Archiv für Juli 2017

Rechtes Bekleidungsgeschäft in Dortmund?

SportlichElegant

Am 22. Juli eröffnete in der Kaiserstraße 5a der ‚Streetwear‘-Laden SportlichElegant. Nach eigener Auskunft bietet der Bekleidungsladen „Stylische Klamotten für den Alltag, das Training oder auch für`s Stadion“ (sic!) an ein interessiertes Publikum an. Daneben wird auch unterschiedliches Kampfsportzubehör verkauft. Das Geschäft richtet sich damit vorrangig an Personen aus der Kampfsport- und Hooliganszene. Doch einige Hinweise lassen die Vermutung zu, dass hier vor allem eine rechte Kundschaft angesprochen werden soll.

Der Betreiber

Betrieben wird der Laden von dem Duisburger Daniel Heinze, der ursprünglich aus Cottbus stammt. Dass er ausgerechnet ein Geschäft dieser Art eröffnet hat, ist kein Zufall: Heinze war selber in Hooligankreisen des MSV Duisburg aktiv und kann dem Umfeld der mitterweile aufgelösten Hooliganvereinigung Division Duisburg zugerechnet werden. Diesen Schluss lassen Bilder zu, auf denen er mit Mitgliedern und Neonazis der Duisburger Hooligangruppe zu sehen ist. Die Division Duisburg war eng mit den Strukturen des Nationalen Widerstands Duisburg verbunden und fiel immer wieder durch rechte und gewalttätige Äktionen inner- und außerhalb des Stadions auf.1 Neben einer regelmäßigen Teilnahme an den Duisburger Pegida-Aufmärschen und an den Ausschreitungen der HoGeSa-Demo 2015, kann der Divison zuletzt ein Überfall auf eine Party der Ultragruppe Kohorte”im Januar 2015 zugerechnet werden.2 Nach diesen Ereignissen löste sich die Division – mutmaßlich aus Sorge vor Repressionen – auf.3

Bild 1: Daniel Heinze (hinten, schwarzes Shirt) zusammen mit Duisburger und Mannheimer Hooligans, u.a dem Duisburger Neonazi und Divison-Mitglied Stefan Gessner (im Yakuza-Tanktop) und dem Hamburger (ehemals Mannheimer) Nazi-Hool und “Hammerskin” Wolfang Benkeßer (im blauen Shirt).

Bild 2: Heinzes Bekanntschaft Wolfgang Benkeßer (mit Hakenkreuz-Tatöwierung) beim Feiern mit anderen Neonazis auf Mallorca. Die Feiereien deutscher Neonazis sorgten bundesweit für Aufsehen. Mit dabei waren auch Dortmunder Neonazis.

Dass Daniel Heinze selbst auch eine rechte Einstellung vertritt, legt sein Facebook-Profil nahe: Ihm “gefällt” die Identitäre Bewegung, eine rassistische Gruppierung, die zuletzt für Aufmerksamkeit sorgte, weil sie im Mittelmeer Geflüchtete stoppen wollte. Zudem machte Heinze auf seinem Profil Werbung für das Kampfsport-Event Kampf der Nibelungen. Das Turnier ist eine Veranstaltung von Neonazis für Neonazis und eines der größten Treffen der rechten Kampfsport-Szene.4

Von dem Event fühlten sich auch Dortmunder Neonazis angezogen, die im Übrigen auch öfters im Umfeld der rechten MSV-Hooligans auftauchten. Möglicherweise ist dies auch ein Grund dafür, dass der Dortmunder Neonazi Alexander Deptolla sich auf Facebook zumindest “interessiert” an der Eröffnung des SportlichElegant zeigte.

Die Marken

Dem Facebookauftritt des Geschäfts zufolge können dort u.a die Bekleidungsmarken Label 23, Pro Violence und Yakuza erworben werden. Mindestens die ersten Beiden können als Kleidungsmarken des extrem rechten Hooligansspektrum eingeordnet werden. So gehörte die Vorgängermarke von Label 23, BoxingConnection dem Cottbusser Neonazi Markus Walzuck. Label 23 erfreut sich hoher Beliebtheit in rechten Hooligankreisen.5
Bild: Sexistische Werbegrafik für die geführten Klamottenmarken im SportlichElegant.

Ähnlich verhält es sich mit der Marke Pro Violence: auch sie richtet sich vornehmlich an Personen aus der Hooligan- und Kampfsportszene und setzt auf eine martialische Ästhetik. Inhaber ist der Magedeburger Neonazi Christoph Herpich. Er versuchte auch im Jahr 2003 die Marke beim Patentamt anzumelden, was aber aufgrund des gewaltverherrlichenden Namens nicht gelang.6 Die Marke Yakuza hingegen distanziert sich öffentlich zwar von einer rechten Ideologie, allerdings ergaben Recherchen des Antifaschistischen Infoblatts (AIB) aus dem Jahre 2015, dass die Marke zumindest zwielichtig zu sein scheint. Der Betreiber habe immer wieder Kontakte zu Neonazis gehabt und als Vertriebsleiter für Tschechien den Sänger der Rechtsrock-Band Conflict 88 eingesetzt.7

Zusammenfassung

Es liegen mehrere Hinweise vor, dass es sich bei dem SportlichElegant um ein mindestens rechtsaffines Bekleidungsgeschäft handelt, dessen Betreiber den Kontakt zu organisierten Neonazis nicht scheut. Es werden dort Kleidungsmarken angeboten, die vor allem von AnhängerInnen der rechten Kampfsport- und Hooliganszene getragen werden. Dies ruft Erinnerungen an den rechten Bekleidungsladen Alte Liebe hervor, der vor zehn Jahren ebenfalls in Dortmund Kleidung an Neonazis und Hooligans verkaufte und nach erfolgreicher antifaschistischer Interventionen allerdings wieder schließen musste. Wir rufen daher dazu auf, den Betrieb des SportlichElegant kritisch zu beobachten und auf weitere Verbindungen in die extreme Rechte zu überprüfen. Neonazis und rechten Hooligans sollte keine Möglichkeit gegeben werden, ungestört mitten in der Dortmunder Innenstadt Geschäfte zu betreiben und rechte Ideologie zu verbreiten.

  1. Eine Übersicht der Taten findet sich hier: https://www.facebook.com/ZEBRASGEGENRECHTS/posts/444578255695441 [zurück]
  2. https://www.waz.de/staedte/duisburg/rechte-hooligans-sollen-msv-ultras-brutal-attackiert-haben-id10259546.html [zurück]
  3. https://www.waz.de/staedte/duisburg/msv-hooligans-der-division-duisburg-haben-sich-aufgeloest-id10303007.html [zurück]
  4. http://www.fussball-gegen-nazis.de/artikel/kampf-der-nibelungen-eine-sportveranstaltung-von-und-f%C3%BCr-neonazis-11267 [zurück]
  5. https://www.antifainfoblatt.de/artikel/%C2%BBleben-hei%C3%9Ft-kampf%C2%AB-die-cottbuser-marke-%C2%BBlabel-23%C2%AB [zurück]
  6. http://www.belltower.news/artikel/pro-violence-11234 [zurück]
  7. htts://www.antifainfoblatt.de/artikel/„yakuza“-—-das-neue-„thor-steinar“ [zurück]