“Skinhead-Front”-Aktivitäten in Dorstfeld

Presseerklärung der Antifaschistischen Union Dortmund
vom 12. Oktober 2011

In den letzten Wochen verübten Mitglieder der Dortmunder Neonazi-Gruppierung „Skinhead-Front Dortmund-Dorstfeld“ wieder vermehrt Übergriffe mit potentiell tödlichen Waffen: Bei den beiden jüngsten Übergriffen setzten die Täter abermals Messer gegen ihre Opfer ein. In der öffentlichen Berichterstattung wurden diese Vorfälle hingegen kaum in einem Zusammenhang gebracht.

Übergriffe durch Neonazi-Skinheads
In der Nacht zum Montag, dem 26. September, beleidigten zwei Neonazis in Dorstfeld einen Afrikaner rassistisch und griffen ihn handfest an. Sie fügten im Kratzwunden im Gesicht zu und versuchten ihn festzuhalten. Als er sich losreißen und fliehen konnte, zog einer der AngreiferInnen ein Messer und eine Pfefferspray-Dose. Zwei Zeugen des Vorfalls konnten den Angreifer von weiteren Attacken abhalten, auch sie erlitten leichte Verletzungen durch einen Fußtritt und Pfefferspray.[1]
Nur eine Woche darauf nahm die Polizei am Wochenende zwei Neonazis vorübergehend fest. Das Duo hatte zuvor einen Türsteher mit einem Messer bedroht und während der Flucht unter „Sieg Heil“-Rufen den Hitlergruß gezeigt, nachdem der Türsteher den Beiden den Zutritt zu einem Konzert in Dorstfeld untersagte.[2]

Täter gehören zur organisierten Neonaziszene
Aufgrund der Täterbeschreibung in beiden Fällen ist davon auszugehen, dass es sich bei den Tätern um Neonazi-Skins handelt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in der „Skinhead-Front Dortmund-Dorstfeld“ organisiert sind. Schließlich sind die Täter auch beim Dortmunder Staatsschutz „gut bekannt“.
„Wir müssen an dieser Stelle verdeutlichen, dass es sich nicht um Einzeltaten alkoholisierter Neonazis handelt, sondern um eine Strategie organisierter Neonazis, die in Oberdorstfeld eine Dominanzstrategie fahren und für Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, eine faktische Aufenthaltskontrolle durchzusetzen versuchen“, erklärt Kerstin Wiedemann, Pressesprecherin der Antifaschistischen Union Dortmund.

„Skinhead-Front“ ist eine Kameradschaft
Die „Skinhead-Front Dortmund-Dorstfeld“ gründete sich 2004 als fester Zusammenschluss von Neonazis und formierte sich zu einer „Freien Kameradschaft“.[3] „Zum engeren Kern gehören rund 15 Personen, wobei ein größeres Umfeld von Sympathisanten auszumachen ist. Diese Neonazi-Skins nehmen nicht nur regelmäßig an Neonazi-Aufmärschen im In- und Ausland teil, einzelne Mitglieder zeichnen sich auch für eine Vielzahl von Übergriffen auf Linke und Migranten und Angriffe auf die Kneipe Hirsch-Q verantwortlich“, so Wiedemann. Nicht nur, dass der rechte Mörder Sven Kahlin, der am Ostermontag 2005 den Punk Thomas Schulz erstochen hat, aus den Reihen dieser Kameradschaft kam, auch an dem Überfall auf die Demonstration des DGB am 1. Mai 2009[4] und an dem brutalen Angriff auf die Kneipe Hirsch-Q und deren Besucher im Dezember vergangenen Jahres waren Mitglieder der „Skinhead-Front“ beteiligt.[5] Bundesweites Aufsehen erregte ein Mitglied der „Skinhead-Front“ zudem, als dieser im Jahr 2009 einen Gewerkschafter auf einem Rasthof nahe Dresden angriff.[6] Diese befanden sich auf dem Weg zu einer Demonstration zum 13. Februar in Dresden.
„Wichtig erscheint es uns, den Zusammenhang zwischen all diesen Taten herzustellen und sie mit den weiteren Gewalttaten von Mitgliedern dieser Gruppe in einen Kontext zu setzen“, betont Wiedemann.

Der politische Druck muss wachsen
Nicht nur Dortmunder Polizei und Staatsanwaltschaft sind aufgefordert, die Täter endlich strafrechtlich zu belangen, auch andere Organisationen müssen mit in die Verantwortung gezogen werden. Die Mitglieder dieser Kameradschaft siedeln sich bewusst konzentriert in dem Wohngebiet um den Steinauweg in Oberdorstfeld an. Die dortigen Wohnungen gehören zum Großteil der „Dortmunder Gesellschaft für Wohnen mbH“ (DOGEWO), die zwar schon dafür kritisiert wurde, dass sie in der Form Wohnraum für gewalttätige Neonazis anbietet, bisher sich aber noch nichtmal zu einer öffentlichen Stellungnahme bereit sah[7]. Dass der Der „Dortmunder Aktionsplan gegen Rechtsextremismus“ dem städtischen Rat zwar im November endlich zur Beschlussfassung vorgelegt wird, ist erstmal begrüßenswert, doch fraglich bleibt, ob damit tatsächlich Übergriffe, wie die von den Nazi-Skins, verhindert werden können.

[1] http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/Brutaler-Ueberfall-auf-Afrikaner;art2577,1418254
[2] http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/Zwei-Dortmunder-Neonazis-festgenommen;art2577,1426881
[3] Hintergrundinfos: http://antifaunion.blogsport.de/2011/02/11/dortmunder-zustaende-2010/#skinheadfront
[4] http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/Bezirksvertreter-an-Nazi-Randale-beteiligt-id675473.html
[5] http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/Antifa-zeigt-Video-von-Nazi-Ueberfall-und-kritisiert-Ermittler-id4768544.html
[6] https://www.taz.de/Neonazi-Attacke-auf-Raststaette/!30748/
[7] http://www.bnr.de/content/braune-gemeinschaften

Meldung verbreiten:
  • Facebook
  • MySpace
  • Twitter
  • Identi.ca
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • PDF
  • email
  • Google Bookmarks
  • RSS

1 Antwort auf „“Skinhead-Front”-Aktivitäten in Dorstfeld“


  1. 1 Öffentliche Kritik an schleppenden Ermittlungen gegen Dortmunder Neonazis « antifaschistische union dortmund Pingback am 21. Oktober 2011 um 17:51 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.