Archiv für Mai 2018

Antisemitismus bekämpfen! Ein Kommentar zu der Nazikundgebung am 14. Mai

Unter dem Motto „Wir feiern nicht“ wollen Dortmunder Neonazis der Partei ‚Die Rechte‘ am 14. Mai um 19 Uhr an den Katharinentreppen eine Kundgebung anlässlich des 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels abhalten und ihren Hass auf den jüdischen Staat verbreiten. Wir wollen im Folgenden erklären, warum Protest gegen die Kundgebung wichtig ist, sich die Kritik am Antisemitismus aber nicht an Neonazis erschöpfen sollte.

Antisemitismus von rechts

Die angekündigte Kundgebung reiht sich mühelos in eine längere Liste von antisemitischen Aktionen der Dortmunder Neonazis ein. Angefangen von den jährlichen Störungen des Gedenkens an die nationalsozialistischen Novemberpogrome, über das Betreiben eines Online-Shops unter der Domain ‚antisem.it‘ bis hin zur Anfrage im Stadtrat zur Anzahl der in Dortmund lebenden Juden und Jüdinnen wird kaum eine Gelegenheit ausgelassen, antisemitische Ideologie öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Denn Antisemitismus ist zentrales Element des Neonazismus und spiegelt sich beispielsweise in Shoahleugnung und Verschwörungsphantasien wider. Noch am diesjährigen ersten Mai präsentierte die Partei ‚Die Rechte’ auf einer Neonazi-Demonstration in Erfurt ein Transparent mit der Aufschrift: „Ob Dortmund, Erfurt oder Buxtehude – der Feind ist und bleibt der Kapitalismus“. Der Reim auf Buxtehude ist natürlich ein anderer, die Abwandlung zeigt aber deutlich, dass hier Juden und Jüdinnen mit dem Kapitalismus gleichgesetzt werden – ein wesentliches Merkmal des modernen Antisemitismus. Die Neonazis sind nicht im Stande, den totalitären Charakter kapitalistischer Gesellschaften zu verstehen und projizieren ihren vermeintlichen Antikapitalismus auf das Abstrakte und eine antisemitisch personifizierte Zirkulationssphäre. In dieser Ideologie erscheinen Juden und Jüdinnen nicht nur als Quelle allen Übels in der Welt, sondern auch eine globale Gefahr, die zugleich keine Heimat zu haben scheint. Wo also für die Neonazis noch jedes ‚Volk‘ in seiner eigenen ‚Nation‘ eine Existenzberechtigung besitzt, gilt dies für die Juden nicht mehr: „Nach faschistischem Denken sollen die Juden weder bleiben dürfen wo sie sind, noch die Möglichkeit haben, eine eigene Nation zu bilden“ (Adorno). Kein Wunder also, dass es bei der Kundgebung gegen den Staat Israel geht, den die Neonazis aufgrund seiner bloßen Existenz verachten. (mehr…)