Antifa-Action gegen den Naziaufmarsch

Insgesamt etwa 1.000 Menschen demonstrierten am Samstag in Dortmund gegen den ersten Aufmarsch Dortmunder Neonazis nach dem Mord an „Schmuddel“ am Ostermontag. Der Tag war geprägt von schwungvollem antifaschistischen Protest und jeder Menge Action. Die Neonazis können sich bei den Hundertschaften der NRW-Polizei bedanken, dass sie am heutigen Tag überhaupt marschieren konnten.

Die antifaschistischen Gegenaktivitäten begannen bereits am Freitag Abend. 70-80 BesucherInnen folgten der Einladung des Antifaschistischen Bündnis 28.03. in die Auslandsgesellschaft NRW am Hauptbahnhof. In zwei Dia-Vorträgen informierten die Referenten über Entwicklungen in der bundesweiten Neonazi-Szene und über die neonazistische Szene in Dortmund. Ihre großmäulige Ankündigung von Mitte März, dass keine „einzige Veranstaltung linker und antifaschistischer Kreise in dieser Stadt ungestraft über die Bühne gehen wird“ (AB-West, 11. März 2005), konnten die Dortmunder Neonazis erneut nicht gerecht werden.

Für Samstag waren drei Protestveranstaltungen gegen den Neonazi-Aufmarsch angekündigt. Das Dortmunder Bündnis gegen Rechts traf sich zu einer Kundgebung an der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, dem ehemaligen Gestapo-Gefängnis Westfalens, das als „Hölle Westdeutschlands“ im NS traurige Berühmtheit erlangte. Das BGR blockierte damit erfolgreich den ursprünglich anvisierten Aufmarschort der Neonazis. Die (laut Polizei) 100 TeilnehmerInnen vereinten sich im Verlauf des Tages mit der Kundgebung des Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus (DGB, Kirchen, etc.). Dieser beschränkte seinen Protest auf ein Bühnenprogramm am Stadthaus, gegenüber dem durch einen Bahndamm abgetrennten Aufmarschort der Neonazis.

Mit dem Ziel, den Neonazis direkt etwas entgegen zu setzen, versammelten sich ab 10:30 Uhr AntifaschistInnen zur Demonstration „Kein Vergeben- Kein Vergessen“ auf der Katharinenstraße, gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof. Nach zwei einleitenden Redebeiträgen setzten sich die knapp 800 Antifas um 11:30 Uhr auf ihrer Route durch die Innenstadt in Bewegung. An der U-Bahnstation Kampstraße, dem Ort, an dem der Punk „Schmuddel“ am 28.03. durch einen 17-jährigen Dortmunder Neonazi ermordet wurde, hielten die Demonstranten zu einer Schweigeminute inne. Anschließend zog die lautstarke und kraftvolle Demonstration durch die City über die Hansastraße zum Platz der alten Synagoge. Von dort ging es nach einem kurzen Redebeitrag über den Wall zum Stadthaus. Die Polizei hatte den Tunnel unter den Gleisen in Richtung Aufmarschplatz der Neonazis mit starken Kräften abgesperrt. Nach einer längeren Zwischenkundebung, auf der ein Redner nochmals Hintergründe zu den auf der anderen Seite der Bahnlinie versammelten Neonazis darstellte, erreichte die Demo über Gutenbergstr. und Chemnitzer Straße die Hohe Straße. Der Anmelder löste die Demonstration an diesem Punkt auf.
Die Demonstranten formierten sich neu und versuchte über die Hohe Straße die von der Polizei als Trennlinie benutzte Bahnlinie zu unterqueren. Kurz vor dem Ziel zwang die Polizei die Antifas zum taktischen Rückzug. Neu formiert ging es durch die Seitenstraßen. Wenige Meter vor dem Bahndamm wurden die Antifas nach kurzer Auseinandersetzung mit der Polizei erneut gestoppt. Der Versuch die zu diesem Zeitpunkt etwa 500 Personen große Gruppe zu kesseln konnte durch entschlossenes Handeln zwei Mal verhindert werden, einige BeamtInnen verloren kurzzeitig die Orientierung.
Weiter ging es in kleineren Gruppen in Richtung der Route der Neonazis, die zu diesem Zeitpunkt immer noch am Südbad auf der von der Polizei geschützten Seite des Stadthauses auf den Beginn ihres Aufmarschs durch das alternativ/studentisch geprägte Kreuzviertel warteten.

