Archiv der Kategorie 'Aktionen und Berichte'

Keine Zukunft diesen Zuständen! Für ein besseres Morgen!

Aufruf zur linksradikalen Demonstration am 3. Juni 2016 in Dortmund

Am 4. Juni 2016 wollen Neonazis in Dortmund unter dem Motto „Tag der deutschen Zukunft“ aufmarschieren. Um dies zu verhindern, hat sich bereits ein antifaschistisches Bündnis gegründet. Wir wollen jedoch schon am Vorabend demonstrieren, um unsere Kritik an den aktuellen Verhältnissen auf die Straße zu bringen.

3. Juni 2016 | 18.00 Uhr | Kampstraße / Ecke Katharinenstraße

Es ist wieder soweit: Neonazis wollen für eine „deutsche Zukunft“ demonstrieren. Jährlich bringt dieser bundesweit organisierte Naziaufmarsch hunderte Teilnehmende auf die Straße. Der geographisch rotierende Aufmarsch soll dieses Mal am 4. Juni 2016 in Dortmund stattfinden und das nicht ohne Grund: Lange musste die Naziszene in Dortmund auf einen größeren Aufmarsch verzichten. Die häufig von Repressionen und antifaschistischen Interventionen getroffenen Neonazis wollen sich nun mit dem “Tag der deutschen Zukunft” wieder als handlungsfähige Organisation inszenieren. Da die Anzahl der aktiven KameradInnen in den letzten Jahren stagniert und die Neonazis in jüngerer Vergangenheit eher durch kleinere Aktionen auffielen, erscheint ein bundesweiter Aufmarsch als eine willkommene Möglichkeit, den Mythos der Nazimetropole Dortmund wieder aufzufrischen. Dies geschah sonst mit dem „Nationalen Antikriegstag“, der zeitweise über tausend Neonazis aus ganz Europa mobilisierte. Jetzt steht also ein weiteres Nazi-Event ins Haus. So relevant dessen Verhinderung auch ist: die Frage nach dem, was Zukunft bedeuten vermag, kann weitaus schlimmere Antworten als ein Naziaufmarsch mit sich bringen. Um diesen reaktionären Perspektiven zu widersprechen, rufen wir zu einer linksradikalen Demonstration am Vorabend auf.

Eine Zukunft des Grauens

Die Nazis stellen in ihrem Aufruf zum Aufmarsch die naive Frage nach der Zukunft Deutschlands. Es geht ihnen dabei um die Kinder, Kriminalität, die nationale Identität und gleichzeitig gegen Alles, was diesem beschränkten Blick widerspricht oder über ihn hinausgeht. Dass mit dem Label “deutsche Zukunft” allerdings vielmehr ein Rückgriff auf Vergangenes getätigt wird, muss an dieser Stelle nicht groß ausgeführt werden. Die ideologischen Fixierungen der Dortmunder Neonazis sind weiterhin in den Kategorien Volk, Rasse und Nation behaftet, ihnen geht es um nicht weniger, als den Aufbau einer nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Dabei handelt es sich zwar immer noch um rechte Fantasie, mit ihrer Sorge um den vermeintlichen Verlust nationaler und völkischer Orientierungspunkte stehen die Neonazis jedoch zunehmend nicht ganz alleine dar. In der Bundesrepublik haben offenbar immer mehr Menschen Interesse daran, ihre Vorstellung von Zukunft nationalistisch zu besetzen. Dies zeigen am deutlichsten die jüngsten Wahlerfolge der „Alternative für Deutschland“. Die Partei verdankt ihre Stimmen strammen RassistInnen, verbitterten Jammer-Ossis und VerschwörungsdenkerInnen genau so wie VertreterInnen aus bürgerlichen Milieus oder wirtschaftsliberalen Eliten. Sie eint – ebenso wie die Dortmunder Neonazis – die Vorstellung, dass die Zukunft Deutschlands bedroht ist, sei es auf ökonomischer oder kultureller Ebene. Die Perspektiven auf Zukunft, die in der “AfD”, aber auch bei Bewegungen wie “Pegida” kursieren, sind dabei durchsetzt von der Erzählung einer besseren Vergangenheit, die wiederherzustellen sei. Dem völkischen Mob geht es dabei nicht um die Glorifizierung des Nationalsozialismus, sondern um die Abwendung von vermeintlichen Übeln der Moderne – Globalisierung, Kosmopolitismus oder Migrationsbewegungen – und damit der Errichtung übersichtlicher Verhältnisse. Es ist dabei gleichgültig, ob es den Zeitpunkt der besseren Vergangenheit jemals gab, im Phantasma des Nationalismus wird die Welt wieder simpler und gut, wenn die Grenzen geschlossen werden und die NachbarInnen erkennbar Deutsche bleiben.

