1. Mai 2009: Anklage gegen Rädelsführer

Fast ein Jahr nach dem Überfall von mehr als 400 Neonazis auf die Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, hat die Dortmunder Staatsanwaltschaft im Januar auf Grund der Auswertung von Videomaterial Anklage gegen zwei führende Köpfe der Dortmunder Neonaziszene erhoben. Dem 24jährigen Dennis Giemsch und dem 26jährigen Alexander Deptolla wird deshalb jetzt Landfriedensbruch vorgeworfen. Wann es zu einem Prozess vor dem Schöffengericht Dortmund kommt, ist derzeit noch unklar.

„Dem 26-Jährigen wird vorgeworfen, die unangemeldete Versammlung der Rechtsextremisten am Dortmunder Hauptbahnhof organisiert und die Gruppe zum Aufbruch angetrieben zu haben. Durch Handzeichen soll er die Teilnehmer dann zu Gewalttätigkeiten animiert haben. Dem 24-Jährigen wird zur Last gelegt, die Gruppe durch Zeichen und Pfiffe zusammengehalten und Nachzügler eingewiesen zu haben. Zudem trug er eine Fahne, um die sich die Gruppe versammelte“, heißt es in einer aktuellen Meldung der Nachrichtenagentur ddp.

Ihnen werden zwar keine konkreten Gewalttaten zur Last gelegt, vor allem aber Deptolla werde als Schlüsselfigur des Angriffs gesehen. In der Verbotsverfügung des Polizeipräsidenten für den Naziaufmarsch am 05. September heißt es zu den Anfängen der Krawalle:

01. Mai 2009 in Dortmund:

An diesem Tag traf sich der Veranstalter Ihrer Versammlung, Herr Giemsch, in Dortmund am Hauptbahnhof mit anderen Autonomen Nationalisten, um nach seinen Angaben zu einer Versammlung nach Siegen zu fahren. Der Zug nach Siegen sollte um 10:45 Uhr abfahren. Dies gab Herr Giemsch persönlich gegenüber den eingesetzten Polizeibeamten an.

Über Lautsprecherdurchsagen hatte die Polizei mehrfach aufgefordert, sich zum Bahnsteig zu begeben, weil dort der Zug eingefahren sei und abfahren sollte. Diese Lautsprecherdurchsagen wurden von den Teilnehmern ignoriert.

Als gegen 10:45 Uhr zwei Reisebusse mit weiteren Personen der rechten Szene eintrafen, lief die Gruppe unter der Führung von Herrn Giemsch und Herrn Deptolla […] auf die Fahrbahn des Königswalls. Dort kam es zum Zusammenschluss mit den Busanreisenden.

Herr Giemsch und Herr Deptolla übernahmen die Spitze dieser Gruppe und führten sie mittels Handzeichen über den Königswall Richtung Freistuhl. Alle auf dem Vorplatz des Hautbahnhofes stehenden Personen der rechten Szene schlossen sich unverzüglich an. Die gesamte Gruppe, ca. 400 Personen, muss aufgrund ihres Erscheinungsbildes und Auftretens den Autonomen Nationalisten zugeordnet werden. Alle waren schwarz gekleidet und skandierten Parolen, wie „Hier ist der Nationale Widerstand“, später auch „ Hier regiert der Nationale Widerstand“.

Über neue Entwicklungen werden wir euch auf dem Laufenden halten.

Sie auch:
Zwei Dortmunder Neonazis wegen Mai-Krawallen angeklagt (WR)
Anklage gegen zwei Dortmunder (RN)

Ältere Artikel zum Nazi-Angriff auf den DGB am 1. Mai 2009 gibt es hier:
Erste Zwischenbilanz zum 1. Mai
Der 1. Mai in Dortmund und seine Folgen

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