Räumung des Neonaziladens „Donnerschlag“

Der extrem rechte Dortmunder Szeneladen Donnerschlag in der Rheinischen Strasse 143 diente den lokalen Neonazis aus dem RechtsRock-Spektrum jahrelang als Dreh- und Angelpunkt ihrer Aktivitäten. Der seit Juni 2007 wieder geöffnete Neonaziladen hatte Dank einer Verfügung der Stadt zwar offiziell keine Genehmigung zum Verkauf von Waren, trotzdem trafen sich Teile der rechten Szene regelmäßig in den Räumlichkeiten. Nun wurde der Laden endgültig leer geräumt.

Seit mehreren Wochen schon kann man nun den Auszug aus den gekündigten Räumlichkeiten beobachten. Eine Umzugsfirma wurde von dem holländischen Vermieter mit der Räumung und Entsorgung der Hinterlassenschaften beauftragt. Der holländische Eigentümer bekundet, dass man „gegen Neonazismus“ sei und keine MieterInnen von Wohnungen und Läden unterstützen möchte, die neonazistisch aktiv seien. Unter dem Vorwand eine „Fanshop für Borussia Dortmund“ eröffnen zu wollen, hatte Andreas Obach in dem Gebäude der Rheinischen Strasse 143 eine Wohnung und einen Gewerberaum angemietet. Bereits im Mai 2008 hatte der Vermieter ihm gekündigt, doch Obach wollte den Laden nicht räumen. „Das Problem war, dass Herr Obach und sein Neffe nicht aus dem Haus gehen wollten und Junkies in dem Haus waren. Aber wir freuen uns, dass die Neonazis aus dem Gebäude sind.“, so der Vermieter. Schließlich wurde ein Immobilienservice mit der Räumung beauftragt. Dieser stellt klar: „Wir helfen keinen Neonazis beim Umzug und haben keinen Auftrag aus diesem Umfeld.“

Bereits zweimal musste der extrem rechte Laden nach antifaschistischen Interventionen und ziviligesellschaftlichem und städtischen Druck schließen. Die Betreiber fanden allerdings immer wieder neue Lokalitäten, jeweils in direkter Nähe zu den alten Räumlichkeiten. Im Januar 2007 verfügte das Gericht auf Grund der ständig verspäteten Mietzahlungen die Schließung des Donnerschlags in der Rheinischen Strasse 139. Bereits im Februar 2007 schloss Obach einen neuen Mietvertrag für ein weiteres Gebäude ab, welches nur ein paar Häuser vom alten Standort entfernt liegt. Der Vermieter des neu angemieteten Gebäudes lebt in Holland, dessen Verwalter residiert an der Ostsee. Beide waren über die neonazistischen Aktivitäten ihrer neuen Mieter nicht informiert und bekamen auch von den Bemühungen der Bezirksvertretung, die HausbesitzerInnen an der Rheinischen Strasse über die potenziellen Mieter aufzuklären, nichts mit.
Der neu aufgesetzte Vertrag beinhaltete Regelungen zur Neueröffnung des Donnerschlags und eines Piercing-Studios. Doch als der Laden am 1. Juli öffnete, gab es keine Geschäftserlaubnis, da die Stadt die Regelungen zum Gewerbetreiben in einem Eilverfahren zum Nachteil der Donnerschlag-Betreiber änderte. So gab es in der Hausnummer 143 zwei neue Läden, in denen die Neonazis ihren extrem rechten Kunden nichts verkaufen und ihnen auch keine Tattoos und Piercings verpassen durften.

Ob es schon Pläne für eine neue Anmietung gibt, ist nicht bekannt, darf aber zumindest in der Gegend an der Rheinischen Strasse stark bezweifelt werden. Andreas P., Pressesprecher der Antifa Union Dortmund, resümiert: „Mit der Räumung ging Teilen der neonazistischen Szene in Dortmund zwar ein wichtiger Bestandteil ihrer Infrastruktur verloren, doch die hiesigen Neonazis sind längst nicht mehr auf einen stationären Anlaufpunkt wie den Donnerschlag angewiesen.“.

Antifaschistische Union Dortmund,
Januar 2009

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