Das krisenhafte Situationen einer kapitalistischen Gesellschaft Ressentiments hervorbringen, ist dabei nicht neu. Schon immer reagieren Menschen auf die entstehenden Widersprüche und Vereinzelungsprozesse mit Autoritarismus, Antisemitismus und Rassismus. Hinzu kommt, dass sich die globale Dimension des Verwertungszwangs immer stärker vor der eigenen Haustür bemerkbar macht. Die hier ankommenden Geflüchteten machen dabei nicht nur deutlich, dass der eigene Wohlstand auf dem Elend Anderer fußt, sondern bieten auch eine größer werdende rassistische Projektionsfläche für diffuse Abstiegsängste. Dabei produziert die Einigung auf ein gemeinsames Feindbild verbunden mit einem nationalen Zugehörigkeitsgefühl notwending Ausschluss. Was sozialpsychologisch mehrfach bewiesen wurde, spiegelt sich nun brutal in der Realität wieder. Die fast täglichen flüchtlingsfeindlichen Angriffe und Zusammenrottungen erzeugen im Hinblick auf die Zukunft einen kalten Schauer. Dass den Neonazis daran gelegen ist, diese Stimmung nun weiter für sich zu nutzen, ist nur folgerichtig. Sie vereinen die Ideologien der aktuellen Verhältnisse in ihrer wohl widerlichsten Form, die Sabotage ihres Auftritts am 4. Juni ist daher als praktische Intervention gegen den völkischen Rollback zu begreifen.

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We still hate Mondays: Antifaschistische Demonstration am 18. Januar in Duisburg

Am 18. Januar jährt sich zum ersten Mal der Duisburger Pegida-Ableger, der jeden Montag durch die Duisburger Innenstadt demonstriert. Die Gruppen Cremé Crtique und Emanzipatorische Antifa Duisburg rufen aus diesem Grund zu einer antifaschistischen Demonstration gegen Pegida, Islamismus und Deutschland auf. Wir unterstützen den nachfolgend dokumentierten Aufruf.

Antifaschistische Demonstration | 18. Januar | 18 Uhr | Duisburg Hauptbahnhof – Osteingang

Im Januar 2015 begann Pegida NRW in Duisburg montägliche „Abendspaziergänge“ durchzuführen. 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten damals dem Aufruf der Rassisten – es war zugleich das erste und letzte Mal, dass es nennenswerte Gegenproteste der Duisburger Zivilgesellschaft gab. Getrieben von der Sehnsucht nach dem volksgemeinschaftlichen Kollektiv und dem Wahn von der Islamisierung, rotten sich seither mal mehr, mal weniger Menschen hinter dem Pegida-Banner zusammen. Montag für Montag findet sich auf dem Bahnhofsvorplatz eine abscheuliche Melange aus Wutbürgern und kraftmeiernden Hooligans und Neonazis zusammen, um ihren Frust über die vermeintliche Übervorteilung des kleinen Mannes durch das Konglomerat von politischer Elite und „Lügenpresse“ in höchster verbaler – und mitunter physischer – Aggressivität zu entladen. Duisburg wurde im Laufe des Jahres von einer Hochburg der Bewegung zu ihrer letzten Bastion im Westen der Bundesrepublik.

Der Zusammenhalt dieses Gebräus, das auf eigentümliche Weise durchaus homogen daherkommt, wird kaum durch eine politische Agenda, sondern fast ausschließlich über das Bedürfnis nach nationaler Identität bestimmt. Programmatisch wie symptomatisch ist die notorisch vorgetragene Parole des versammelten Mobs: „Wir sind das Volk“. Eine Parole, die auch schon vom ritualisierten Gegenprotest dogmatischer Linker auf der anderen Seite der Absperrung aufgegriffen wurde und exemplarisch für dessen inhaltliche Leere steht. Auch wenn Neonazis bei den Rassistinnen und Rassisten gerne gesehen sind, darf Pegida nicht als faschistische Bewegung gegen den Staat missverstanden werden. Sie ist eine konformistische Revolte mit weiten Teilen der deutschen Gesellschaft. Sie schimpfen über „die da oben“, treten aber nur nach unten.

