Vortrag: Neonaziszene in Tschechien

Heute Abend referierten Mitglieder der tschechischen Nichtergierungsorganisation Tolerance a občanská společnost (Toleranz und Zivilgesellschaft) in Dortmund über Neonazismus und Rassismus in der Tschechischen Republik.
Die von der Antifa Union Dortmund und dem Antifaschistischen Bündnis 28.03. in Kooperation mit dem Antirassistischen Bildungsforum Rheinland organisierte Veranstaltung war erfolgreich und gut besucht. Direkte Störaktionen der Dortmunder Neonaziszene bleiben wie erwartet aus.

Innerhalb der Tschechischen Republik, ebenso wie Ungarn seit dem Jahr 2004 Mitglied der Europäischen Union, vollzieht sich in den letzten Jahren eine besorgniserregende Entwicklung. Radikale nationalistische Strömungen, die stark antisemitisch und rassistisch geprägt sind erhalten enormen Zulauf. Auch in diesem Punkt unterscheidet sich die Tschechische Republik nicht von anderen osteuropäischen Ländern. Laut den ReferentInnen ist dabei eine deutliche Zunahme von Gewaltakten zu beobachten. Rassistisch motivierte Anfeindungen und Übergriffe gegen Roma seien demnach in Tschechien vielerorts an der Tagesordnung. So wurden in Tschechien seit dem Jahr 1989 etwa 30 rassistisch motivierte Morde verübt. Im europäischen Vergleich, gemessen an der Einwohnerzahl, steht Tschechien damit an zweiter Stelle hinter der Bundesrepublik Deutschland. Die Steigerung dieser Aktivitäten geht einher mit einer zunehmenden Radikalisierung und Verankerung antiziganistischer Einstellungen und Stereotype in der tschechischen Mehrheitsgesellschaft. Die NGO schätzt dabei die Personenanzahl der extremen Rechten in Tschechien auf mehr als 2.500 Aktive.

Ebenso beobachtet man bei Tolerance a občanská společnost eine sich deutlich radikalisierende und stetig gewaltbereiter und größer werdende Szene von sogenannten „autonomen“ Neonazis. Diese Gruppierungen orientieren sich inhaltlich wie im äußerlichen Erscheinungsbild am Vorbild der so genannten „Autonomen Nationalisten“ in der Bundesrepublik Deutschland. In der radikalen Anwendung sowie Propagierung von Gewalt gegen Linke, Minderheiten und JournalistInnen sind sie den deutschen Vorbildern dagegen weit voraus. Die Ursache für die zunehmende Pogromstimmung gegen Sinti und Roma sehen die ReferntInnen zum Einen in der Nichtbereitschaft der tschechischen Gesellschaft zur Integration der Sinti und Roma und zum Anderen in dem Nichtanerkennen der rassistischen Hintergründe der Angriffe auf Sinti und Roma. Dieser Konsens ziehe sich quer durch die tschechische Gesellschaft.

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