Mehr als 2.300 Antifas bei den Action Days

In Dortmund wollten Neonazis bereits zum fünften Mal zum „nationalen Antikriegstag“ aufmarschieren. Dagegen hatten AntifaschistInnen seit Anfang des Jahres zu einer Gegendemonstration mobilisiert, zu der rund 2.300 Antifas kamen. Daneben gab es noch Veranstaltungen von bis zu 3.000 partei- und gewerkschaftsnahen Kräften und ein „Friedensfest“ mit ca. 5.000 BürgerInnen. 4.000 PolizistInnen waren im Einsatz. Die von der Polizei letztlich nur als stationäre Kundgebung genehmigte Versammlung der Neonazis konnte allerdings nicht verhindert werden.

Im Vorfeld
Das von verschiedenen Gruppen getragene s5-Bündnis hatte sich Im Januar offiziell konstituiert, um die Gegenaktivitäten zum Neonaziaufmarsch im September zu organisieren. Es wurden mehrere tausend Plakate, Aufkleber und Flyer gedruckt und bundesweit verschickt. Zudem wurden mehr als 20 Mobilisierungsveranstaltungen in ganz Deutschland, aber auch in den Niederlanden, gehalten. Mehr als 80 Gruppen und Initiativen unterstützten schließlich den Aufruf des s5-Bündnis.

Die Dortmunder Neonazis planten ihr Event noch größer aufzuziehen und ihre TeilnehmerInnenzahl vom letzten Jahr zu überbieten. Doch daraus wurde nichts. Obwohl die Rednerliste wieder enorm und unerträglich lang war, sie zwei Wochen vor dem 05. September mit täglichen Flugblattaktionen, Kundgebungen und Demonstrationen versuchten Präsenz zu zeigen und mit twitter, ticker und co. neue Informationsmöglichkeiten beschritten, brach die Anzahl der angereisten Neonazis – je nach Bericht – auf 550 bis 700 Neonazis ein.

Neonazis zeigten gerade im Vorfeld ihres Aufmarsches im Stadtgebiet Präsenz

Am Vorabend

Die antinationale WarmUp-Demo

Am 4. September versammelten sich an die 800 AntifaschistInnen, Linksradikale und AnarchosyndikalistInnen zur antinationalen und libertären Vorabenddemo: „Nationalismus überwinden! Grenzen einreißen! Gegen Herrschaft, Volk und Vaterland!“. Zur Demonstration aufgerufen hatte ein breites Bündnis, bestehend aus der anarchistisch-syndikalistischen Jugend NRW (ASJ NRW), den …umsGanze-Gruppen aus NRW und dem Antifaschistischen Impuls Dortmund.

Der Demonstrationszug zog nach mehreren Polizeischikanen lautstark und kämpferisch durch die Dortmunder Innenstadt und fand seinen Abschluss am ursprünglichen Ausgangsort, oberhalb der Katharinentreppen am Dortmunder Hauptbahnhof, mit einem LKW-Konzert mit Susanne Blech und Telemarker.

Und auch in der Nacht blieb es nicht ruhig. So gab es immer wieder Angriffe auf Neonazis und deren Autos; schon in der Nacht auf Freitag brannte beispielsweise der von dem Dortmunder Führungskader Dietrich Surmann und seiner Freundin genutzte BMW völlig aus.

Surmanns ausgebrannter BMW in Dorstfeld

Antifa Action Day

Deichkind bei der Auuftaktkundgebung

Am Gerichtsplatz, direkt bei der Staatsanwaltschaft Dortmund, spielten Deichkind vor einer tosenden Menge von mehr als 2.000 Antifas, die dem Aufruf des s5-Bündnis gefolgt waren, heizten mit ihren selbst gecoverten Texten von „Adolf nervt“ bis „Schmeiß die Nazis aus dem Fenster“ der Menge ein und brachten sie in die richtige Stimmung. Der sich im Anschluss formierende Demonstrationszug wuchs noch einmal auf mehr als 2.300 Personen an, zog lautstark und geschlossen durch das Gerichtsviertel und wurde dann aber schon nach einer kürzeren Wegstrecke aufgelöst. Daraufhin kam es zu mehreren kleineren Auseinandersetzungen zwischen DemonstrationsteilnehmerInnen und der Polizei, die versuchte zu verhindern, dass Antifas in die Innenstadt gelangten. Dies jedoch nur mit geringem Erfolg.