► Gegen Schreibtischtäter und den Mob auf der Straße

“Grenzen überwinden“

-Von Bundesratspräsident Volker Bouffier ausgegebenes Motto zum 25. Jubiläum der vereinigten BRD.

Tatkräftige Rassisten demonstrieren montags auf der Straße und zünden bei Nacht die Unterkünfte von Geflüchteten an. Tatkräftige Rassisten sind aber auch jene, die die militärische Abschottung der europäischen Außengrenzen organisieren – und so die tödlichste Grenze der Welt geschaffen haben. Und nicht zuletzt sind tatkräftige Rassisten die, die bei Nacht und Nebel Geflüchtete deportieren, oder sich in den Ausländerbehörden als Schreibtischtäter verdingen. Doch effektiven Standortschutz übernehmen auch andere – und zwar indem sie klatschend und winkend an Bahnhöfen stehen. Es waren schließlich jene Wilkommensweltmeister, die im kurzen Sommer deutscher Gastfreundlichkeit – teils intuitiv als PR-Agenten, teils in durchaus guter Absicht – die Risse in der brüchigen Fassade der Zivilisation verdeckten. Während dies von zahlreichen Medien, die sich sonst an rassistischer Hetze beteiligen, dankbar aufgegriffen wurde, konnten im Hauruckverfahren fast unbemerkt die Reste des Asylrechts noch weiter beschnitten werden. Wenn dann noch Teile der Presse und der Linken, in völliger Ignoranz der projektiven Elemente von Rassismus und Nationalismus, dagegenhalten, dass Zuwanderung doch dem Bruttosozialprodukt nutze – dass also auch Geflüchtete irgendwie noch verwertbar seien – ist die Infamie perfekt. (mehr…)

200 Menschen demonstrieren gegen rechte Gewalt

DemospitzeNach zwei Naziangriffen auf Migrant_innen am vergangenen Wochenende haben gut 200 Antifaschist_innen heute Abend im Dortmunder Stadtteil Eving gegen rechte Gewalt demonstriert. 

Die Demonstration führte über die Friesenstraße und das umliegende Viertel. Einer der rassistisch motivierten Überfälle vom vergangenen Wochenende hatte hier stattgefunden. Laut der Polizeimeldung hatten sechs polizeibekannte Neonazis vier Passanten nach ihrer Nationalität gefragt und waren dann mit Flaschen und einem Baseballschläger auf sie losgegangen. Auch ein Messer hatten die Angreifer dabei. 

Und auch sonst ist der Ort des Überfalls kein Zufall – bereits seit Monaten legen die Neonazis einen Schwerpunkt ihrer Aktionen auf den Stadtteil. Im Fokus der rechten Hetze stehen die neu errichteten bzw. geplanten Unterkünfte für Asylsuchende. Mit zahlreichen Kundgebungen und auf Bürgerversammlungen versuchten die Neonazis im Stadteil Stimmung gegen die Geflüchteten zu machen. Mehrere Neonazis leben in dem Stadtteil, immer wieder tauchen rechte Schmierereien im Straßenbild auf.  Einige weiterführende Informationen zu den Neonazis in Eving finden sich in diesem Artikel.

Transparente

Auch Rechte hatten eine Kundgebung am Evinger Markt abgehalten – diese hatten sie aber so gut geheim gehalten, dass es nur knapp mehr als ein Dutzend von ihnen dorthin schaffte. Eine größere Menge wartete am Haus des Neonazis Sascha Rudloff in der Schwarzenbergstraße/Ecke Friesenstraße, um die dort vorbeiziehenden Antifaschist_innen zu bepöbeln und zu fotografieren. Rudloff hatte bei der Kommunalwahl 2014 als Direktkandidat der Partei “Die Rechte” für die Bezirksvertretung kandidiert. Für einen Sitz hatte es damals aber nicht gereicht. 

