Neonazis wollten Haus in Dorstfeld kaufen

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Anfang Juli letzten Jahres weihten die Dortmunder Neonazis ihr „Nationales Zentrum“ an der Rheinischen Straße 135 ein. Doch das reichte ihnen offensichtlich nicht: Sie wollten das ganze Haus kaufen. Nachdem AntifaschistInnen diese Information bekannt machten, hat sich die Stadtverwaltung dazu entschieden, das Haus den Nazis wegzukaufen.

Das Nazi-Zentrum
Bereits mehrere Wochen vor der offiziellen Einweihung bauten die Neonazis die rund 70m² große Gewerbefläche ihren Vorstellungen entsprechend um. Es wurde nach geeigneten Möbeln gesucht und auch einige Computer organisiert. Das sachliche Arrangement sollte multifunktional genutzt werden können. Es sollte sowohl als Veranstaltungsort, als auch als Büro- und Lagerraum genutzt werden können. Zuvor hatten die Nazis ihre wöchentlichen Kameradschaftsabende in verschiedenen Hinterzimmern von Gaststätten und am Hafen veranstaltet, mussten sich aber immer wieder nach antifaschistischen Interventionen neue Räumlichkeiten suchen. Das raubte Ressourcen und zerrte offensichtlich an den Nerven und so konkretisierten sich Anfang letzten Jahres die Pläne, eigene Räumlichkeiten fest anzumieten. In den Räumen des ehemaligen Neonaziladens „Buy or Die“, der von Dezember 2002 bis etwa Mitte 2005 in dem Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses an der Rheinsichen Straße 135 seine Pforten öffnete, fand man schließlich einen geeigneten Platz für die angestrebten Nutzungsmöglichkeiten. Mit einem 5-Jahres-Vertrag mieteten die Nazis die Fläche an, die fortan als „Nationales Zentrum“ genutzt werden sollte. Die üppige Miete für das ehemalige Ladenlokal finanziert man unter anderem mit dem illegalen Verkauf von Getränken, diversen RechtsRock-Konzerten und über Beiträge von diversen SpenderInnenkreisen.

Am Samstag, dem 04.07.2009, war es dann soweit: Die Neonazis weihten ihr „Nationales Zentrum“ in Dorstfeld ein. Bei der Einweihungsfeier wurden zudem der Geburtstag des Dortmunder „Anti-Antifa“-Aktivisten Alexander Deptolla nachgefeiert, sowie das mehrjährige Bestehen des extrem rechten resistore-Versandhandels von Dennis Giemsch. Die Feier lief dann schließlich doch anders, als die Neonazis es anfänglich erwartet hatten. Um etwa 1 Uhr in der Nacht zu Sonntag kam es zu einer Schlägerei mit Jugendlichen auf dem nur unweit entfernten zentralen Platz in Dorstfeld, dem Wilhelmplatz. Die Jugendlichen schlugen mit Absperrpfosten auf die 10-köpfige Gruppe der Neonazis ein und verletzten vier von ihnen dabei so schwer, dass diese es nicht mehr rechtzeitig vorm Eintreffen der Polizei schafften zu fliehen. Die Einsatzkräfte der Polizei nahmen vorerst zwei von den Nazis in Gewahrsam, da diese zur ihrer Unterstützung „KameradInnen“ von der Feier im „Nationalen Zentrum“ zum Wilhelmplatz beorderten. Diese machten sich auch mit 30 Personen auf den Weg, konnten jedoch nach kurzer Zeit von der Polizei wieder gestoppt werden.

