde, berichteten lokale Zeitungen beinahe täglich über vermeintliche Müllberge und sogenannte “Klaukids” im “Problemhaus”. Weiter angestachelt wurden sie dabei vom Polizeisprecher Ramon van der Maat, der im August 2013 in der TAZ forderte: „Die anderen (die nicht-integrationswilligen, adR) kommen mit unserer Gesellschaft nicht klar. Die müssen weg.“⁴ (mehr…)

Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am 29.03.2014

Aufruf der Antifaschistischen Union und der Jugendantifa Dortmund zur Antifa-Demo gegen rechte Gewalt und Nazistrukturen am 29.03.2014.

Erinnern heißt Kämpfen!

In diesem Jahr jährt sich der Mord an Thomas Schulz durch den Neonazi Sven Kahlin zum neunten Mal. Wir nehmen dies zum Anlass, auch dieses Mal wieder gegen rechte Gewalt zu demonstrieren und unsere Solidarität mit den Opfern jener Gewalt zum Ausdruck zu bringen. Dabei wollen wir uns jedoch nicht nur auf das Gedenken an Thomas Schulz und den in Dortmund vom »Nationalsozialistischen Untergund« (NSU) ermordeten Mehmet Kubaşık beschränken, sondern auch gegen die Verhältnisse, die diese Gewalt erst ermöglichen, demonstrieren. Ebenso ist es unser Anliegen, auf die immer noch bestehenden Nazistrukturen in Dortmund hinzuweisen, welche sich nach dem Verbot des »Nationalen Widerstands Dortmund« als Partei organisiert haben. Es hat sich dabei gezeigt, dass Verbote viel nicht helfen, um Nazis zu bekämpfen.

Zur aktuellen Entwicklung der Dortmunder Neonaziszene
In den vergangenen Jahren gab es einige Umbrüche und neue Entwicklungen in der Dortmunder Neonaziszene. Nach dem Verbot des »Nationalen Widerstands Dortmund« (NWDO) durch das NRW-Innenministerium im August 2012, folgte wenig später die Reorganisation der hiesigen Szene in der Partei »Die Rechte«. Jene Partei kann zumindest bezogen auf die nordrhein-westfälische Landesgliederung als Auffangbecken für die Mitglieder der drei verbotenen Kameradschaften in Aachen, Dortmund und Hamm angesehen werden. In Dortmund gründeten die Neonazis rund zwei Monate nach dem Verbot und den zahlreichen Razzien den örtlichen Kreisverband der Partei und wählten Siegfried »SS-Siggi« Borchardt zum Kreisvorsitzenden. Kurz darauf gaben sie über ihr inoffizielles Sprachorgan »DortmundEcho« öffentlich bekannt, in Dortmund-Huckarde die Landes- und Kreisgeschäftsstelle eröffnen zu wollen. Nach anfänglich ambitionierten Renovierungsarbeiten mussten diese jedoch bald eingestellt werden, als herauskam, dass die offenbar mit wenig Statik-Kenntnissen ausgestatteten Neonazis eine tragende Wand herausgehauen hatten. Das Bauamt untersagte daraufhin jeglichen Zutritt zu dem Ladenlokal. Den Parteiaktivitäten hat das allerdings keinen Abbruch getan. Seither sind die Neonazis relativ aktiv: Sie sind intensiv bemüht, sich an dem demokratischen Willensbildungsprozess der Bevölkerung zu beteiligen. Ihr Fokus liegt dabei vor allem auf der Teilnahme an Wahlen – mit mäßigem Erfolg. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr konnte die Partei stadtweit gerade einmal 178 Stimmen auf sich vereinen. Die Dortmunder NPD konnte immerhin 3.788 WählerInnen zum Gang zur Wahlurne mobilisieren. Derzeit steckt die Partei mitten im Wahlkampf für die anstehende Kommunalwahl am 25. Mai in Dortmund. Überwiegend mit ehemaligen Führungskadern an der Spitze, hat die Partei fünf Kandidaten aufgestellt und hofft zumindest mit »SS-Siggi« als Spitzenfunktionär in den Stadtrat einzuziehen. Taktik und Authentizität gehen daher bei der Partei »Die Rechte« Hand in Hand: Einerseits müssen sie, um ihr Parteienprivileg nicht zu gefährden, aus taktischen Überlegungen heraus suggerieren, eine ernsthafte (und ernstzunehmende) Partei zu sein. Andererseits haben sie so trotz Verbot des NWDO die Möglichkeit, ihre neonazistische Propaganda in Form von Info-Ständen, Kundgebungen und Aufmärschen zu verbreiten. Dabei testen sie immer wieder aus, wie weit sie gehen können und wo ihnen von Seiten des Staates die Grenzen aufgezeigt werden. Beispielhaft sind hier das als Partei-Veranstaltung getarnte RechtsRock-Konzert am 6. Juli 2013 in Herne und der Aufmarsch zum Weltfriedenstag am 1. September 2013 zu nennen. Ebenso ist weiterhin eine positive Bezugnahme auf den Nationalsozialismus erkennbar. Auf einer Demonstration der Partei am 31. August 2013 war auf dem Frontransparent »25 Punkte gegen eure Verbote« zu lesen. Damit ist das zum einen das eigene Parteiprogramm zur Kommunalwahl gemeint, zugleich nannte auch die NSDAP ihr Parteiprogramm »25 Punkte-Programm«. Es ist also offensichtlich, in welcher Tradition sich »Die Rechte« wähnt. (mehr…)