Polizei verhindert Protest gegen „geheime“ Nazikundgebung

Die Polizei Dortmund verhinderte am Mittwoch (9. Sepember) durch ein enormes Großaufgebot den direkten Protest gegen eine Kundgebung von rund 80 Neonazis im Dortmunder Kreuzviertel. Die Neonazis hatten zuvor versucht, den Ort der Kundgebung möglichst lange geheim zu halten, um so den Gegenprotest zu schwächen. Am Montag löste eine Kundgebung der Neonazis in der Innenstadt großen Protest aus, bei dem es zu Tumulten bei der Abreise der Neonazis kam. Durch die Geheimhaltung sollte vermutlich ein ähnliches Szenario vermieden werden. Bereits einige Stunden vor Beginn der Kundgebung riegelte jedoch die Polizei die Straßen rund um den Kundgebungsort ab, sodass am Nachmittag klar war, dass die Kundgebung am Sonnenplatz stattfindet.

Trotzdem kamen mehrere hundert AntifaschistInnen zusammen und demonstrierten in Richtung des Kreuzviertels. Als deutlich wurde, dass ein angemessener Protest an dem Tag durch die Polizei unterbunden wird und die Neonazis durch die Absperrungen komplett isoliert sind, entschloss sich ein Großteil der GegendemonstrantInnen, zum Hauptbahnhof zu gehen und dort die ankommenden Geflüchteten zu begrüßen. Seit Sonntag fungiert Dortmund als Drehkreuz für Geflüchtete, die aus Richtung Ungarn mit Zügen ankommen. Zahlreiche freiwillige HelferInnen sind seitdem im Einsatz, um die Ankommenden mit Lebensmitteln und Kleidung zu versorgen.

Diese Situation war auch Anlass für die erneute Kundgebung der Neonazis, die am Mittwoch bereits ihre dritte Kundgebung binnen weniger Tage abhielten. Dabei hetzten sie jedes Mal gegen Geflüchtete und ließen ihren rassistischen Phantasien von einer vermeintlichen „Überfremdung“ freien Lauf. Der Neonazi Christoph Drewer handelte sich dabei bereits am Montag eine Anzeige wegen Volksverhetzung ein.

Auch wenn die Kundgebung nicht verhindert werden konnte, hat sich gezeigt, dass Nazi-Aktionen in Dortmund derzeit nur unter massivem Polizeischutz durchzuführen sind. Aus Angst vor Störungen und Angriffen war es den Neonazis im Vorfeld nicht möglich, den genauen Veranstaltungsort zu veröffentlichen.

Dass Nazis auch anderweitig angegangen werden können, kann aktuell wieder dem linken Internetportal „Indymedia“ entnommen werden. Demnach brannte in der Nacht zu Mittwoch in Dortmund-Eving das Fahrzeug des Neonazis Sascha Rudloff aus. Rudloff kandidierte für die Partei „Die Rechte“ im Bezirk Eving.

Die Neonazikundgebung dauerte rund eine Stunde und verlief angesichts der vielen Polizeiabsperrungen unspektakulär. Als Redner traten u. a. Michael Brück und Sven Skoda auf.

Großer Protest gegen Nazikundgebung

Am Montagabend demonstrierten bis zu 1000 Menschen gegen eine Nazikundgebung der Partei „Die Rechte“ in der Dortmunder Innenstadt. Anlässlich der ankommenden Züge mit Geflüchteten verbreiteten die Neonazis wie schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag dabei ihre rassistische Ideologie.

Der ursprüngliche Kundgebungsort an der Kampstraße wurde allerdings schon vor Beginn von vielen AntifaschistInnen blockiert, sodass die Neonazis ihre Kundgebung bereits kurz vor der U-Bahn Haltestelle Westentor, umringt von GegendemonstrantInnen und Polizeiketten, abhalten mussten. Schon bei dem ersten Versuch den Lautsprecherwagen der Neonazis auf den vorgesehenen Kundgebungsplatz zu bewegen wurde dieser von AntifaschistInnen angegangen und verlor dabei mindestens einen Seitenspiegel. Der im Fahrzeug sitzende „Die Rechte“ Ratsherr Michael Brück versuchte daraufhin, umstehende Personen mit einem Feuerlöscher anzugreifen. Nur unter großem Polizeischutz konnte der PKW schließlich zum Kundgebungsort befördert werden.

Trotz intensiver Mobilisierung in sozialen Netzwerken, erschienen mit rund 60 Neonazis weniger TeilnehmerInnen, als sich „Die Rechte“ mutmaßlich erhofft hatte. Offenbar scheint das Mobilisierungspotential der Dortmunder Neonazis zu schrumpfen, was möglicherweise mit den mittlerweile zahllosen Kundgebungen und Aufmärschen in der Vergangenheit zusammenhängt.

