Kein Vergeben – Kein Vergessen!

Aufruf zur antifaschistischen Demo am 31.03.07 in Dortmund.

Vor nunmehr zwei Jahren wurde der antifaschistische Punk Thomas „ Schmuddel“ Schulz mitten in der Dortmunder Innenstadt von einem Jugendlichen Neonazi ermordet. Auch in diesem Jahr wird es wieder eine Demonstration in Gedenken an Schmuddel geben. Auch in diesem Jahr werden wir wieder lautstark und eindringlich darauf hinweisen, das es in Dortmund ein massives Problem mit Neonazis gibt und auch in diesem Jahr werden wir die gesellschaftlichen Verhältnisse angehen, die den florierenden Nazisumpf – nicht nur in Dortmund – hervorbringen.

Kein Vergeben, kein Vergessen!
Zum zweiten Mal jährt sich der Todestag von Schmuddel, der am Ostermontag 2005 von dem damals 17-jährigen Neonazi Sven Kahlin mit mehreren Messerstichen ermordet wurde. Wir haben und werden ihn nicht vergessen und das Neonaziproblem in Dortmund ist keinesfalls verschwunden.
Als vor zwei Jahren, am 28.03.2005, Thomas Schmuddel Schulz von dem damals 17-jährigen Neonazi Sven Kahlin in der U-Bahnhaltestelle Kampstrasse brutal erstochen wurde hatte die Gewalt der Neonazis in Dortmund ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht und das Entsetzen war, nicht nur unter Schmuddels FreundInnen und seiner Familie, groß. In aller Deutlichkeit wurde jedem vor Augen geführt wohin es führen kann, wenn Neonazis sich allzu frei bewegen können und von ihrer Parole „Dortmund ist unsere Stadt“ überzeugt sind. Am darauf folgenden Samstag demonstrierten über 4000 Menschen in Dortmund in Gedenken an Schmuddel und gegen die Neonazis.

Jenseits von gut und böse
Doch obwohl Sven Kahlin bereits vor der Tat Kontakte zu organisierten Neonazis in Dortmund pflegte (er war Mitglied in der „Skin Front Dorstfeld“, die zur Kameradschaft Dortmund gehört) und die Solidaritätsbekundungen jener nur kurze Zeit nach der Tat folgten, versuchte die Presse, den offiziellen Verlautbarungen der Polizei folgend, das Problem weitestgehend auf rivalisierende Jugendbanden herunterzuspielen. Insbesondere das Landgericht Dortmund sprach durch die Verurteilung Kahlins wegen Totschlags der Tat jeden politischen Hintergrund ab und sah in ihr mehr oder weniger die Affekthandlung eines verzogenen Jugendlichen. Obwohl es deutlich war, von wem die Gewalt ausging, sahen sich gerade die aktiven AntifaschistInnen in Dortmund mit dem Vorwurf konfrontiert, eine Gewaltspirale zwischen linken und rechten „Extremisten“ stelle das eigentliche Problem dar. Ganz in diesem Sinne untertitelte die WAZ die Bilder eines Neonaziaufmarschs am 28.01.2006 und die Bilder der Antifademo mit „Böse Demo I“ bzw. „Böse Demo II“.

Kein Problem? Von Wegen!
Die Neonazis selbst straften nur kurze Zeit später erneut all diejenigen Lügen, die kein Neonaziproblem in Dortmund erkennen wollten. Mit 5 Aufmärschen seit der Tat haben die Neonazis gezeigt, dass sie sich nach dem Mord keineswegs zurückhalten wollen. Besonders deutlich wurde dies durch ihre unverhohlene Drohung „Wer der Bewegung im Weg steht muss mit den Konsequenzen leben“, die auf Plakaten des „Freien Widerstandes“ in Dortmund zu lesen war. Der Angriff mehrerer, teils vermummter, Neonazis auf jugendliche AntifaschistInnen während des Aufmarschs am 28.01.2006 und der überfall von ca. 20 Neonazis auf die alternative Kneipe „Hirsch-Q“ sind nur die krassesten Beispiele einer Reihe von neonazistischen übergriffen.

