Zum Auftritt der “Bandbreite” auf der Dortmunder “Montagsmahnwache”

We don´t like Mondays

Seit einigen Wochen finden bundesweit, auch in Dortmund, sogenannte „Montagsmahnwachen“ statt. Das Konzept, welches durch BürgerInnen der damaligen DDR entstanden ist, um gegen die politischen Verhältnisse zu demonstrieren und dann später durch Kritiker der Hartz4 Reform aufgeriffen wurde, bezeichnet eine Versammlung am Montagabend auf öffentlichen Plätzen. Doch den InitiatorInnen und TeilnehmerInnen der neuen Montagsdemos geht es nicht um eine Kritik an Realsozialismus oder sozialer Ungerechtigkeit. Unter dem Deckmantel der Friedensbewegung werden dabei verschwörungsidologische Inhalte verbreitet. So geht es um eine angeblich fremdbeherrschte Presse oder um eine verkürzte Kapitalismuskritik, welche sich in der Annahme einer vermeintlichen Weltherrschaft der Banken oder der USA manifestiert. Ausgelöst wurden die Versammlungen in Berlin, unter anderem von dem ehemaligen Radiomoderator Ken Jebsen, der aufgrund antisemitischer Aussagen von Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) entlassen wurde. Auf der Dortmunder Montagsmahnwache fielen Sätze wie: „Die Mächtigen säen Krieg und Zwietracht, um ihre aggressive Politik voranzutreiben!“, „Die deutsche Politik wird von Washington gesteuert!“, und: „Die Banken diktieren die Weltpolitik!“, sowie: „Es gibt Menschen, die wollen das deutsche Volk spalten! Eine kleine Gruppe kontrolliert uns, vergiftet das Essen, damit die Pharmaindustrie davon profitiert!“[i] All diese Bekundungen eint eine Ideologie, die auf der Annahme einer Weltverschwörung basieren. Gängiges Motiv ist hierbei der Glaube daran, dass angeblich nebulöse Mächte die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse steuern würden. Auf den Montagsdemonstrationen wurden diese „Mächte“ wahlweise als die USA, die Juden oder die Banken ausgemacht. Verschwörungsideologien dienen dabei als Mittel, um eine zugegebenerweise komplexe Welt verstehen zu wollen und sich dafür einfacher und diffuser Erklärungsmuster zu bedienen. Die Themenpalette reicht dabei von Antisemitismus bis hin zum Nationalismus. Als wäre dies nicht schon alles unangenehm genug, kündigten die OrganisatorInnen der Dortmunder Montagsdemo den Auftritt der Band „Die Bandbreite“ am 09.06.2014 an. Die Band ist in der Vergangenheit mehrmals wegen diverser Sontexte in die Kritik geraten, welche wir hier exemplarisch darlegen möchten:

Se­xis­mus und ste­reo­ty­pe Frau­en­bil­der

Die Band­brei­te zeigt ihren Se­xis­mus und ihr ver­ach­ten­des Frau­en­bild deut­lich in meh­re­ren Song­tex­ten. Frau­en wer­den zu Ob­jek­ten de­gra­diert, die le­dig­lich dazu da sind, die Trie­be der Sän­ger zu be­frie­di­gen. Im Song „Man kennt uns“ heißt es:

„zucke zur Mucke zwi­schen all den zau­ber­haf­ten Zu­cker­tit­ten.
Ver­gess die guten Sit­ten in­spi­zier die fit­ten Schnit­ten,
move die Füße, um mit Muße in die Aus­schnit­te zu bli­cken.“[ii]

und im Song „Mies­mu­schel“:

„Du warst mies, so mies, du warst mies im Bett.
[…] Selbst ne Gum­mi­b­raut hat nen bes­sern Hüft­schwung,
ich renn auf den Bal­kon und kotz über die Brüs­tung.
[…] Du bist n hüb­sches Mädel, doch lei­der rich­tig Kacke im Bett –
ich krieg bei dir nich mal ne Latte, Jea­net­te.“[iii]