Ihre Kundgebung hielten die Neonazis knapp eine Stunde durch und verließen danach lautlos mit der U-Bahn den Platz des Geschehens in Richtung Dorstfeld. Bei dem Versuch, den Lautsprecherwagen zurück durch die anwesenden GegendemonstrantInnen zu geleiten, kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei, die eine Gasse für das Fahrzeug freischlug und dabei mehrere Personen verletzte. Dabei wurden im Gegenzug abgestellte Polizeifahrzeuge sowie das das Auto der Neonazis beschädigt.

Im Nachgang demonstrierten die verliebenden AntifaschistInnen gemeinsam zum Dietrich-Keuning-Haus. Dort werden seit Sonntag die ankommenden Geflüchteten mit Lebensmitteln und Sachspenden versorgt. Die Neonazis haben indes eine weitere Kundgebung für Mittwoch, den 9. September, angekündigt. Ob dieses Vorhaben angesichts der großen Gegenproteste und den abnehmenden TeilnehmerInnenzahlen von Erfolg gekrönt sein wird, darf bezweifelt werden.

Presse:
Verkehrschaos und Gewalt nach Nazidemo am Westentor (Derwesten)

Refugees Welcome: Großer Protest gegen Neonazis in Zeiten der Ankunft von Flüchtlingen in Dortmund (Nordstadtblogger)

Redebeitrag zur Demonstration am 16.1.2015

Im folgenden unser Redebitrag zur Demonstration „Gegen jeden Antisemitismus“ am 16.01.2015 nach Dortmund-Dorstfeld. Ein abschliessende PM der organisierenden Gruppen findet ihr hier.

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Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde

Wir haben uns heute unter anderem versammelt, weil am Silvesterabend Dortmunder Neonazis mal wieder ihrem Antisemitismus freien Lauf gelassen und einen Gedenkkranz am jüdischen Mahnmal in Dorstfeld in Brand gesteckt haben – dass sie anschließend auch noch die herbeigerufene Polizei mit Pyrotechnik bewarfen ist wohl ihrem zwanghaften Drang nach Militanz zuzurechen.
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Nazis verlegen Kundgebung vor, Protest findet trotzdem statt.

Eine für den 3. Januar von der Partei „Die Rechte“ in der Nordstadt angekündigte Kundgebung zog die Partei um ganze zwei Stunden vor. Einer der Gründe hierfür dürfte der in dem Viertel zu erwartende Gegenprotest gewesen sein. So gelang es bereits am 21.12. eine Kundgebung der Neonazis dort komplett zu verhindern, dazu beigetragen haben direkte Aktionen autonomer AntifaschistInnen und friedliche Blockaden des „BlockaDO-Bündnis“. „Die Rechte“ sagte daraufhin eine weitere Kundgebung für diesen Tag in Dortmund-Hörde ab. Dort konnte die jüdische Gemeinde Dortmund somit ihr Chanukka-Fest ohne rechte Provokation feiern.

Nur sechs Tage später zogen die Neonazis erneut am Kundgebungsort, dem „Platz der Nationen“, auf. Dieses Mal aber komplett unangekündigt und in extrem dezimierter Form, erzählten und langweilten sich gegenseitig mit ihren Redebeiträgen. Die Polizei tat dabei ihr Bestes und schirmte die Neonazis gegen den spontanen Portest von knapp 50 AntifaschistInnen ab.

Die nun für den 3. Januar angekündigte Demonstration sollte ursprünglich um 16:00 Uhr auf dem „Platz der Nationen“ an der Münsterstraße/Mallinckrodtstraße beginnen. Bereits um 13:30 Uhr, also mehr als zwei Stunden eher als angekündigt, erreichten die ersten Nazis den Kundgebungsplatz. Begleitet wurden sie von mehreren Hundertschaften, zeitgleich bezogen Einsatzfahrzeuge der Poliezi in der ganzen Nordstadt Stellung. Die Kundgebung fand mit knapp 50 TeilnehmerInnen dann abgeschirmt von der Polizei bei schlechtem Wetter statt. Die Nazis feiern sich indes für diesen Schachzug, sollten sich aber überlegen, woran es liegt, dass sie nur unter massiver Polizeipräsenz und heimlich geänderten Uhrzeiten demonstrieren können. Über 200 AntifaschistInnen protestieren dagegen.

