Wut und Trauer zu Widerstand!

Aufruf zur antifaschistischen Demo am 02.04.05 in Dortmund.

Am Abend des 28. März 2005 wurde der Punk Thomas in der U-Bahn-Station Kampstraße in Dortmund ermordet. Selbst die Polizei – im Regelfall mehr als zurückhaltend mit derartigen Verlautbarungen – rechnet den Täter öffentlich der extrem rechten Dortmunder Szene zu. Die Neonazi-Szene indes zeigt sich selbstbewusst, droht gar mit weiteren Angriffen. Antifaschistinnen und Antifaschisten aus NRW rufen dazu auf, sich den Neonazis offensiv entgegenzustellen.

Die Dortmunder Neonazi-Szene hat sich eindeutig zu dem Mörder bekannt. Den 17-Jährigen bezeichnen sie als ihren „Kameraden“ aus Dortmund und besorgten ihm sofort einen Rechtsanwalt.

In der Nacht vom 30. auf den 31. März folgte die nächste Attacke, dieses Mal auf die Mahnwache an der Kampstraße. Ein 23-jähriger einschlägig vorbestrafter Neonazi drohte bereits am Nachmittag gegenüber einem Punk: „Ich stech Dich auch ab“, ehe er nachts die an der Mahnwache anwesenden Punks mit einem Messer angriff. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, die Polizei konnte den Täter stellen.

„Hier zeigt sich einmal mehr sowohl die andauernde Gewaltbereitschaft der Neonazis, als auch die Tatsache, dass die Szene den Mord als Ausdruck ihrer politischen Überzeugung versteht und offen mit dem Täter sympathisiert“, so Lea Stohic im Namen der Unterzeichner dieser
Pressemitteilung.

Doch die Dortmunder Neonazi-Szene geht noch weiter und droht auf gestern Nacht in Dortmund offen verklebten Plakaten: „Wer der Bewegung im Weg steht, muss mit den Konsequenzen leben.“ Presserechtlich verantwortlich für diese Plakate ist der Neonazi Axel Reitz aus dem Kölner Raum. Die Plakate dürften aber von der Dortmunder Neonazi-Szene erstellt worden sein.

In der Gaststätte „Deutscher Hof“ auf der Dortmunder Mallinckrodtstraße feierte die Dortmunder Neonazi-Szene drei Tage vor dem Mord den Jahrestag der Gründung der Nazi-Hooligan-Gruppe „Borussenfront“ um Siegfried („SS-Siggi“) Borchardt. Trotz Anwesenheit der Polizei konnten mehrere Neonazis einen Migranten verprügeln. Im späteren Verlauf des Abends wurden 23 Neonazis nach Auseinandersetzungen mit der Polizei in Gewahrsam genommen, trotzdem kann laut Polizei „zum gegenwärtigen Stand der Ermittlungen nicht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund ausgegangen werden“. Zusammenkünfte wie diese nutzen die Neonazis auch zur Rekrutierung ihres Nachwuchses. Ebenso wie der Mörder, so war auch der jüngste am Freitagabend verhaftete Neonazi gerade einmal 17 Jahre alt.

Die Dortmunder Neonazi-Szene ist in den letzten Jahren immer aktiver geworden und hat stetig und erfolgreich Nachwuchs angeworben. Aktuelle Kristallisationspunkte sind die „Kameradschaft Dortmund“ um Siggi Borchardt, Karin Lenzdorf, Erich Dombrowski und Katja Jarminowski, die „Autonomen Nationalisten östliches Ruhrgebiet“ (a.n.ö.r) um Dennis Giemsch und „Didi“ Surmann sowie der Kreis um den Brechtener Frontmann der Neonazi-Band „Oidoxie“, Marko Gottschalk. Die Dortmunder Szene dürfte derzeitig die stärkste Neonazi-Szene in NRW darstellen. Laut Angaben des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes (VS) in seinem Jahresbericht über das Jahr 2004 besteht der feste KERN der Aktivisten aus „etwa 30 Personen“, der „bis zu 80 Personen mobilisieren kann“, und dieses kurzfristig. Bei den Zahlen des VS ist das sympathisierende Szene-Umfeld nicht mitgerechnet.

Auf allen wichtigen bundesweiten Events der Neonazi-Szene sind Dortmunder Neonazis anzutreffen. Regelmäßig treten sie auch durch eigene lokale und regionale Demonstrationen und Kundgebungen in Erscheinung. Kameradschaftsabende, der Besuch auswärtiger und eigener Konzertveranstaltungen sowie andere „gesellige“ Veranstaltungen gehören zum Szene-Alltag, ebenso wie das Anpöbeln von missliebigen Personen sowie körperliche Angriffe. Vor Mord wird hierbei nicht zurückgeschreckt.

Dass das neonazistische Weltbild seine gewalttätige Umsetzung auch in Dortmund erfährt, zeigt sich schon länger. So stammte Michael Berger, der im Sommer 2000 drei Polizisten ermordete, ebenso aus der Dortmunder Szene, wie diejenigen, die lokale Gedenkstätten verwüsteten, einen Anschlag auf die Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht verübten und auf Neonazi-Veranstaltungen im Ausland offen zum militanten Kampf gegen „das Judentum“ aufrufen, wie es der heute in den Niederlanden lebende Michael Krick bei jeder sich bietenden Gelegenheit macht. Der Mord am Montagabend und der Messerangriff zwei Tage später sind Teil einer seit Jahren anhaltenden neonazistischen Gewaltwelle, der jederzeit alle zum Opfer fallen können, die nicht in das neonazistische Weltbild passen.

Lea Stohic: „Wenn, wie in Dortmund, die Existenz einer expandierenden Neonaziszene ignoriert wird – wie in der Vergangenheit häufig geschehen –, ist es die logische Konsequenz, dass die Neonazis unter dem Motto ‚Dortmund ist unsere Stadt‘ dieselbe zu einer no go area für nicht genehme Personen erklären und entsprechend selbstbewusst und gewalttätig agieren.“

Um unserer Wut und Trauer über den Mord an Thomas Ausdruck zu verleihen und dieser Entwicklung entgegenzutreten, rufen wir zur regen Teilnahme an der Mahnwache und Demonstration am 2. April in Dortmund auf.

Samstag 2. April 2005, 12 Uhr: Gedenkkundgebung, 13 Uhr: Demonstration ab U-Bahnhof Kampstraße, Dortmund-City

Doch bei dieser Demonstration darf und wird es nicht stehen bleiben. Wir, Antifaschistinnen und Antifaschisten aus NRW, rufen hiermit dazu auf, sich den Neonazis offensiv entgegenzustellen, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Jetzt reichts!

Antifaschistische Gruppen aus 37 NRW-Städten

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