Archiv für Januar 2014

Vortragsreihe „Elemente des Antiziganismus“ Ankündigungstexte

30. Januar:
Markus End – Zur Kritik des Antiziganismus und seiner aktuellen Erscheinungsform in den deutschen Medien

Das Phänomen des Antiziganismus ist weit verbreitet und fest verankert.
Nahezu weltweit werden Menschen als ‘Zigeuner’ stigmatisiert, diskriminiert und zum Teil verfolgt. Gleichzeitig besteht gesamtgesellschaftlich kaum ein Bewusstsein für dieses Ressentiment. Im Vortrag werden nach einer kurzen historischen Einführung zentrale Elemente des Antiziganismus herausgearbeitet und analysiert. In einem zweiten Teil wird anhand aktueller medialer Beispiele auf seine derzeitige gesellschaftlich akzeptable Erscheinungsform eingegangen.


13. Februar:
IgDZ – Antiziganismus in Duisburg

Seit nunmehr fast zwei Jahren breitet sich in Duisburg mehr und mehr eine antiziganistische Stimmung – bis hin zu Übergriffen – aus. In der Presse bestimmen Schlagzeilen über “Problemhäuser” und “Klaukids” sowie Panikmache vor vermeintlichen “Zuwandererströmen” das Bild. Dadurch fühlen sich Rassisten aller Couleuer ermutigt ihrem Hass in sozialen Netzwerken freien Lauf zu lassen. Auf der Straße formieren sich sogenannte “Bürgerproteste” die in’s gleiche Horn stoßen. Auch an den Urnen der letzten Wahl hat sich diese Stimmung deutlich wiedergespiegelt. Dabei kommen die Stichwortgeber antiziganistischer und rassistischer Hetze nicht aus der radikalen Rechten, sondern aus der Mitte der Gesellschaft. Von Polizeisprechern bis hin zum Oberbürgermeister bricht sich ein xenophober Furor Bahn Der Vortrag wird versuchen die dahinter stehenden Ressentiments aufzuzeigen und mögliche Reaktionen diskutieren – und auch das lange Schweigen der radikalen Linken zu diesen Vorgängen einer (Selbst-)Kritik unterziehen.

20. Februar:
Nico Bobka – Kritische Theorie des Antiziganismus

Obgleich die Feindschaft gegen sogenannte Zigeuner nunmehr auf eine vielhunderjährige Geschichte der Ausgrenzung, Verfolgung und schließlich deren Kulmination in der nationalsozialistischen Vernichtungspraxis zurückblicken kann, fristet die Kritik des Antiziganismus bis heute bestenfalls ein Schattendasein. Diesem Mangel gilt es jedoch nicht durch einen isolierten, bloß äußerlichen Vergleich, etwa mit Antisemitismus oder Rassismus, beizukommen, sondern den Antiziganismus als Moment der repressiven Totalität kapitaler Vergesellschaftung zu begreifen. Es gilt sowohl dessen Geschichte seit seiner Herausbildung während der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals nachzuzeichnen, als auch dem Ursprung der Bilder nachzugehen, nach denen Individuen zu Zigeunern gemacht und als solche verfolgt werden. Diese Bilder sollen durch eine Kritik der Konstitution der Individuen als Subjekte der bürgerlichen Gesellschaft bestimmt und der Antiziganismus soll als Ausdruck tabuisierter, verdrängter und verleugneter Momente des eigenen Selbst begriffen werden. Eine solche Kritik des Antiziganismus nimmt nicht die Lebensweise der wirklichen oder potentiellen Opfer in den Blick, sondern ist vielmehr Kritik des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft, also der Antiziganer und der antiziganischen Gesellschaft. Der Antiziganismus ist somit als Gegenstand der Kritik sogleich Schlüssel für eine Kritik der Gesellschaft in ihrer Irrationalität und in ihrem destruktiven Potential.

Veranstaltungsreihe: Elemente des Antiziganismus

Im Folgenden möchten wir auf unsere Vortragsreihe zum Thema Antiziganismus mit Förderung durch das Forum gegen Rassismus Dortmund und „Jugend in Aktion“ aufmerksam machen.

Antziganistische Ressentiments haben in den letzten Jahren nicht nur wieder in osteuropäischen Ländern eine breite Zustimmung erfahren, auch in vielen Städten des Ruhrgebiets wurden rassistische Töne gegen Sinti und Roma laut. Insbesondere Duisburg und Dortmund haben es hier in den Fokus der bundesweiten Berichterstattung geschafft. Gerade in Debatten über die Migration von Menschen osteuropäischer Herkunft tauchten antiziganistische Ideologiefragmente immer wieder auf, und das nicht nur bei den üblichen Verdächtigen am rechten Rand. Rassistische Stimmungsmache gegen als “Zigeuner” stigamtisierte Menschen konnten genau so bei der sogenannten Mitte der Gesellschaft vernommen werden. Dabei wurden gerade diejenigen Menschen Objekt von Projektionen und Stereotypen, die bereits seit Jahrhunderten systematische Diskriminierung erfahren musste, welche in der Vernichtung von ca. 500000 Sinti und Roma während des Nationalsozialismus kulminierte. Die Vorurteile und Mechanismen des Antiziganismus sind die Gleichen wie im Mittelalter, nur das Auftreten hat sich verändert. Wir möchten mit der Veranstaltungsreihe “Elemente des Antziganimus” der Aktualität des Themas Rechnung tragen und uns der Thematik theoretisch nähern und damit einen Diskussionsprozess über die Funktion und das Wesen des Antiziganimus ermöglichen.

30.01.2014 um 19.30
“Zur Kritik des Antiziganismus und seiner aktuellen Erscheinungsform in
den deutschen Medien”

Vortrag mit Markus End

13.02.2014 um 19.30
“Von Problemhäusern und Klaukids – Antiziganismus in Duisburg”
Vortrag mit der Initiative gegen Duisburger Zustände

20.02.2014 um 19.30
“Kritische Theorie des Antiziganismus”
Vortrag mit Nico Bobka

Alle Vorträge finden in der Auslandsgesellschaft Dortmund, Steinstraße 48, 44147 Dortmund statt.

„…von Anilin bis Zwangsarbeit“ – Ausstellung zur IG Farben

Das Forum gegen Rassismus und die Fachschaft Chemie zeigen Ausstellung zur IG Farben in der Universitätsbibliothek

Es war seinerzeit das größte Chemieunternehmen der Welt und hat den industriellen Massenmord an Millionen von Menschen erst möglich gemacht: Die Geschichte der I.G. Farbenindustrie (kurz IG Farben) ist eng mit dem Nationalsozialismus verwoben. Eine Ausstellung über das Chemiekartell wird vom 13. Januar bis zum 14. Februar in der Universitätsbibliothek auf dem Campus der TU Dortmund gezeigt.

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