Im Song „Ein­ge­locht“ stei­gern die Sän­ger der Band­brei­te ihren Se­xis­mus und schil­dern dort die Ver­ge­wal­ti­gung einer Frau. Das be­stä­tigt ihr be­reits be­schrie­be­nes Frau­en­bild und stei­gert es da­durch, dass sie an­schei­nend kein Pro­blem damit haben, wenn zur Lust­be­frie­di­gung Ge­walt an­ge­wandt wird. Eine Stel­le aus dem Song „Ein­ge­locht“ lau­tet:

Ne, ne, es tut dir weh, doch wir war­ten nich,
wo ich doch so sel­ten ma n har­ten krich.
du bis nich artig und jetzt kommt deine Stra­fe,
du kanns nicht er­war­ten, datt ich zärt­lich mit dir schla­fe.“[iv]

Dabei ist aber anzumerken, dass sich die Band nach massiver Kritik von den Songs „Miesmuschel“ und „Eingelocht“ mit dem Verweis auf eine „Jugendsünde“ distanziert hat. Der Vollständigkeit halber wurden die Textstellen dennoch hiermit aufgeführt.

Re­la­ti­vie­rung des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus

In dem Band­brei­te-​Song „Unter fal­scher Flag­ge“ heißt es:

„Adolf Hit­ler hat schon 33 damit an­ge­fan­gen,
und zün­de­te unter fal­scher Flag­ge den Reichs­tag an,
[…] Es war da­mals wäh­rend des Sechs-​Ta­ge-​Kriegs
Mi­ra­ge 3 at­ta­ckier­ten die USS Li­ber­ty
Is­rae­li­sche Tor­pe­do­boo­te schos­sen auf dat Schiff,
in der Hoff­nung, datt et da­nach auf den Grund des Mee­res sinkt.“[v]

Damit wer­den Ver­bre­chen des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­lands unter Hit­ler in eine Reihe mit is­rae­li­schen An­grif­fen im 6-​Ta­ge-​Krieg ge­stellt. Nicht nur an die­ser Stel­le re­la­ti­vie­ren die Sän­ger der Band so die Ver­bre­chen des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. In dem Lied „Trau­er­spiel“ wer­den gleich meh­re­re mehr als frag­wür­di­ge Ana­lo­gi­en ge­zo­gen:

„Ihr seid die Re­inkar­na­ti­on der HJ, die Hip­Hop-​Ju­gend,
ver­kauft euer fa­schis­ti­sches Sys­tem ge­tarnt als Tu­gend,
[…] Wir sind für Euch die Juden Eures 3. Hip­Hop-​Rei­ches,
weil wir dat Busi­ness be­herr­schen und Euch dat Ge­schäft ja gleich ist.“[vi]

Zu­sätz­lich zu den ideo­lo­gi­schen Re­la­ti­vie­run­gen und Ana­lo­gi­en über­neh­men sie im letz­ten Satz an­ti­se­mi­ti­sche Denk­mus­ter: Sie re­pro­du­zie­ren das Kli­schee „der Juden“, die „dat Busi­ness be­herr­schen“.

Ver­schwö­rungs­theo­ri­en

Das Lied der Band­brei­te mit dem Titel „Selbst ge­macht“ macht mehr als ein­deu­tig klar, dass die Sän­ger ver­schie­de­ne Ver­schwö­rungs­theo­ri­en ver­brei­ten. Sie wer­fen den USA vor, ihre ei­ge­nen Bür­ger_in­nen beim An­griff auf Pearl Habor ge­op­fert zu haben, um in den Zwei­ten Welt­krieg ein­zu­tre­ten:

„ein an­de­res Un­ter­fan­gen dat war ziem­lich ma­ka­ber,
eigne Leute ge­op­fert im Mas­sa­ker von Pearl Har­bor,
ja die bösen Ja­pa­ner, die euch nur dabei hal­fen,
end­lich mit in den zwei­ten Welt­krieg ein­zu­grei­fen.“[vii]

Es stellt sich die Frage was uns „Die Band­brei­te“ hier sagen möch­te: Hät­ten die USA nicht in den Zwei­ten Welt­krieg ein­grei­fen sol­len? Be­zwei­felt „Die Band­brei­te“, dass es zwi­schen Japan und den USA einen Kon­flikt um Ein­fluss im Pa­zi­fik­raum gab, der ein einem Krieg ge­mün­det ist?
Im Ver­lauf des Lie­des wei­ten sie schließ­lich ihre Ver­schwö­rungs­theo­ri­en auf den 11. Sep­tem­ber 2001 aus. Sie be­haup­ten der An­schlag sei von den USA „selbst ge­macht“, um Krie­ge gegen Af­gha­nis­tan und den Irak füh­ren zu kön­nen.

