Erneutes Nazi-Konzert mitten in Dortmund

Presseerklärung der Antifaschistischen Union Dortmund
vom 10.01.2010

Am Abend des 9. Januars fand in Dortmund-Dorstfeld ein Konzert mit vier bekannten Neonazi-Bands statt. Etwa 200 Rechte feierten ungestört im Vereinsheim der Kleingartenanlage „Im Wiesengrund“ in der westlichen Innenstadt – und das offenbar nicht zum ersten Mal.

„Bis in die frühen Morgenstunden wurde im Kameradenkreis gefeiert, alte Kontakte gepflegt und neue geknüpft. Erneut wurde unter Beweis gestellt, dass sich politischer Aktivismus und nationale Konzerte nicht ausschließen, sondern in Einklang gebracht werden können!“, so berichten Dortmunder Neonazis auf ihrer Internetseite.

„Hängt dem Adolf Hitler den Nobelpreis um“
Als „Headliner“ spielte mit „Radikahl“ eine der ältesten und bekanntesten RechtsRock-Bands Deutschlands, berüchtigt für ihr regelmäßig live vom Publikum eingefordertes „Hakenkreuz“-Lied mit der Text-Zeile „Hängt dem Adolf Hitler den Nobelpreis um“. Daneben traten die aus der Region kommenden „Angry Bootboys“ und die aus dem Hunsrück kommende Formation „Breakdown“, sowie „Twelve Golden Years“ auf.

KGV „Im Wiesengrund“
Während die Neonazis behaupten im „abgelegenen Stadtteil Dortmund-Sölderholz“ gefeiert zu haben, organisierten sie das Konzert tatsächlich vor ihrer Haustür: wenige Minuten vom S-Bahnhof Dortmund-Dorstfeld entfernt, in einer Kleingartenanlage. Offenbar hoffen sie, das Vereinsheim „Im Wiesengrund“ auch in Zukunft nutzen zu können. Nach Auskunft des Kleingartenvereins haben die gleichen Veranstalter in der Vergangenheit bereits mehrfach die Räumlichkeiten des Vereinsheims gemietet, auch schon im vergangenen Jahr. „Das sind junge Leute, sehr freundlich, die waren mit Freunden da.“

Am Abend hörte es nach Angaben von Anwohnern anders an: „Die waren so laut, dass man bis auf die Straße hören konnte, wie alle im Chor „Sieg Heil!“ geschrien haben“, so ein Anwohner. „Wir haben zwar die Polizei gerufen, aber die haben sich nicht dafür interessiert: ‚Die feiern doch nur’, wurde uns gesagt.“

Aktiv gegen Neonazis?
Während eine Studie dem lokalen Engagement gegen Rechts ein gutes Zeugnis ausstellt, sehen die zivilgesellschaftlichen Akteure vor Ort offenbar keinen Grund, den Aktivitäten der Neonazis etwas entgegenzusetzen. Die bereits am Abend des Konzerts informierte Polizei sah offenbar mal wieder keinen Grund zum Einschreiten. Angesichts eines Polizeipräsidenten, der öffentlich erklärt: „Dortmund hat kein Problem mit Nazis.“, erscheint dies kaum verwunderlich. Der Staatsschutz der Polizei Dortmund erklärte zuletzt nach einem von Dortmunder Neonazis am 15. Dezember organisierten Konzert auf Nachfrage, keine Erkenntnisse vorliegen zu haben.

Der Kleingartenverein wiederum beteuert, man sei auf die Vermietung des Vereinsheims dringend angewiesen, daher sehe man keinen Grund, den Raum nicht zur Verfügung zu stellen. Von einem Konzert will man nichts wissen: junge Leute seien das gewesen, die eine Musikanlage ausprobieren wollten, Heavy Metal und Hard-Rock würden die spielen. Dass das Neonazis seien, kann und will man dort nicht glauben. Eine „Hochburg des Widerstands gegen Rechts.“ (Sonderbeauftragter der Stadt für „Vielfalt, Toleranz und Demokratie“) sieht jedenfalls anders aus.

Finanzierung von Aufmärschen
Neben der Tatsache, dass derartige, konspirativ organisierte Konzerte als zentraler Teil einer „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ eine große Bedeutung bei der Rekrutierung Jugendlicher wie auch der Verfestigung der Neonaziszene hat, sind sie vor allem eine willkommene Einkommensquelle. Bereits im Vorfeld der letzten Aufmärsche zum Antikriegstag im September hatten Dortmunder Neonazis mit verschiedenen „Solidaritätskonzerten“ Geld zur Finanzierung ihrer öffentlichen Aktionen eingenommen.

„Wenn man den Nazis nachhaltig das Leben schwer machen will, dann muss man daher genau hier ansetzen und nicht erst, wenn Gewalttaten wie zuletzt gegen eine Familie in Dorstfeld verübt werden“, so Kerstin Wiedemann, Pressesprecherin der Antifaschistischen Union Dortmund.

„Jetzt gilt es Druck auf den Vermieter auszuüben, die Räume in Zukunft nicht den Nazis zu überlassen.“, so Wiedemann. Und weiter: „In der Regel werden solche Konzerte – wie auch in diesem Fall – als Geburtstagsparty angemeldet, hier sind Stadt und Polizei gefragt. Die Stadt sollte sich überlegen, eine Handreichung für die Vermieter solcher Lokalitäten zu erstellen und allen Gastwirten, Kleingartenvereinen und Ähnlichen eine solche zukommen zu lassen. Mit Hinweisen und Kontaktmöglichkeiten, an die sich Vermieter wenden können, die Anfragen für größere Feiern junger Menschen haben.“

Antifaschistische Union Dortmund,
Januar 2010

Pressespiegel:
200 Neonazis feierten in Kleingartenanlage (Waltroper Zeitung)
200 Neonazis feiern in Dortmunder Kleingartenanlage (Westline)
Dortmund: Neonazi-Konzert wurde veranstaltet (ShortNews)
„Geburtstagsfeier“ mit 200 Teilnehmern und Rechtsrock-Bands in Dortmund (Endstation Rechts)
200 Neonazis feierten in Kleingartenanlage (Ruhr Nachrichten)
Neonazis feierten in Dortmunder Kleingartenanlage (WR)
Neonazikonzert im Vereinsheim (Radio 91.2)

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