Antifaschistisch aktiv werden – jeden Tag
Jenen, von Dennis Giemsch angemeldeten, Aufmarsch am 28.01.2006 mussten die Neonazis jedoch frühzeitig abbrechen da ihre Route von mehreren hundert AntifaschistInnen blockiert wurde. Bereits am 03.09.2005 konnte ihr Aufmarsch nicht wie geplant durchgeführt werden, da der starke Protest der AnwohnerInnen des Kreuzviertels die Polizei dazu zwang, die Neonazis umzuleiten. Es kann also keinesfalls davon die Rede sein, dass Dortmund den Neonazis gehört. Auch am 01.04.2006 demonstrierten über 1000 AntifaschistInnen in Gedenken an Schmuddel in Dortmund. Dabei wurde der Naziladen „Donnerschlag“, der mittlerweile schließen musste, von der entschlossenen Demo besucht und druckvoll klargemacht, dass die Neonazistrukturen in Dortmund nicht einfach so akzeptiert werden. Dennoch lässt sich ein entschlossener Widerstand gegen die Neonazis oft nur dann feststellen, wenn Ereignisse wie der Mord an Schmuddel oder die Aufmärsche der Neonazis ein übersehen ihrer Existenz unmöglich machen. Doch gerade in Dortmund, wo die Neonazis eine alltägliche Bedrohung für all jene Menschen darstellen, die nicht in ihr beschränktes Weltbild passen, wäre es wichtig eine dauerhafte antifaschistische Gegenwehr zu organisieren. Wer die Neonazis als Problem ernst nimmt, kann sich nicht damit begnügen mit medienwirksamen Aktionen, bei gegebenem Anlass, die WM-Stadt Dortmund als Heimat engagierter Bürger der Zivilgesellschaft zu präsentieren.

Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne
Neben einer konsequenten Thematisierung und Bekämpfung neonazistischer Gewalt ist es ebenso Aufgabe eines ernst gemeinten Antifaschismus, reaktionäre Tendenzen in der Gesamtgesellschaft ins Visier zu nehmen. So unterscheidet sich Kurt Becks Aufforderung an einen Langzeitarbeitslosen sich zu waschen und zu rasieren kaum von der Pöbelei „Wasch dich mal und geh arbeiten“, die Punkern nicht selten und nicht nur von überzeugten Neonazis an den Kopf geworfen wird. Vermutlich hat auch Schmuddel diesen Spruch mehr als einmal gehört. Die bürgerliche Mitte um Kurt Beck distanziert sich zwar von Taten wie dem Mord an Schmuddel und bekämpft Neonazis – nicht zuletzt weil sie dem Image Deutschlands weltweit schaden. Im Grunde genommen folgte die Tat des jungen Neonazis jedoch einer überspitzten Beckschen Ideologie – im Sinne einer deutschen Arbeitsethik – nach der nur derjenige essen soll, der auch arbeitet und die einen Hass gegen vermeintliche Sozialschmarotzer schafft, die auf Kosten der nationalen Gemeinschaft faulenzen. Zwar wird immer wieder versucht Rechtsextremismus allein als Problem neonazistischer Randgruppen abzutun, diese verzerrte Darstellung der Realität stellt jedoch lediglich den Versuch dar, die demokratische Mitte a priori von rechtsextremen Positionen freizusprechen. Äußerungen wie die Kurt Becks, Franz Münteferings Heuschreckenrhetorik oder Jürgen Möllemanns antisemitische Ausfälle beweisen hingegen immer wieder, dass extrem rechte Positionen auch aus der Mitte kommen und hier auf positive Reaktionen stoßen können.

Immer was zu tun…
Es gibt also genügend Gründe dieses Jahr erneut die Trauer und Wut, die aus der Erinnerung an die Ermordung Schmuddels entsteht, in Widerstand gegen die Verhältnisse, die den Rahmen für das Geschehene bildeten und heute noch bilden, umzuwandeln und eine entschlossene antifaschistische Demonstration in Dortmund abzuhalten. Dass bis heute keine Gedenktafel für Schmuddel am Tatort Kampstraße errichtet wurde ist ein Skandal. Obwohl die Tat mittlerweile zwei Jahre zurückliegt weigern sich die Dortmunder Stadtwerke nach wie vor, der Forderung nach einer Gedenktafel nachzukommen. Schmuddel praktizierte die so oft geforderte Zivilcourage gegen Rechts; dass ihm dafür keine angemessene Würdigung zu Teil wird ist eine Diskriminierung seiner Person. Die Hinhaltetaktik der Verantwortlichen ist unwürdig und unverschämt und es besteht kein Zweifel, dass wir nicht ruhen werden, bis die legitime Forderung nach einer Gedenktafel für Schmuddel endlich umgesetzt wurde. Wir werden Schmuddel niemals vergessen und es steht zu befürchten, dass das Neonaziproblem in den nächsten Jahren nicht verschwinden wird. Deshalb werden wir dieses Jahr, wie letztes Jahr und auch in den nächsten Jahren Schmuddel gedenken und zugleich die Neonazistrukturen in Dortmund ins Visier nehmen.

Deshalb: Kommt zur antifaschistischen Demonstration in Gedenken an Schmuddel!

Organisiert den antifaschistischen Widerstand!
Her mit der Gedenktafel für Schmuddel!
Nazistrukturen zerschlagen!
Kein Vergeben, kein Vergessen!

Demo: 31.03.2007 / 13:00 h / Dortmund / Hauptbahnhof (Vorplatz)

Außerdem findet schon am 28.03.2007 ab 19 Uhr eine Gedenkkundgebung am Tatort Kampstrasse statt.

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