Anti-israelische Demonstration in Dortmund

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Palästina_Demo_1Es ist mal wieder so weit: Seit Israels militärischem Gegenschlag als Antwort auf die Ermordung dreier israelischer Jugendlicher und hunderten Raketenabschüssen auf die israelische Zivilbevölkerung durch die Hamas häufen sich auch im Ruhrgebiet die Anmeldungen Anti-israelischer Demonstrationen. In Dortmund zogen am Samstagnachmittag ca. 1500 Menschen, darunter Aktivisten aus der Friedensbewegung, durch die Innenstadt und demonstrierten gegen Israel. Dass es dabei nicht um den Wunsch nach Frieden im Nahen Osten ging, sondern einzig und allein darum, den israelischen Staat zu denunzieren, zeigten Plakate mit Aufschriften wie „Stop Juden“, „Stoppt den Holocaust in Israel“ oder durchgestrichenen Davidsternen, welche die DemonstrantInnen bei sich trugen.


Ebenso waren Fahnen der Terrororganisationen Hamas und Hisbollah zu sehen. Während der Demonstration wurden neben der obligatorischen Forderung nach „Freiheit für Palästina“ immer wieder Parolen à la „Kindermörder Israel“ gerufen. Wie die „Freiheit für Palästina“ aussehen soll, machten Schals deutlich, die einige DemonstrantInnen trugen: Hierauf war eine Landkarte von Palästina zu sehen, Israel war dort nicht mehr zu erkennen. Es ist mittlerweile schon traurige Gewohnheit geworden, dass islamistische und deutsche Friedensfreunde erst dann auf’s Parkett treten, wenn Israel beginnt, sich zu verteidigen. Die unzähligen Raketen, die in den Tagen zuvor auf israelische Städte flogen, scheinen für die DemonstrantInnen keine Bedrohung des Friedens gewesen zu sein. Das hehre Ziel des Friedens scheint also nur von Interesse, wenn man es gegen Israel in Stellung bringen kann. Ein Schelm, wer dabei an Antisemitismus denkt. Doch anstelle von vermeintlich legitimer Israelkritik, zeigte sich bei der Demonstration in Dortmund teilweise ein vollkommen unverblümter Judenhass, der sich nicht mal die Mühe machte, sich irgendwie zu kaschieren. Da passt es nur wie die Faust auf’s Auge, dass sich auch mindestens vier organsierte Dortmunder Neonazis, namentlich: Michael Brück, Daniel Grebe, Lukas Bals und Christian Meier in die Demo einreihten und sich dort auch augenscheinlich wohl fühlten.1 Auch für die VeranstalterInnen der Demonstration stellte die Anwesenheit der Neonazis offenbar kein Problem dar.

Dortmunder Neonazis auf der Demo

Während in den Medien die Demonstrationen zum Teil verharmlosend als „Kundgebungen gegen den Nahostkonflikt“ abgetan werden, lässt sich für uns feststellen, dass es sich dabei um antisemitische Demonstrationen handelt, bei denen mitunter Islamisten und deutsche Neonazis vereint gegen den gemeinsamen Feind Israel aufmarschieren. In Essen versuchten DemonstrantInnen, an der dortigen Synagoge zu demonstrieren2 und in Gelsenkirchen wurde unter anderem die Parole „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ skandiert.3 Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang auch, dass sich bei der Demonstration in Dortmund nur wenige AntifaschistInnen zusammenfanden, um die Versammlung zu beobachten. Antisemitismus ist für viele Linke offenbar nur dann skandalös, wenn er auf Naziaufmärschen artikuliert wird. Dass die TeilnehmerInnen der pro-palästinensischen Kundgebungen nicht minder gefährlich sind, zeigte sich bereits bei einer Versammlung in Dortmund am Donnerstagabend, bei der GegendemonstrantInnen mit einer Israelfahne nur knapp einer körperlichen Auseinandersetzung entkommen konnten.4

Mit den Demonstrationen erweisen die vermeintlichen Freunde Palästinas den in Gaza lebenden Menschen im Übrigen einen Bärendienst. Wer sich in diesem Konflikt gegen Israel stellt, impliziert ein Tolerieren der Hamas. Und solange in Gaza die Hamas regiert, kann es dort keinen Frieden geben, auch wenn dies für alle Menschen in der Region wünschenswert wäre. Erst vor wenigen Tagen forderte ein Sprecher der Hamas die Menschen in Gaza auf, sich als Schutzschilde für den Kampf gegen Israel zu opfern. Ebenso werden gezielt zivile Unterkünfte als Waffenlager genutzt. Die Charta der Hamas sieht weiterhin vor, „alle Juden in’s Meer zu treiben“. Vervollständigt wird diese Ideologie durch einen grassierenden Schwulen- und Frauenhass. Wer also noch ein wenig emanzipatorisches Denken übrig hat, sollte im Sinne der dort lebenden Menschen nicht weniger als die Befreieung Gazas von der Hamas fordern, anstatt sich durch antiisraelische Politik noch auf deren Seite zu schlagen.

So banal es eigentlich für uns als AntifaschistInnen ist, so oft muss dies offenbar erwähnt werden: Der Staat Israel ist ein Schutzraum für alle vom Antisemitismus Verfolgten und in einer nationalstaatlich verfassten Welt die einzige Möglichkeit, sich gegen Antisemitismus zu Wehr zu setzen. Antifaschismus bedeutet daher auch Solidarität mit Israel. Wir aktzeptieren daher auch keinen als „Israelkritik“ getarnten Antisemitismus, unabhängig davon aus welcher Richtung er kommt und werden auch kommende anti-israelische Demonstrationen im Blick behalten.

  1. http://www.ruhrbarone.de/dortmund-neonazis-und-islamisten-gemeinsam-gegen/83406 [zurück]
  2. http://www.derwesten.de/staedte/essen/anti-israel-versammlung-sorgt-fuer-grossaufgebot-der-polizei-id9584277.html [zurück]
  3. http://www.youtube.com/watch?v=AixPXzvRyBI&feature=youtu.be&t=4m52s [zurück]
  4. http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/anti-israel-demo-auf-der-katharinenstrasse-id9581284.html [zurück]
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2 Antworten auf „Anti-israelische Demonstration in Dortmund“


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