Dort hatten sich auf der Route der Neonazis am Vinckeplatz spontan AnwohnerInnen des Viertels versammelt. Gemeinsam mit aus der City einlaufenden Antifas blockierten sie die Straße. Der Aufmarsch kam dadurch nach 400 Metern auf der Kreuzstraße zum Stehen. Während die Neonazis mit der Polizei verhandelten, machten die Demonstranten ihnen deutlich, dass ihre Provokation nicht unwidersprochen bleibt. Nach mehr als einer halben Stunde mußte der Aufmarsch an der Blockade vorbei auf eine Nebenstraße umgeleitet werden. Eine dortige Blockade räumte die Polizei nach wenigen Minuten. Versuche mit den Neonazis auch in persönlichen Kontakt zu treten scheiterten leider am unkooperativen Verhalten der Ordnungskräfte, einige Argumente konnten jedoch auf dem Luftweg übermittelt werden.

Für die Neonazis ging es über Seitenstraßen in Richtung Möllerbrücke zurück auf die eigentliche Route. Auch hier bekamen sie die Wut der AnwohnerInnen und Antifas zu spüren. Die Polizei hatte die Lage nicht besonders gut im Griff. Zwar sperrte sie das Viertel entlang der Bahnlinie halbwegs dicht ab und beschützte die Neonazis so vor der Kontaktaufnahme mit einigen hundert Antifas jenseits der Absperrungen, im Viertel selbst lief sie jedoch nur lasch im Spalier und hatte auch die zwischenzeitlich aufgebrachten Nazis nicht immer unter Kontrolle. Auch das kurzzeitige Geschubse der „Autonomen Nationalisten“ (In den Stellungnahmen der Jugend-Poser um Giemsch und Surmann wird es wahrscheinlich noch als „Durchbruchversuch“ und Beweis ihrer „Entschlossenheit“ aufpoliert) konnte die Polizei nicht davon abhalten an ihrem netten Umgang mit den „Kameraden“ etwas zu ändern.

Die rund 150 Neonazis, überwiegend Dortmunder Asseln und das AB-West-Umfeld, trotteten, begleitet von Protesten noch bis zur S-Bahnstation Dortmund-Dorstfeld. Dennis Giemsch verkündete vollmundig über die Lautsprecheranlage man würde nach der Demonstration noch in die Innenstadt kommen. Gruppen von Antifas hielten sich zu diesem Zeitpunkt (etwa 15:30) noch vor dem HBF auf. Auch hier war die Polizei nicht in der Lage die etwa 50 mit der S-Bahn aus Dorstfeld zurückkehrenden Neonazis unter Kontrolle zu halten. Mehrere Neonazis griffen von den Gleisen kommend PassantInnen im HBF an. Mindestens ein Nazi-Skin wurde verhaftet. Kurz darauf bekamen die Neonazis zunächst im HBF, kurz darauf auf der U-Bahn-Ebene, zweimal deutlich zu spüren, dass ihre Angriffe nicht akzeptiert werden. Alles in Allem ein schmerzhaftes Eigentor.
Abends mussten die Neonazis noch erfahren: Auch feiern will gelernt sein. Die Polizei löste eine rechte Party in einer Wohnung im Steinauweg in Dortmund-Dorstfeld auf und nahm 13 Neonazis in Gewahrsam. Der Ermittlungsausschuss meldet für den gesamten Tag 9 verhaftete AntifaschistInnen.

Extra für den Aufmarsch hatten sich Teile der organisierten Dortmunder Neonazis mit neuen T-Shirts eingekleidet. (Laut eigener Aussage gibt es die hässlichen Lappen übrigens ab sofort im Donnerschlag auf der Rheinischen Str. zu kaufen) Die Aufschrift: „Dortmund ist unsere Stadt“. Dass sie dem selbst gesteckten Anspruch dieser Parole im öffentlichen Raum in keinster Weise gerecht werden können, haben sie am Samstag erfahren müssen. Ohne den Schutz der Polizei wären sie bereits am Südbad auseinander gefegt worden (Ohne die Hilfe der Polizei, welche den Nazis den eigentlich auf der abgesprochenen Antifa-Route gelegenen Südbad-Parkplatz und die Strecke im Vorfeld frei machte, hätten sie aufgrund ihrer Schusseligkeit, die Anmeldung schlichtweg vergessen zu haben, überhaupt nicht durch das Viertel laufen können). Die mentale Konfrontation mit der Realität wird sie indess leider nicht davon abbringen von ihrer seit Juni 2004 unter der Parole „Dortmund ist unsere Stadt“ betriebenen Hetze und den gewalttätigen Übergriffen, die Ende März „Schmuddel“ das leben kosteten, Abstand zu nehmen. Die aktive Gegenwehr gegen die Neonazis bleibt nach wie vor dringend notwendig.

Fotos hier.

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