Vortragsreihe „Elemente des Antiziganismus“ Ankündigungstexte

30. Januar:
Markus End – Zur Kritik des Antiziganismus und seiner aktuellen Erscheinungsform in den deutschen Medien

Das Phänomen des Antiziganismus ist weit verbreitet und fest verankert.
Nahezu weltweit werden Menschen als ‘Zigeuner’ stigmatisiert, diskriminiert und zum Teil verfolgt. Gleichzeitig besteht gesamtgesellschaftlich kaum ein Bewusstsein für dieses Ressentiment. Im Vortrag werden nach einer kurzen historischen Einführung zentrale Elemente des Antiziganismus herausgearbeitet und analysiert. In einem zweiten Teil wird anhand aktueller medialer Beispiele auf seine derzeitige gesellschaftlich akzeptable Erscheinungsform eingegangen.


13. Februar:
IgDZ – Antiziganismus in Duisburg

Seit nunmehr fast zwei Jahren breitet sich in Duisburg mehr und mehr eine antiziganistische Stimmung – bis hin zu Übergriffen – aus. In der Presse bestimmen Schlagzeilen über “Problemhäuser” und “Klaukids” sowie Panikmache vor vermeintlichen “Zuwandererströmen” das Bild. Dadurch fühlen sich Rassisten aller Couleuer ermutigt ihrem Hass in sozialen Netzwerken freien Lauf zu lassen. Auf der Straße formieren sich sogenannte “Bürgerproteste” die in’s gleiche Horn stoßen. Auch an den Urnen der letzten Wahl hat sich diese Stimmung deutlich wiedergespiegelt. Dabei kommen die Stichwortgeber antiziganistischer und rassistischer Hetze nicht aus der radikalen Rechten, sondern aus der Mitte der Gesellschaft. Von Polizeisprechern bis hin zum Oberbürgermeister bricht sich ein xenophober Furor Bahn Der Vortrag wird versuchen die dahinter stehenden Ressentiments aufzuzeigen und mögliche Reaktionen diskutieren – und auch das lange Schweigen der radikalen Linken zu diesen Vorgängen einer (Selbst-)Kritik unterziehen.

20. Februar:
Nico Bobka – Kritische Theorie des Antiziganismus

Obgleich die Feindschaft gegen sogenannte Zigeuner nunmehr auf eine vielhunderjährige Geschichte der Ausgrenzung, Verfolgung und schließlich deren Kulmination in der nationalsozialistischen Vernichtungspraxis zurückblicken kann, fristet die Kritik des Antiziganismus bis heute bestenfalls ein Schattendasein. Diesem Mangel gilt es jedoch nicht durch einen isolierten, bloß äußerlichen Vergleich, etwa mit Antisemitismus oder Rassismus, beizukommen, sondern den Antiziganismus als Moment der repressiven Totalität kapitaler Vergesellschaftung zu begreifen. Es gilt sowohl dessen Geschichte seit seiner Herausbildung während der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals nachzuzeichnen, als auch dem Ursprung der Bilder nachzugehen, nach denen Individuen zu Zigeunern gemacht und als solche verfolgt werden. Diese Bilder sollen durch eine Kritik der Konstitution der Individuen als Subjekte der bürgerlichen Gesellschaft bestimmt und der Antiziganismus soll als Ausdruck tabuisierter, verdrängter und verleugneter Momente des eigenen Selbst begriffen werden. Eine solche Kritik des Antiziganismus nimmt nicht die Lebensweise der wirklichen oder potentiellen Opfer in den Blick, sondern ist vielmehr Kritik des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft, also der Antiziganer und der antiziganischen Gesellschaft. Der Antiziganismus ist somit als Gegenstand der Kritik sogleich Schlüssel für eine Kritik der Gesellschaft in ihrer Irrationalität und in ihrem destruktiven Potential.