Klaus Schäfer: Seine Kontakte zu Neonazis

Es ist ein kleiner lokalpolitischer Skandal. Klaus Schäfer (54), ein hoher städtischer Beamter, nahm im Vorfeld des 1. Mai an einem Naziaufmarsch in Dortmund teil. Dabei begrüßte er einige Neonazis mit Handschlag und applaudierte bei den Redebeiträgen der Rechten. Das Motto der Neonazis hätte ihm zugesagt und er wolle „sich mal die Argumente anhören“, so Schäfer in einem Interview. Dass seine Teilnahme an dem Aufmarsch der Rechten kein Zufall war und er enger mit der hiesigen Neonaziszene verflochten ist, als bisher bekannt, das wird dieser Artikel im Folgenden zeigen.

Aktiver Part in der Neonaziszene
Kurz nach Bekanntwerden seiner Teilnahme wurde Klaus Schäfer (SPD), Ex-Chef der Feuerwehr Dortmund und Leiter des Instituts für Rettungstechnologie, vom Dienst suspendiert. Das für gestern geplante Personalgespräch mit der Stadt wurde abgesagt, da Schäfer sich kurzfristig krank gemeldet hatte. Mittlerweile habe er sogar „Kontakte zur rechten Szene“ eingeräumt, so die Lokalpresse. Worin diese genau bestehen, wurde allerdings bisher nicht näher erläutert.


Klaus Schäfer beim Aufmarsch der Neonazis zum Antikriegstag im Jahr 2009. Zum Vergrößern anklicken!

Festzustellen ist, dass Schäfer sich nicht das erste Mal an einer neonazistischen Veranstaltung beteiligt hat. Bereits beim „nationalen Antikriegstag“ am 5. September 2009 war er präsent- mitten unter den Neonazis. Damals versammelten sich rund 650 Neonazis zu einer stationären Kundgebung am Park-and-Ride-Parkplatz am Dortmunder Hafen. Darunter, neben dem 54Jährigen, auch Christian Worch, einer der führenden Köpfe und Multifunktionär der militanten Neonaziszene in Deutschland sowie zahlreiche gewaltbereite „Autonome Nationalisten“. Auf einem Foto sieht man ihn, wie er ein Transparent der neonazistischen Kameradschaft „Freie Kräfte Hannover Umland“ hält.

Doch nicht nur bei öffentlichen Zusammenkünften von Neonazis tritt der ehemalige Feuerwehrchef auf. Regelmäßig nimmt er auch an den allwöchentlichen Kameradschaftsreffen der Dortmunder Neonazis im „Nationalen Zentrum“ an der Rheinischen Straße 135 teil. Das Nazi-Zentrum dient den hiesigen Rechten dabei nicht nur als allwöchentlicher Treffpunkt, sondern auch als Veranstaltungsort für zahlreiche extrem rechte Vorträge u. a. mit dem Holocaust-Leugner Dirk Zimmermann.

Nach Informationen, die unserer Gruppe vorliegen, reicht sein Aktionsfeld aber noch weiter. So soll er aktiv an der Gestaltung des Onlineauftritts der lokalen Neonazigruppierung „Nationaler Widerstand Dortmund“ mitwirken. Schäfer soll sich dabei für die „Nationalen Karikaturen“[1], die seit Ende 2009 auf der Neonazi-Seite erscheinen, verantwortlich zeichnen. In diesen wird u. a. gegen die Entschädigung der NS-ZwangsarbeiterInnen, den „K(r)ampf gegen Rechts“ und den “Dortmunder-Demokröten-Sumpf” gehetzt.

Rechter Kommentator
Im Dezember 2009 wurde „Ma-Flirt“, eine Flirtbörse der rechten Szene, gehackt und die Daten der NutzerInnen öffentlich gemacht. Die User-ID des Profils 2128 fällt dabei besonders ins Auge: „Dr_nat_Fake;Dortmund;44227;k.schaefer_p@web.de“. „Dr. nat. Fake“ (neuerdings auch „Dr. Thor“) ist ein bekanntes Pseudonym einer Person, unter dem regelmäßig in den Kommentarspalten der Online-Ausgabe der WAZ rechte Statements verfasst werden und sogar „Gastbeiträge“ und Kommentare auf Nazi-Seiten veröffentlicht werden.[2] Bei dem Nazi-Flirt-Portal gab der aus 44227 Dortmund kommende User mit der E-Mail-Adresse „k.schaefer_p@web.de“ als Geburtsdatum den 26.06.1955 an. Genau an diesem Tag ist auch der 54jährige Ex-Feuerwehrchef Klaus Schäfer geboren.

Damit verdichten sich die Hinweise, dass es sich bei Klaus Schäfer und dem extrem rechten Kommentator der WAZ und diverser Internetseiten von Neonazis um dieselbe Person handelt. In seinem Gastbeitrag zum Naziaufmarsch Anfang September letzten Jahres heißt es abschließend: „Es war sogar daraufhin möglich unter den Anwesenden politische Gespräche mit Hinweis auf neue nationalsozialistische Ideen zu führen. […] Insgesamt – ein erfolgreicher Tag für die nationale Bewegung. Frei, sozial und national – es geht voran.“[3]


Klaus Schäfer am 30.04.2010 auf der Kundgebung der Rechten.

Kein Ausrutscher
Schäfers Teilnahme an dem Naziaufmarsch am 30.04. war also keinem losen Interesse an „neuen Argumenten“ geschuldet, sondern resultierte aus einer ideologisch gefestigten extrem rechten Einstellung heraus. Der langjährige SPDler ist aktiv in die neonazistischen Strukturen der gewaltbereiten „Autonomen Nationalisten“ aus Dortmund integriert. Er nimmt an deren Treffen teil und macht auch sonst keinen Hehl aus seiner neonazistischen Gesinnung. Damit dürfte zum einen bewiesen sein, wie salonfähig rechtsradikale Positionen auch bei der so genannten „demokratischen Mitte“ sind und zum anderen, wie leichtfertig und unvorsichtig die Stadt Dortmund immer noch mit dem Naziproblem in Dortmund umgeht. Dass es niemandem auffällt, wenn ein städtischer Beamter seit Monaten mit Neonazis zusammenarbeitet und dieser dabei daraus offensichtlich auch kein allzu großes Geheimnis macht, zeugt von einem eher fragwürdigen Problembewusstsein.

Presse zu dem Vorfall:
Biedermann und die Brandstifter (WAZ)
Neonazi-Fall Schäfer gibt weiter Rätsel auf (WE)
Ex-Feuerwehrchef gibt Kontakte zur Nazi-Szene zu (WR)
Ex-Feuerwehrchef räumt rechte Kontakte ein (RN)
Feuerwehr-Kameraden distanzieren sich von Ex-Chef Schäfer (RN)
Dortmunds Ex-Feuerwehrchef applaudiert Nazis (WE)
Leitender Feuerwehrmann Schäfer unter Neonazis (RN)

[1] hxxp://logr.org/dortmund/medien/karrikaturen/ bzw. http://antifaunion.blogsport.de/images/20100504KSKarikatur.jpg
[2] http://antifaunion.blogsport.de/images/20100504KSKommentar.jpg
[3] hxxp://logr.org/antikriegstag/2009/09/09/gastbeitrag-dr_nat_fake-bericht-zum-antikriegstag/ bzw. http://antifaunion.blogsport.de/images/20100504KSGastbeitrag.jpg

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