Im Anschluss an die Kundgebung kam es bei der Abreise der Neonazis am Hauptbahnhof zu Auseinandersetzungen, mindestens ein Nazi wurde daraufhin festgenommen. Eine Spontandemonstration gegen Antisemitismus, im Stadtteil Dorstfeld, wurde indes von der Polizei nicht genehmigt.

Neonazi Timo E. verurteilt

Am 18. Dezember wurde der Dortmunder Neonazi Timo E. vor dem Amtsgericht Dortmund wegen Beleidigung für schuldig gesprochen. Er soll einen dreiseitigen Aufsatz über die antisemitische Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ schreiben und diesem den Richter erläutern.

Das Gericht sah es am vergangenen Mittwoch als erwiesen an, dass er im November 2011 in Bochum-Langendreer eine Frau aus der linken Szene als „Antifa- und Judenschlampe“ titulierte. Zudem soll er das Haus der Aktivistin anschließend mit Eiern beworfen haben. Der zu schreibende Aufsatz soll binnen eines Monats dem Richter vorliegen und von E. zufriedenstellend erläutert werden. Andernfalls droht ihm ein Monat Jugendarrest. Zuletzt war er nach dem Rufen von Nazi-Parolen im Jahr 2011 zu einem sozialen Trainingskurs verurteilt worden. Die Dortmunder Staatsanwaltschaft soll zudem schon die nächste Anklage gegen den Jung-Nazi vorbereitet haben.

Antifa-Spaziergang in Lütgendortmund

Am gestrigen Sonntag, dem 8. Dezemver, versammelten sich mehrere AntifaschistInnen aus Dortmund, um gemeinsam im Stadtteil Lütgendortmund einen Antifa-Spaziergang zu machen.

Das im Westen gelegene Lütgendortmund – an der Grenze zu Bochum – wird immer mal wieder Ziel neonazistischer Propaganda-Aktionen. In letzter Zeit kam es dort auch zu Pöbeleien und Übergriffen auf Jugendliche durch Neonazis. Letztere rekrutieren sich in Lütgendortmund größtenteils aus „aktionsorientierten“ Fußballfans des BVB. Auch der führende Kopf der Dortmunder Neonazis-Szene, Dennis Giemsch, wohnte 2012 noch mit Frau und Kind in diesem Stadtteil, bis er mit einem antifaschistischen Hausbesuch geoutet wurde, woraufhin seine Familie wenig später die Umzugskartons packen musste.

Bereits vergangenes Jahr fand in Lütgendortmund eine Antifa-Demo gegen Rassismus und ein geplantes Neonazi-Konzert statt. Damals zogen ca. 300 AnitfaschistInnen von Bochum-Langendreer nach Lütgendortmund. An diesen Erfolg wollten wir anknüpfen. Während des Spaziergangs konnten zahlreiche Neonazi-Aufkleber entfernt und durch antifaschistische Sticker ersetzt werden. Neonazis oder rechte Fußballfans wurden während der Aktion nicht gesichtet bzw. haben sich nicht blicken lassen.

Nach dem Verbot des “NWDO” und der Neugründung der Partei “Die Rechte” scheint die Neonaziszene in Dortmund momentan etwas geschwächt. Mobilisiert werden kann lediglich “nur noch” der harte militante Kern. Dies sollte für uns Grund genug sein, den Dortmunder Neonazis nun auch in den weiter draußen gelegenen Stadtteilen wenigstens temporär ihre Gebietsansprüche streitig zu machen.

Michael Brück an der Ruhr-Uni geoutet

Seit dem aktuellen Wintersemester studiert der Dortmunder Neonazi Michael Brück Rechtswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Anfang der Woche wurden zunächst Flyer auf dem Uni-Gelände verteilt und Plakate mit seinem Konterfeit angebracht. Zusätzlich wurde der 23-Jährige während einer Vorlesung von etwa 20 verkleideten AktivistInnen geoutet, die auch einen Redebeitrag halten wollten. Dieser konnte allerdings nicht bis zum Ende vorgelesen werden, da der Dozent – wie das Video eines Zeugen zeigt – handgreiflich gegen einen Aktivisten wurde, woraufhin sich ein Tumult entwickelte, in dessen Verlauf fünf Personen leichte Verletzungen davontrugen. Die AktivistInnen verließen daraufhin den Hörsaal. Laut Polizeipresse konnten im Rahmen von Fahndungsmaßnahmen vier Tatverdächtige im Bereich des Hauptbahnhofs angetroffen werden. Ermittelt werde jetzt wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung und Nötigung.

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