„Und da macht ihr’s mir leicht, mit dem 11. Sep­tem­ber,
denn an eurem Ver­hal­ten hat sich gar nix ge­än­dert.“[viii]


Schlech­te Ge­sell­schaft?

„Die Band­brei­te“ fin­det sich immer wie­der auf Ver­an­stal­tun­gen, deren Agen­da lin­ker und an­ti­ras­sis­ti­scher Po­li­tik dia­me­tral ge­gen­über­steht. So spiel­ten sie zu­letzt bei einer Ver­an­stal­tung des Ju­gend­ver­bands der Schwei­ze­ri­schen Volks­par­tei.[ix] Die SVP fiel im letz­ten Wahl­kampf mit ras­sis­ti­schen Wahl­pla­ka­ten auf, die zur Aus­gren­zung und Ab­schie­bung von Aus­län­der_in­nen aus der Schweiz auf­rie­fen. Auch eine Volks­ab­stim­mung über das Ver­bot von Mi­na­ret­ten an Mo­sche­en geht auf die In­itia­ti­ve die­ser Par­tei zu­rück. In Deutsch­land fin­det sie haupt­säch­lich bei PRO NRW und an­de­ren Rechts­po­pu­lis­t_in­nen, sowie bei den Neo­na­zis der NPD, die ein Wahl­pla­kat der SVP na­he­zu un­ver­än­dert über­nom­men haben, Bei­fall. Ebenso konnte in verschieden Städten bei den Montagsdemos die Anwesenheit von Mitgliedern der örtlichen Naziszene festgestellt werden. Auch in Dortmund fanden sich bekannte Neonazikader auf der Versammlung ein. Auschlag hierfür dürfte sein, dass Nazis verschwörungsideologische Inhalte ebenfalls aufgreifen, wie beispielsweise die Behauptung einer jüdischen Weltverschwörung oder der Glaube daran, die Bundesrepublik Deutschland würde durch die USA kontrolliert werden.

Wie die zahl­rei­chen Bei­spie­le be­le­gen, ist „Die Band­brei­te“ eine Band, die se­xis­ti­sche, an­ti­se­mi­ti­sche und NS-​re­la­ti­vie­ren­de Song­tex­te zum Bes­ten gibt. Es ist daher bezeichnend für den Charakter der „Mahnwache“, dass diese Band dort auftitt und zeigt, dass die neuen Montagsdemonstartionen keine Grundlage für eine emanzipative Kritik an Gesellschaft und Kapitalismus anbieten, sondern reaktionäres Halbwissen, welches in Verschwörungsdenken mündet und Schnittpunkte zu Naziideologien aufweist.

Gegen Antisemitismus und Verschwörungsideologie!

[i] http://www.ruhrbarone.de/dortmund-querfrontler-uebernehmen-montagsdemo/77172 am 08. Juni 2014
[ii] http://​lyrics.​wikia.​com/​Die_​Bandbreite:​Man_​Kennt_​Uns am 15. Juni 2011
[iii] http://​lyrics.​wikia.​com/​Die_​Bandbreite:​Miesmuschel am 15. Juni 2011
[iv] http://​vollebandbreite.​blogsport.​de/​kritik/​ am 15. Juni 2011
[v] http://​www.​diebandbreite.​de/​unter-falscher-flagge-2/​ am 15. Juni 2011
[vi] http://​www.​diebandbreite.​de/​trauerspiel/​ am 15. Juni 2011
[vii] http://​www.​diebandbreite.​de/​selbst-gemacht-3/​ am 15. Juni 2011
[viii] Ebd.
[ix] http://​www.​info8.​ch/​files/​Flugblatt_​Bilderberg-AnlassStMoritz2011.​pdf am 15. Juni 2011

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