Der volle Gerichtsplatz

Am Hauptbahnhof versammelten sich hingegen die TeilnehmerInnen der vorwiegend von partei- und gewerkschaftsnahen Kräften organisierten Demonstration. Nachdem auch diese Veranstaltung frühzeitig beendet wurde, versuchten mehrere DemonstrantInnen in den Hauptbahnhof zu stürmen und verteilten sich anschließend in der Innenstadt.

Die Demo von Dortmund stellt sich quer!

Sowohl in der City als auch in der Nordstadt kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Antifas, Polizei und kleineren Nazigrüppchen. So wurden unter anderem Polizeiabsperrungen in der Nordstadt angegriffen, der Nordausgang des Hbf massiv attackiert, als man versuchte zu den rückreisenden Neonazis vorzudringen und auch das Arbeitsamt in dirketer Nähe zum Bahnhof wurde teilweise entglast.

Die Nazis reisten ab 11 Uhr am Hauptbahnhof an und wurden direkt in die U-Bahn verfrachtet, die sie zu ihrem Kundgebungsort, einem Parkplatz am Stadtrand, fuhr. Fernab jedweder Außenwirkung beendete Christian Worch bereits gegen 16.00 Uhr die Kundgebung, die ursprünglich bis 21.00 Uhr angemeldet war. TeilnehmerInnenzahl und Stimmung bei den Nazis war wohl eher frustrierend, bisher gab es von ihrer Seite auch noch keine ausführliche Stellungnahme zur gestrigen Versammlung, sicherlich nicht ohne Grund.

Die Nazikundgebung am Park and Ride-Parkplatz

Vorläufiges Fazit
Im Folgenden ein Versuch eines ersten Fazits. Eine ausführliche Nachbetrachtung wird es sowohl von uns, als auch von dem s5-Bündnis, in den nächsten Tagen bzw. Wochen geben.

Die hohe Anzahl von 286 Linken, die die Polizei stellen konnte und der abgelegene Startpunkt der s5-Demo sind erst einmal negativ zu bewerten. Auch, dass die Neonazis trotz ihrer Abgeschiedenheit ihre Versammlung weitgehend ungestört abhalten konnten ist bedauerlich, angesichts der mehr als 4.000 eingesetzten Beamten, unzähligen ReiterInnen- und Hundestaffeln, sowie mehreren Wasserwerfern und einer weiträumigen Absperrung des Parkplatzes allerdings nicht weiter verwunderlich.

Für die Nazis war das Wochenende auf jeden Fall ein klarer Reinfall. Dazu haben sicherlich mehrere Faktoren beigetragen. Nicht nur, dass sie einsam und verloren auf einem Parkplatz verweilen mussten, sondern auch die Tatsache, dass schließlich nur noch um die 600 Neonazis nach Dortmund anreisten ist erst einmal erfreulich. Dass sie sich auch nicht in die Innenstadt trauten und auch nicht einmal in ihrer vermeintlichen „Homezone Dorstfeld“ sicher wahren, trägt maßgeblich zu der Einschätzung eines Erfolgs für die radikale Linke bei.

Das vom s5-Bündnis organisierte Convergence Center diente das Wochende über als Schutz-, Ruhe- und Informationsraum und war neben WAP-Ticker, Infotelefon und Pennplatzbörse ein wichtiger Bestandteil der Infrastruktur, die ein Agieren auch über die Demo hinaus erst ermöglichte.

Die Betreuung im Falle von Verfahren wird die Ortsgruppe Bochum/Dortmund der Roten Hilfe übernehmen. Wer Post von den Ermittlungsbehörden erhält, wendet sich bitte verschlüsselt per Mail oder persönlich an die Ortsgruppe.

Antifaschistische Union Dortmund,
September 2009

Live-Ticker der Presse:
Nazis demonstrieren in Dortmund (Ruhrbarone)
Dortmund im Ausnahmezustand (Ruhr Nachrichten)

Weitere Pressespiegel, Fotos und Videos folgen

Am Gerichtsplatz:








Start der Demo:





Gerichtsstrasse:

Hamburgerstrasse:


Nach der Demo:




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