Seitdem dient das Zentrum als allwöchentlicher Treffpunkt, sowie auch als Veranstaltungsort für zahlreiche extrem rechte Vorträge u. a. mit dem Holocaust-Leugner Dirk Zimmermann. Bei Aufmärschen dient das Ladenlokal im Vorfeld zur Koordination und zur Planung und nachher als Rückzugsraum. Darüber hinaus nutzen die Neonazis das Zentrum aber auch für andere szenekulturelle Belange, ob kleine Feiern oder für das schlichte Beisammensein, um die Binnensolidarität zu stärken. Es wurde zudem auch schon dafür genutzt, um rechtsorientierten jugendlichen Ausreißern kurzzeitig Unterschlupf zu gewähren. Entgegen dem äußeren Anschein passiert dort also sehr viel. Somit ist das „Nationale Zentrum“ ein integraler Bestandteil der neonazistischen Aktivitäten in Dortmund.

Die Kaufabsichten der Nazis
Dieses Zentrum, als wesentlicher Teil ihrer Infrastruktur, will man sich deshalb nicht so einfach nehmen lassen. So gab es Pläne, das komplette Haus an der Rheinischen Straße, indem sich das Zentrum befindet, zu kaufen. Das Haus bietet sechs Wohneinheiten mit einer Wohnfläche von insgesamt ca. 260m², sowie die bisher für das Zentrum genutzte Gewerbefläche mit rund 70m². Hinzu kommt ein zweistöckiger Anbau mit 90m². Mit einer gesamten Nutzungsfläche von 420m² böte das Haus folglich genügend Raum zur Etablierung eines „nationalen Schulungs- und Kulturzentrums“. Der bisherige Besitzer, die HAK Immobilien mit Sitz in der Dortmunder Nordstadt, beschreiben das als „Wohn- und Geschäftshaus“ deklarierte Objekt wie folgt: „Dreigeschossiges, vollunterkellertes Mehrfamilienhaus mit 1- bis 2-geschossigem Anbau, Dachgeschoss voll ausgebaut, Spitzboden teilweise ausgebaut“.

Der angebotene Verkaufspreis lag laut unseren Informationen weit unter dem eigentlichen Kaufpreis von 295.000€. Die Immobilie wurde daraufhin auch vom szenebekannten und kundigen Immobilienfachmann Christian Worch begutachtet. Er erklärte den angebotenen Verkaufspreis dem Marktwert gegenüber für angemessen. Da die Nazis eine trotz Vergünstigung eine derart hohe Summe nicht sofort auftreiben konnten, entschied man sich im Frühjahr 2010 vorerst dazu, einen den 5-Jahres- Mietvertrag aufzusetzen.

Antifaschistische Interventionen und die Aussichten
Nachdem wir von diesem Vorhaben erfahren haben, streuten wir diese Info über verschiedene Kanäle und machten sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Wir wollten damit die Voraussetzungen schaffen, dass möglichst viele AkteurInnen in ihrem jeweiligen Handlungsfeld aktiv werden können. Dies scheint offensichtlich funktioniert zu haben: Wie jetzt auch öffentlich bekannt wurde, hat sich die Stadt nun dazu entschieden, das Haus zu kaufen. Das Mehrfamilienhaus an der Rheinischen Straße 135 gehört jetzt also der Stadt. Natürlich übernehme man auch die Mietverträge. Man werde alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, „um die rechtsradikalen Aktivitäten so schnell wie möglich wegzubekommen“, hieß es von Seiten der Stadt.

Natürlich sind wir uns als AntifaschistInnen gerade in Dortmund darüber bewusst, dass man sich nicht allein auf die Stadt verlassen kann. Dennoch ist es ein voller Erfolg, dass die Etablierung eines größeren „nationalen Schulungs- und Kulturzentrums“ dank unseres Engagements vorerst verhindert werden konnte. Der Mietvertrag vom kleineren „Nationalen Zentrum“ läuft zwar noch, aber auch hier gibt es immer wieder direkte Aktionen und antifaschistischen Protest.

Presse:
Große Erleichterung über Kaufaktion der Stadt (WE)
Stadt schnappt Rechten Szenetreff weg (WE)

Das Haus an der Rheinischen Straße 135:

Antifaschistischer Hausbesuch schlägt Nazis in die Flucht:
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