Aufruf der Dortmunder Straßenprostituierten zu einer Demonstration am 24. März

Am 31. März will der Rat der Stadt Dortmund über den Straßenstrich an der Ravensberger Straße entscheiden: Es steht zu vermuten, dass er verboten wird. Oberbürgermeister Ullrich Sierau erklärte jüngst, dies liege im „Interesse eines friedlichen und geordneten Zusammenlebens in der Nordstadt“ (BILD, 16.03.2010). Auch die Polizei fordert eine sofortige Schließung des Straßenstrichs und griff mit einer Groß-Razzia am Mittwochabend der Entscheidung des Rates vorweg: Rund 100 Beamte kontrollierten über 600 AnwohnerInnen und PassantInnen rund um Nordmarkt und Schleswiger Platz. Auch die etwa 60 Prostituierten an der Ravensberger Straße wurden kontrolliert und kriminalisiert. Dieses schikanöse Vorgehen reiht sich ein, in eine lange Reihe von antiziganistischer Mobilmachung gegen RumänInnen und BulgarInnen und der populistischen Stimmungsmache gegen einen ganzen Stadtteil und dessen BewohnerInnen, an dem sich sowohl LokalpolitikerInnen, Polizei als auch die Presse beteiligen. „So werden einmal mehr nicht die Verhältnisse bekämpft, sondern die Frauen, die unter prekären Verhältnissen ihren Lebensunterhalt verdienen; eine rassistische Atmosphäre wird angeheizt“, so das Transnationale Aktionsbündnis.

Die Kommunikations- und Beratungsstelle für Prostituierte veröffentlichte im Februar eine Stellungnahme zum Erhalt des Straßenstrichs in Dortmund und der Zuwanderung in die Nordstadt und ruft zusammen mit den Straßenprostituierten zu einer Demonstration am kommenden Donnerstag auf. Den Aufruf „Skandal im Sperrbezirk!“ wollen wir an dieser Stelle dokumentieren.

24. März 2011 │ 14:30 Uhr │ Ravensberger Straße │ Dortmund

Videos:
Polizeirazzia in der Dortmunder Nordstadt (17.03.2011)
Sozialer Brennpunkt? Die Dortmunder Nordstadt (14.03.2011)
Aus für Dortmunder Straßenstrich? (15.05.2011)
„Problemviertel“ Dortmunder Nordstadt? (15.02.2011)

Presse-Artikel:
So haben die Passanten auf den Huren-Marsch reagiert (24.03.2011)
60 Prostituierte demonstrieren für ihre Arbeitsplätze (24.03.2011)
Huren skandieren in Dortmund: „Lieber Prostitution als Hartz IV“ (24.03.2011)
Grüne in Dortmund wollen Straßenstrich vorerst so belassen (23.03.2011)
Bei Straßenstrich-Schließung „werden die Frauen Freiwild“ (23.03.2011)
Kritik an Nordstadt-Razzia der Polizei Dortmund (17.03.2011)
SPD Dortmund will Straßenstrich schließen (17.03.2011)
Polizei Dortmund kontrolliert Straßenstrich und Nordstadt (16.03.2011)
Polizei Dortmund fordert sofortige Straßenstrich-Schließung (14.03.2011)

Skandal im Sperrbezirk!

Wir Frauen vom Dortmunder Straßenstrich gehen auf die Straße!
Am 24.März 2011 wird sich eine Gruppe der Straßenprostituierten von der Ravensberger Straße zum ersten mal ganz bewusst in die Öffentlichkeit begeben, um vor das Dortmunder Rathaus zu ziehen und dort gegen die Schließung des Straßenstriches zu demonstrieren. Da wir Prostituierte auch fast 10 Jahre nach Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes noch lange keine gesellschaftliche Akzeptanz erfahren, ist dies ein ganz außergewöhnlicher und mutiger Schritt. Notwendig wird er aufgrund der Tatsache, dass der Rat der Stadt Dortmund am 31.März über die mögliche Schließung des sicheren und sozialverträglichen Straßenstrichs abstimmen will.

Wir gehen einer legalen Tätigkeit nach und sind keine Kriminellen!
Wir haben Angst um unseren Arbeitsplatz. Wir haben Angst, wieder ohne Sicherheitsanlage in abgelegenen Gebieten arbeiten zu müssen und so wieder ungeschützt gewaltbereiten Kunden und Schutzgelderpressern ausgeliefert zu werden.
Wir haben Angst, den regelmäßigen Kontakt zur Beratungsstelle Kober zu verlieren und nicht mehr Hilfe in akuten Notlagen, Beratung zum sicheren Arbeiten, zu Gesundheitsfragen und auch Ausstiegshilfen an unserem Arbeitsplatz in Anspruch nehmen zu können. Wir haben Angst, nicht mehr die Sicherheit der eigenen Gruppe und der Polizei an einem festen Ort zu haben, sondern allein und auf uns gestellt unserer schwierigen und gefährlichen Tätigkeit nachgehen zu müssen.
Diese Ängste sind größer, als die Angst, bei einer öffentlichen Demonstration persönlich als Prostituierte erkannt zu werden.

Die Schließung des Straßenstrichs löst nicht die Probleme der Dortmunder Nordstadt!
Jeder, der sich mit uns solidarisch zeigen möchte, ist herzlich eingeladen, sich als „Stellvertreterin/Stellvertreter“ für diejenigen Frauen, die aus verschiedenen Gründen nicht an dieser Demo teilnehmen wollen/können, bei dieser Demonstration mit zu gehen. Wir Frauen werden Perücken und Sonnenbrillen tragen und alle „Stellvertreterinnen“ können ebenfalls mit Perücke und Sonnenbrille ausgestattet unsere Anonymität in der (hoffentlich) großen Gruppe verbessern.

Treffpunkt ist am 24.03.2011 um 14:30 auf der Ravensberger Straße.

Gegen 15 Uhr wird der Demonstrationszug sich über die Bornstraße, den Ostwall , durch die City zum Dortmunder Rathaus bewegen und dort soll es von etwa 16:30 bis 17:30 eine Kundgebung von uns geben.

„Dany“ für die Frauen vom Dortmunder Straßenstrich
PS: Wer noch zusätzliche Perücken oder Sonnenbrillen hat, bitte mitbringen!

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