PM: Polizeiübergriff sprengt Gedenkveranstaltung für Thomas Schulz

Pressemitteilung des Dortmunder Antifa-Bündnisses
vom 28.03.2012

Am 7. Jahrestag der Ermordung des Punks Thomas Schulz durch den Dortmunder Neonazi Sven Kahlin nahmen etwa 150 Menschen an einer Kundgebung zum Gedenken an den Ermordeten teil. Überschattet wurde das Gedenken durch Übergriffe der Dortmunder Polizeihundertschaft, bei denen sowohl Freunde des Opfers als auch Teilnehmende der Kundgebung verletzt wurden.

Gegen 18:30 Uhr versammelten sich die Kundgebungsteilnehmer an der U-Bahnhaltestelle Kampstraße, dem damaligen Tatort. Es wurde in Redebeiträgen dem Ermordeten gedacht und mehr gesellschaftliches Engagement gegen rechte Gewalt eingefordert. Zudem wurde zu Solidarität sowohl mit den Angehörigen als auch den Betroffenen rechter Gewalt aufgerufen. Eine Trommelgruppe begleitete die Veranstaltung musikalisch. Um 19:00 Uhr fand eine Schweigeminute statt, um an die Tat vor sieben Jahren zu erinnern.

Zur gleichen Zeit verwehrten Polizeibeamte mehreren Bekannten von Thomas Schulz den Zutritt zur U-Bahnhaltestelle am Zugang Petergasse. Die Gruppe von Punks wollte am Ort des Mordes, direkt am Gleis, ihrem getöteten Freund gedenken. Ausgangspunkt der späteren Eskalation waren Provokationen und Beleidigungen von Seiten der Beamten. Ein Polizist tat sich besonders dabei hervor, die Punks aufgrund ihres Auftretens zu diskriminieren und zu provozieren. „Hier greifen die gleichen abwertenden und ausgrenzenden Mechanismen, welche auch ursächlich für rechte Gewalt sind,“ meint Hannah Piehl, Pressesprecherin des Dortmunder Antifa-Bündnis. Im Verlauf der Diskussion wurden die Polizisten dann handgreiflich und schlugen einen der Anwesenden zu Boden, um ihn festzunehmen. Ein Freund, der ihm zur Hilfe kommen wollte, erhielt mehrere Schläge ins Gesicht und wurde ebenfalls festgenommen.

Durch den Tumult wurden die Teilnehmenden der Kundgebung auf den Vorgang aufmerksam. Ein Großteil der Anwesenden begab sich in die Petergasse, um gegen die Festnahmen zu protestieren. Die Polizei ging mit erheblicher Gewalt gegen die Demonstrierenden vor. Mehrere Polizeimotorräder fuhren mit hoher Geschwindigkeit in die Menge, immer wieder wurden Passanten und Demonstrierende von nacheilenden Polizeieinheiten in die Auslagen und Schaufenster der Geschäfte gestoßen. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Umstehenden ein, zwei Polizeihunde ohne Maulkorb waren ebenfalls vor Ort.

„Der Einsatz der Polizei hat zahlreiche Verletzungen verursacht,“ stellt ein Demosanitäter fest. „Ein Großteil der Anwesenden in der Petergasse wurde mit Reizgas kontaminiert, Augenverletzungen und Hautreizungen waren die Folge. Mindestens eine Person musste mit einer Kopfverletzung im Krankenhaus weiterbehandelt werden“. Auch Pressefotografen, die den Einsatz der Polizei dokumentieren wollten, wurden von der Polizei an ihrer Arbeit gehindert.

Das Dortmunder Antifa-Bündnis (DAB) verurteilt das Vorgehen der Polizei. „Heute hat sich gezeigt, dass der neue Polizeipräsident an der Eskalationsstrategie seines Vorgängers festhält,“ so Hannah Piehl. „Es ist ein Skandal, dass die Polizei mit Gewalt gegen die Gedenkveranstaltung vorgeht und ein Erinnern an den Getöteten verunmöglicht.“ Das Dortmunder Antifa-Bündnis ruft weiterhin zur Teilnahme an der Demonstration „Rechte Gewalt unmöglich machen“ auf, die am 31. März um 11:00 an der S-Bahnhaltestelle Universität beginnt. „Wir werden am Samstag gegen die rechten Schläger in Dorstfeld auf die Straße gehen. Heute ist wieder einmal deutlich geworden, dass die Schläger in Uniform ebenfalls eine Gefahr darstellen,“ stellt Piehl abschließend fest.

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